Verwerfungen digitaler Kommunikation

Mehr Gespräche über digitales Mobbing gefordert

11. September 2013
Üble Nachstellungen im Netz machen vielen Kindern und Jugendlichen zu schaffen. Auf einer Fachtagung forderten Forscher bessere Vorbeugung von Schulen und Eltern. Aber das ist nicht so einfach.

Wüste Beschimpfungen, verletzende Bilder oder gar Drohungen, die über das Internet verbreitet werden: Jeder dritte bis fünfte Jugendliche hat so etwas schon einmal erlebt, zeigen Zahlen des Bündnis gegen Cybermobbing. Der Verein will aufrütteln und lud deshalb in Berlin zu einer Fachtagung ein. Ziel war es, eine Öffentlichkeit für das von Opfern oft verschwiegene Thema zu schaffen - und nach Wegen zu suchen, Mobbing im Netz einzudämmen.

Das Problem müsse stärker öffentlich und in der Familie diskutiert werden, forderten Experten. Nur so könne es eingedämmt werden, sagte der Vorsitzende des Bündnis gegen Cybermobbing, Uwe Leest. "Ohne die öffentliche Diskussion werden wir das Phänomen nicht nachhaltig bekämpfen können", sagte er.

Mobbing sei nicht auf digitale Medien beschränkt, betonte der Wissenschaftler Justin Patchin von der Universität von Wisconsin in den USA. "Bullying gab es lange bevor es diese Technologie gab." Ein Unterschied sei, dass digitales Nachstellen jederzeit stattfinden kann. Werde ein Kind auf dem Schulhof gepiesakt, könne es der Situation entfliehen und sei etwa zu Hause geschützt. Digitalem Mobbing dagegen könne das Opfer sich nicht entziehen. Opfer fühlten sich oft wütend und hilflos.

Die digitale Kommunikation mache es Eltern und Lehrern schwerer, die Aktivitäten von Jugendlichen zu beobachten und notfalls einzugreifen. "Viele dieser Gespräche zwischen Jugendlichen laufen inzwischen versteckt", etwa über SMS oder Smartphone-Apps anstatt wie früher am Telefon in der elterlichen Küche.

Eltern sollten mit ihren Kindern über Technik reden, empfahl Patchin, der seit mehr als zehn Jahren zu dem Thema forscht. "Wir nehmen uns nicht genug Zeit, um Kindern zu erklären wie sie verantwortungsvoll mit Technologie umgehen", sagte Patchin. "Manchmal ist das schwer, weil Kinder mehr über die Technik wissen als wir." Das Internet-Profil oder Handy zu verbieten, sei keine Lösung. Denn Kinder und Jugendliche fänden meist doch einen Weg ins Netz.

So zeigt die Onlinestudie von ARD und ZDF, dass jeder Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren zumindest gelegentlich im Internet unterwegs ist. Doch auch Kinder seien zunehmend von Cybermobbing betroffen. "Ein wichtiger Punkt ist, dass die Opfer immer jünger werden", sagte Catarina Katzer vom Bündnis gegen Cybermobbing. Sie wirbt dafür, dass Schulen früher mit Vorbeugungsarbeit beginnen. Wenn es das gäbe, seien es oft Einzelinitiativen, beklagt sie.

Online-Netzwerke wie FacebookFacebook, TwitterTwitter oder Youtube sollten beleidigende Bilder und Videos möglichst schnell entfernen, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, sagte Patchin. Es sei wichtig, solche Inhalte zu melden. (dpa/rs) Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

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