IFA in Berlin

Nicht nur die großen Neuheiten begeistern

06. September 2013
Fast 1.500 Messestände gibt es auf der diesjährigen IFA. Zu viel, um es an einem Tag zu schaffen. Und zu viel für den weihnachtlichen Wunschzettel. Aber viele Besucher kommen eben auch nur zum Gucken.

Es flimmert, dröhnt und brutzelt wieder in den Messehallen am Berliner Funkturm. Zu Tausenden drängen sich Besucher der Elektronikmesse IFA seit Freitag durch die Gänge zwischen riesigen Flachbildfernsehern, Tablet-Computern und Waschmaschinen. Mehr als 240.000 Menschen werden es bis zum nächsten Mittwoch insgesamt wohl sein.

Katja Dessel ist noch nicht lang auf der Messe, da sitzt sie schon auf der Bühne. Ein Künstler malt sie auf einem überdimensionalen Tablet-PC. Nur eine Minute später erscheint das Konterfei der Berlinerin auf einem Bildschirm hoch oben über dem Stand des chinesischen Computerherstellers Lenovo.

Am ersten IFA-Tag wirken eben nicht nur die technischen Neuerungen. "Das war sehr besonders, so etwas hat man ja nicht alle Tage", sagt Dessel nach ihrem spontanen Bühnenauftritt. Sie kommt seit über zehn Jahren regelmäßig auf die Messe. "Ich bin sehr technikaffin. Hier kann ich einen schönen Tag haben", sagt sie.

Bunt, laut, groß

Die IFA erfüllt schon am ersten Tag die Erwartungen vieler Besucher. Ein Koch flambiert Crème brûlée mit dem Bunsenbrenner, Schüler drängen sich an einem Achterbahn-Simulator und in den großen Papiertaschen der Besucher versinken Schlüsselbänder, Touchpad-Reinigungstücher und Berge von Prospekten.

Wie gewohnt scharen sich die Besucher um die großen Neuheiten – etwa in der Samsung-Halle, wo der weltgrößte Smartphone-Hersteller seine Computeruhr Galaxy Gear präsentiert. Doch mancher winkt ab, als das Standpersonal erklärt, dass die Uhr das Smartphone nicht ersetzte, sondern nur ergänze.

Fragen zum Schutz von Daten und Persönlichkeitsrechten im Netz sind kaum zu hören – und das obwohl zum Messestart neue Enthüllungen über die Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes NSA publik wurden. Zwar haben die Veranstalter das Ziel ausgegeben, die Messe auch zum politischen Forum zu machen, doch die Besucher kommen noch immer eher, um zu Staunen.

Größer, heller, 3D-fähig, mit Internet – und mittlerweile sogar gebogen: Fernseher der neusten Generation ziehen viele Blicke auf sich. Auch die von Frank Waldhusel, der mit einer 3D-Brille auf der Nase vor einem übergroßen Toshiba-Fernseher steht.

Der Berliner kommt seit 35 Jahren auf die weltgrößte Elektronikmesse – seit jenen Jahren, als das Farbfernsehen noch jung war und Philips in den Hallen am Funkturm den ersten CD-Player vorstellte. Damals gab es die Messe noch alle zwei Jahre, erinnert sich Waldhusel. Zu selten für die kurzen Entwicklungszyklen der Gegenwart. (dpa/tö)

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