Die wöchentliche CIO-Kolumne

Kollateral-Lehren

24. März 2003
Die Gartner Group hat in der vergangenen Woche eine Online-Aktion gestartet, mit der sie CIOs über mögliche Auswirkungen des Golfkriegs für die Unternehmens-IT informiert. Neben praktischen Ratschlägen, wie man in der Krise mit den Mitarbeitern kommunizieren und sie informieren sollen, listet das Marktforschungs- und Beratungshaus auf, was CIOs aus IT-Sicht aus dem ersten Golfkrieg 1991 lernen konnten - und was vermutlich die Lehren aus diesem Krieg sein werden. Für CIOs in Deutschland hat der Krieg bislang kaum direkte Auswirkungen, sie müssen andere Lehren ziehen.

In den 90er Jahren schien die Globalisierung der IT kaum aufzuhalten zu sein. An sich ist es egal, wo Server oder ein RechenzentrumRechenzentrum stehen und ob Dienstleister ihre Arbeiten in Deutschland, den USA oder in Indien erledigen. Beim Grid-Computing werden sogar weltweit verteilte Rechner zusammengeschaltet. Doch Naturkatastrophen, politische Unruhen und Kriege rufen es ins Gedächtnis zurück, dass IT an realen Orten und unter echten Gefahren gemacht wird. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de

Aus IT-Sicht machten die Gartner -Analysten nach 1991 eine deutliche Verbesserung der Lieferkette (Supply Chain Management, SCM) aus. Zwar gab es SCM-Konzepte schon vor 1991, doch erst nach dem Krieg kam SCM voll zu Geltung. In diesem Krieg sehen die Analysten, in Analogie zum Militärvorgehen, drei Punkte, die Einfluss auf das Geschäft von Unternehmen haben werden. Aktuell diskutieren Experten eher Fragen mit praktischem Bezug, etwa die vermuteten Einschränkungen des weltweiten Navigationssytems Global Positioning System (GPS) oder die Sicherheit von Outsourcing-Dienstleistern. Bei der GPS-Diskussion handelt es sich wohl mehr um eine Phantomdebatte als um eine reale Gefahr. Von einem teilweisen Ausfall oder der Störung ("unscharf stellen") des Systems wären auch US-Schiffe und -Zivilflugzeuge betroffen. Deshalb ging Klaus Berge, Raumfahrtdirektor beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt , in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagzeitung, davon aus, die USA würden als GPS-Betreiber nur die Signale über der Golf-Region stören.

Auch die Sicherheit von Outsourcing-Dienstleistern stellt zumindest für CIOs in Deutschland kaum ein Problem dar: Im Vergleich zu ihren Kollegen im Ausland lagern sie ihre IT, sehr zum Leid der Dienstleister, eher ungern aus. Auch Offshore-Outsourcing, also beispielsweise Software-Entwicklung in Indien, spielt in deutschen Unternehmen noch keine wirklich große Rolle.

Die Gartner-Informationen bieten interessante Ausblicke und Ratschläge - und verlinken dabei freilich oft auf kostenpflichtige Studien. Gegen diese Art von Marketing by War ist freilich wenig einzuwenden, denn auf den Websites anderer Beratungsunternehmen finden sich keinerlei einschlägige Informationen dazu.

Doch welche Schlüsse lassen sich aus deutscher IT-Warte bislang aus dem Krieg ziehen - beziehungsweise welche Folgen sollten ins Kalkül gezogen werden? Da wäre die Frage nach den Handelsbeziehungen zu den USA, die womöglich Auswirkungen auf die IT-Sourcingpreise haben, aber auch auf das überseeische Geschäft deutscher IT-Anwenderunternehmen haben könnten. Und wie entwickelt sich das Geschäft in der EMEA-Region? CIOs haben keinen Einfluss auf die Voraussetzungen, unter denen diese Fragen beantwortet werden. Sie müssen jedoch schnell und flexibel reagieren können, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Und dabei hilft im Einzelfall weder Gartner noch ein anderes Expertenhaus. Schnelle Reaktionen sind ein Business, bei dem letzten Endes jeder CIO auf sich gestellt ist.

Rolf Röwekamp
Rolf Röwekamp
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