Kunden fordern schicken Fuhrpark

Die Welt des Einkaufswagenbauers Wanzl

28. Juli 2014
Die Zahl der Hersteller von Einkaufswagen ist überschaubar, ihr Geschäft ist in den vergangenen Jahren deutlich schwieriger geworden. Mit immer spezielleren Konstruktionen buhlen die Firmen um die Kunden. Der Weltmarktführer kommt aus dem Schwäbischen.

Drahtkörbe auf Rädern sind Einkaufswagen noch immer. Doch die Modelle werden raffinierter, schicker und unterschiedlicher. Nicht nur, weil die Kunden in den Supermärkten anspruchsvoller werden. Auch der Markt für die überschaubare Zahl der Hersteller von Einkaufwagen ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. In Europa haben es die Unternehmen vor allem in den von der Euro-Schuldenkrise geschüttelten Staaten schwer, denn der Einzelhandel dort leidet unter hoher Arbeitslosigkeit und Ebbe in den Geldbeuteln der Verbraucher.

Doch auch in vielen anderen Ländern wächst die Fläche im Einzelhandel nicht mehr. Auch deswegen weiß Olaf Mörk, dass es in seinem Geschäft inzwischen auf jede Kleinigkeit ankommt. "Klemmt ein Rad am Einkaufswagen, ist das gleich schlecht für die Kauflust. Dann flüchte ich wieder", sagt der Marketingdirektor des nach Firmenangaben weltweit größten Herstellers Wanzl aus dem schwäbischen Leipheim. Die Wagen, die oft als sperrig und unhandlich gelten, sind im Wandel. Für Geschäfte sind Einkaufswagen inzwischen durchaus Visitenkarten.

"Das ist das Aushängeschild", kommentiert Mörk. Entsprechend investierten die Unternehmen seit ein paar Jahren: "Jedem Kunde soll der für ihn passende Wagen geboten werden, sonst geht er woanders einkaufen. Deshalb wird aufgerüstet", sagt er. Das zeigt auch die umfassende Produktpalette des spanischen Konkurrenten Marsanz. Auch der französische Riese Caddie bietet Seitenweise Sonderausführungen für Wagen oder Körbe. Das Baby liegt im Wagen mit Trageschale, die Kinder müssen sich nicht mehr nur mit dem kleinen Klappsitz begnügen, sondern bekommen eigene Mini-Wagen oder sitzen in Spielauto-Modellen.

Senioren hingegen soll durch angebrachte Leselupen und flache, bequemer zu beladene Warenkörbe geholfen werden. "Der Mensch will wählen können", sagt Mörk. Und häufiger wählt er auch mal kleinere Wagen. Speziell City-Märkte bieten inzwischen extra kleine Modelle in ihrem Fuhrpark an. "Singles genieren sich mit einem großen Wagen, in dem dann ein Kopfsalat und drei Päckchen Vanillezucker liegen", erklärt er. Die Modelle seien schnittiger, wendiger und leichter für den Slalom durch die Regale.

Beliebt seien Einkaufswagen bei den Händlern vor allem auch dann, wenn sie in den individuellen Farben der jeweiligen Marktkette lieferbar seien, was technisch und vom Aufwand her lange Zeit kaum möglich war. Inzwischen ist alles im Einheitslook lieferbar - extra Waschmobile bringen die Modelle außerdem wieder zum Glänzen. Weltweit stammt laut Wanzl jeder zweite Einkaufswagen aus der Leipheimer Metallwarenfabrik in Bayern, die jährlich rund 100 000 Tonnen Stahl verbaut. Entsprechend vertraut ist man mittlerweile mit den Eigenheiten und Sonderwünschen diverser Kunden.

Märkte in nordischen Ländern und den USA fordern große XL-Modelle - für den Zwei-Wochen-Einkauf. "Dort gibt es riesige Wegstrecken bis zu einem Laden, weshalb die Wagen dann regelrecht zugepackt werden", erklärt Mörk. In Mittelmeerländern seien Kunststoffmodelle gängig. Die sind zwar teurer als die rund 150 Euro teuren Stahlkarren, aber dafür auch bei hoher Luftfeuchtigkeit korrosionsbeständig. Doch wie auch Caddie oder Masanz leben die Leipheimer nicht nur von Einkaufswagen. Systeme zur Kundenführung, Gitterwagen für Firmenkunden, Regale oder komplette Lagersysteme sind zu haben.

2012, die bisher letzte verfügbare Umsatzzahl, erwirtschaftete Wanzl gut 294 Millionen Euro. "Es gelang trotz Umsatzsteigerungen in Deutschland nicht, in diesem schwierigen Umfeld die Umsatzerlöse des Vorjahres zu erreichen", heißt es im Geschäftsbericht. Gerade im Ausland ist der Wettbewerb scharf, die Konkurrenz stark. In Europa lief es vor allem in den Krisenstaaten wenig erfreulich. Auch den wachsenden Internethandel bekommen die Hersteller zu spüren: Im Online-Shop braucht es keine Einkaufswagen. "Andererseits gibt es aber auch Märkte, in die wir gar nicht reinkommen", sagt Mörk. In Indien beispielsweise sei der klassische Einkaufswagen völlig fremd. (dpa/rs)

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