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Interview: New IT

Digitales Wachstum braucht eine andere IT-Organisation

18. August 2016
Ima Buxton arbeitet als freie Redakteurin in München. Sie schreibt schwerpunktmäßig zu Strategie- und Trendthemen.
Die Unternehmens-IT-Abteilung muss im digitalen Zeitalter dringend neues Vertrauen und Zuversicht im Unternehmen aufbauen. Dr. Claus Jeschek von Accenture Strategy äußert sich zu den nötigen strategischen Bausteinen.

Die Wachstumsfelder der Zukunft liegen für Unternehmen im Angebot neuer digitaler Services über Ecosysteme. Doch die traditionellen IT-Strukturen geraten dabei zunehmend an ihre Grenzen. Herr Dr. Jeschek, mit welchen Schritten kann sich die IT-Organisation hier für die Zukunft aufstellen?

Claus Jeschek: CIOs sollten ihre Bereichsstruktur zunächst einem Selbsttest unterziehen. In einer Welt digitaler Dienstleistungen und zahlreicher As-a-Service-Modelle zählen Kernaspekte wie die Verfügbarkeit neuer Dienste und IT-Lösungen, die Geschwindigkeit, in der diese ausgerollt werden können, die Reaktionszeit bei Problemlösungen und nicht zuletzt auch die Kostenstruktur für die internen Kunden. Auf dieser Grundlage sollten die IT-Verantwortlichen den Umbau der eigenen Einheit konkret vorantreiben.

Braucht es hier auch eine Veränderung der Mentalität?

Claus Jeschek: Ganz sicher. Der Erfolg vieler Start-ups, ihr disruptiver Charakter, resultiert ja nicht nur aus der Tatsache, dass sie keine technologischen Altlasten mit sich herumschleppen. Auch die Art, wie sie arbeiten, ihre IT-Betriebsmodelle und die Praktiken bei der Einführung von Technologien sowie im betrieblichen Ablauf sind entscheidend. Traditionelle Unternehmen und die IT-Einheiten sollten sich daran dringend orientieren. Dies hat den Vorteil, dass sie nicht nur Geschwindigkeit aufnehmen, sondern aufgrund ihrer Größe auch deutliche Skalenvorteile ausspielen können.

Was heißt das konkret für die traditionelle Struktur?

Claus Jeschek: Hier bedarf es durchaus des Neuaufbaus auf der grünen Wiese, der Etablierung neuer Geschäftsgruppen und der Neudefinition von Teilen des IT-Betriebsmodells, die ursprünglich ja nur dazu dienten, die Stabilität des bestehenden Geschäfts zu gewährleisten, mitsamt Prozessen, Führung, Funktionen, KPIs, Werkzeugen und Strukturen.

Worauf muss beim Aufbau des neuen IT-Geschäftsmodells besonders geachtet werden?

Claus Jeschek: CIOs müssen dafür sorgen, dass die alte Organisation nicht die neue zerstört. Es wird Gruppen im Unternehmen geben, die mit allen Mitteln danach streben, das bestehende Geschäftsmodell und damit den Status quo zu erhalten. Der Wechsel der IT in ein Service-Broker-Modell wird nur möglich, wenn die Verantwortlichen die Unterstützer des Wandels identifizieren und einbinden, bevor die "Bewahrer" ihnen zu Leibe rücken.

Um das nächste Level, das Ermöglichen neuer Geschäftsmodelle, Prozesse, Werkzeuge und Organisationsstrukturen zu erreichen, braucht das Unternehmen aber genau diese Kräfte des Wandels. Die Business-Seite sucht nach technologiegetriebenen Lösungen für ihr Geschäft und braucht die volle Unterstützung der IT. Liefert diese nicht, dann werden sich die internen Kunden Support von außen holen. Das muss die IT verinnerlichen.

Was unterscheidet dann die Unternehmens-IT von Anbietern von draußen?

Claus Jeschek: Im besten Falle gar nichts. Die IT-Abteilung verliert in der digitalen Welt ihre Monopolstellung. Strategien, Einstellungen und Verhaltensweisen müssen dem gerecht werden. Die Organisation muss sich selbst als Teil des Wettbewerbs der Cloud- und Service-Anbieter von außen wahrnehmen. Und sie muss diese auch für sich im Unternehmen zu nutzen wissen und wo nötig einbinden. Zugleich geht es künftig darum, die internen Kunden, das Geschäft, mit passenden Governance-Strukturen bei der beschleunigten technologischen Entwicklung, dem Management des Wandels und der Reduzierung von Risiken zu unterstützen.

Welche Fragen sollten sich IT-Organisationen stellen, um den eigenen Status quo besser zu fassen und Maßnahmen abzuleiten?

Claus Jeschek: Hier gibt es zahlreiche Aspekte. Arbeitet beispielsweise die IT-Abteilung als reines Cost-Center oder versteht sie sich als Wertstifter für das Geschäft und lässt sich hier durchaus zu Wettbewerbsbedingungen messen? Hinzu kommen die Schlagzahl, was das Angebot neuer Technologien und Softwarelösungen für die internen Kunden anbetrifft und die Zeiträume zwischen der Planung neuer Lösungen und tatsächlichem Go live, auch in Form von Minimum Viable Products und Prototypen. Auch Response-Zeiten und die Möglichkeiten, IT-Probleme zu melden, sind ein guter Indikator.

Nicht zuletzt sind heute aber auch die Einbindungsmöglichkeiten von Start-up-Anwendungen in die eigene IT-Welt von wesentlicher Bedeutung. Bietet die Unternehmens-IT eine Plattform-Basis für ein ganzes Bündel von Anwendungen und kann sie als Lösungs-Hub fungieren? Hier kann die Unternehmens-IT beispielsweise von den Entwicklungen im Finanzsektor lernen. Dort arbeiten Banken und Fintech-Start-ups mittlerweile ganz selbstverständlich zusammen.

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