Indiens SAP-Chef Clas Neumann im Interview

Inside Bangalore

02. April 2007
Von Anja Tiedge
Indien ist auf dem Sprung zur Wirtschaftsmacht. Doch wie lange wird das enorme Wachstumstempo halten? SAP-Indien-Chef Clas Neumann analysiert im Interview Reize und Risiken aus Investorensicht und verrät, warum der Bangalore-Boom vorbei ist.

Indien hat vor allem durch seine Software- und Ingenieursdienstleistungen in den vergangenen Jahren einen einzigartigen Boom erlebt. Die Stadt Bangalore, der Hauptsitz von SAP in Indien, gilt als IT-Hub des Landes. Sie behaupten hingegen, dass die Bangalore-Euphorie vorbei sei. Schneiden Sie sich damit nicht ins eigene Fleisch?

In Bangalore gibt es mittlerweile mehrere Tausend IT-Unternehmen. Es existiert definitiv eine Euphorie, die von vielen inzwischen aber differenziert gesehen wird. In der Stadt lastet durch das starke Wachstum ein hoher Druck auf der Infrastruktur, die nicht so schnell mitwachsen konnte. Das ist das Problem.

Wir bekommen das jeden Tag selbst zu spüren: Morgens kommt es oftmals zu immensen Staus, die Mitarbeiter brauchen teilweise zwei Stunden zur Arbeit. Die Wasserversorgung funktioniert nicht und auch der Strom fällt fast jeden Tag aus. Wir haben das durch eigene Generatoren gelöst. So sind wir von der öffentlichen Versorgung unabhängig und können bis zu sechs Wochen lang selbst Strom erzeugen.

Wie sieht die SAP-Lösung für das Anfahrtsproblem der Mitarbeiter aus?

Mit rund 100 Bussen fahren wir unsere Mitarbeiter von bestimmten Haltestellen, die in der ganzen Stadt verteilt sind, direkt vor die SAP-Tür. So benötigen sie eine Stunde für eine Strecke, für die man mit öffentlichen Verkehrsmitteln drei bis vier Stunden einplanen muss. Hinzu kommt, dass wir den Arbeitsbeginn auf acht Uhr vorverlegt haben, um nicht in die Rushhour zu kommen. In Indien fängt die Arbeit traditionell erst gegen zehn Uhr an.

Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
Dieses Interview erscheint mit freundlicher Genehmigung von manager-magazin.de.
Foto: manager-magazin.de

Das klingt, als ob sie das Problem kurzfristig überbrücken, sich aber langfristig nach anderen Standorten umsehen.

Mittlerweile schauen wir uns nach anderen indischen Standorten um. Wir haben inzwischen Entwicklungszentren in Gurgaon und Chandigar, zwei Orte der zweiten Reihe, also keine Megastädte. Dort findet man noch relativ vernünftige Bedingungen. Die Schwierigkeiten, mit denen wir momentan kämpfen, beziehen sich hauptsächlich auf Bangalore.