Milliardendeal

Grünes Licht aus Mexiko für E-Plus und O2

26. August 2013
O2 will E-Plus kaufen. Der mexikanische Multimilliardär Carlos Slim hat dabei ein Wörtchen mitzureden. Bisher sah es so aus, als bremse er den Milliardendeal. Nun macht er den Weg frei.

Der Knoten ist geplatzt. Mit dem Schwenk von Multimilliardär Carlos Slim ins Lager der Unterstützer hat die Übernahme von E-Plus durch Telefónica Deutschland (O2) eine hohe Hürde genommen. Die Abstimmungen der Aktionäre beider Unternehmen wird damit zum Selbstläufer. Der Milliardendeal im deutschen Mobilfunkmarkt ist aber noch nicht in trockenen Tüchern. Eine Übernahme würde die Anzahl der Anbieter auf dem hartumkämpften Feld von vier auf drei verringern. Und das sehen die Wettbewerbshüter kritisch.

In deren Spielfeld liegt nun der Ball. Und noch ist nicht entschieden, welche Kartellbehörde das Geschäft prüfen wird: Das Bundeskartellamt oder die angesichts der Größe des Geschäfts zuständige EU-Kommission. Kartellamtschef Andreas Mundt jedenfalls betrachtet sein Haus als zuständig. "Sollte Telefónica Deutschland den Zusammenschluss mit E-Plus anmelden, gehört der Fall aus unserer Sicht eindeutig nach Bonn", hatte Mundt vor wenigen Tagen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt.

Der Grund: "Dass ein solcher Zusammenschluss erhebliche Folgen für den Wettbewerb hätte und in all seinen Facetten genau geprüft werden muss, liegt auf der Hand." Für das Geschäft könnte das durchaus noch Probleme bringen. Als die Deutsche Telekom ihre US-Mobilfunksparte an AT&T verkaufen wollte, schalteten die Wettbewerbshüter auf stur: Wenn die Nummer zwei die Nummer vier schluckte, würden sich die verbleibenden drei Anbieter weniger Konkurrenz machen, sagte die Behörde. Für Deutschland muss das nichts heißen. "Es kommt allein auf die Marktverhältnisse in Deutschland an", sagte Mundt.

Ein neuer Martkführer in Deutschland

In Deutschland würde aus E-Plus und O2 zusammen mit einem Schlag ein neuer Marktführer entstehen. Telekom und Vodafone müssten sich mit den Plätzen zwei und drei zufriedengeben. Manche Experten halten es zumindest für möglich, dass das den Wettbewerb auch hier entschärfen könnte – zulasten der Kunden. E-Plus hatte die Konkurrenten mehrfach mit Preissenkungen geschockt. Die murrten erst, zogen dann aber nach. Im Laufe der Zeit sackten die Preise immer weiter nach unten. Der Verbraucher freut sich, die Branche ächzt aber unter den Kosten des Netzausbaus, ohne dass sie das Geld bei den Kunden wieder einsammeln kann.

Auch Carlos Slim ging es wohl vor allem ums Geld. Das Verhältnis zwischen der niederländischen E-Plus-Mutter KPN und ihrem Großaktionär war nie besonders gut. Im Sommer vergangenen Jahres war Slim mit seinem Unternehmen America Movil gegen den Willen der KPN-Führung mit knapp 30 Prozent eingestiegen. Als KPN den Verkauf der Ertragsperle E-Plus ankündigte, eskalierte die Lage. Slim fand den Preis zu niedrig und sperrte sich. Um den Deal zu stoppen, drohte er damit, KPN komplett zu übernehmen.

Einigung erzielt

KPN wiederum setzte Slim die Pistole auf die Brust und lud für den 2. Oktober zur Hauptversammlung. Doch stimmberechtigt sind nur die Aktionäre, die ihre Papiere bereits am 4. September gehalten haben. Denkbar ist, dass Slim einfach die Zeit fehlte, seinen Anteil bis dahin auszubauen. Nun ist ihm Telefónica entgegengekommen. Eine halbe Milliarde Euro ist die Offerte nun schwerer. Das dürfte Slim das Einverständnis versüßt haben. Auf Seiten der Geschäftspartner ist der geplante Verkauf damit geritzt. Widerstand haben beide Seiten nicht mehr zu befürchten.

Doch auch die Bundesnetzagentur hat bei dem Geschäft ein Wort mitzureden. Sollte der Verkauf erlaubt werden, ist es wahrscheinlich, dass die Netzagentur das neue Unternehmen zwingen wird, Frequenzen abzugeben. Sie wurden unter der Bedingung erteilt, dass die Unternehmen unabhängig sind. Bei einem Zusammenschluss droht ein Ungleichgewicht gegenüber der Telekom und Vodafone. Dafür gibt es einen berühmten Präzedenzfall. Als die Deutsche Telekom ihr Netz in Großbritannien mit dem von France Telecom zusammenlegte, mussten sie bei den Frequenzen Federn lassen. Das hat sie allerdings nicht davon abgehalten, gemeinsam zum Marktführer aufzusteigen. (dpa/tö)

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