Mobile World Congress

Nokia setzt Android gegen Google ein

24. Februar 2014
Nokia spielt Trittbrettfahrer: Weil die Finnen beim Preis bisher nicht mit den günstigsten Android-Smartphones mithalten konnten, funktionierten sie kurzerhand das offene Google-Betriebssystem für ihre Geräte um. Google bleibt dabei außen vor.

Nokia macht sich die offene Variante des Google-Betriebssystems AndroidAndroid zunutze, um mit dem Internet-Konzern in Entwicklungsländern zu konkurrieren. Der einstige Handy-Weltmarktführer stellte auf dem Mobile World Congress in Barcelona am Montag drei Android-Geräte ohne Google-Dienste vor. Stattdessen sind auf ihnen Angebote von Nokia und dem künftigen Mutterkonzern MicrosoftMicrosoft für Karten, E-Mails, Speicher oder Musik installiert. Selbst die Benutzeroberfläche ist mit den typischen Kacheln dem Microsoft-System Windows PhoneWindows Phone nachempfunden. Das günstigste Modell kostet nur 89 Euro vor Steuern. Alles zu Android auf CIO.de Alles zu Microsoft auf CIO.de Alles zu Windows Phone auf CIO.de

Bei Android gibt es zum einen die offene Software-Plattform, die jeder Hersteller nach Belieben weiterentwickeln kann. Diesen Weg wählte zum Beispiel bereits der Online-Händler AmazonAmazon für seine Kindle-Tablets. Hersteller wie Samsung, Sony oder LG nutzen hingegen die Android-Version mit Google-Diensten für die es strikte Vorgaben gibt. Nokia setzte bei SmartphonesSmartphones bisher auf das Microsoft-System Windows Phone in seinen Geräten der Serie Lumia. Damit kann man aber derzeit wegen hoher Anforderungen an die Hardware nicht so günstige Smartphones bauen wie mit Android. Alles zu Amazon auf CIO.de Alles zu Smartphones auf CIO.de

"Wir sehen die X-Modelle als Ergänzung der Lumia-Plattform im günstigen Bereich", sagte der Chef der Nokia-Handysparte Stephen Elop. Die Lumia-Serie stehe weiter im Mittelpunkt von Nokias Smartphone-Strategie. "Dort werden wir weiterhin unsere Innovationen einführen."

Das Nokia X hat ein Display mit einer Diagonale von 4 Zoll (10,16 cm) und eine 3-Megapixel-Kamera. Das zweite Modell Nokia X+ hat mehr Speicher. Und das Nokia XL bekam einen größeren 5-Zoll-Bildschirm und eine verbesserte Kamera mit Autofokus und Blitz. Es soll 109 Euro vor Steuern kosten.

Die Telefone kommen zunächst in den Schwellen- und Entwicklungsländern auf den Markt, aus denen derzeit das Wachstum der Branche kommt. Dort wechseln die Menschen in großem Stil einfache Handys durch Smartphones aus, es sind aber vor allem billige Modelle gefragt. Hersteller billiger Android-Smartphones räumen gerade ab, ihre Geräte kosten zum Teil nur 60 Dollar. Nokia ist in diesen Märkten traditionell eine sehr starke Marke und verkauft allein von seinem günstigsten Modell rund eine Million Geräte pro Woche, wie Elop sagte.

Beim Marktforscher Gartner sieht Analyst Anshul Gupta den Sprung zur Android als Eingeständnis, dass Nokias hauseigene Plattform Asha im Kampf um Marktanteile bei günstigen Internet-Handys versagt habe. "Die Asha-Modelle waren nicht so effizient, wie Nokia es sich erhofft hatte." Zugleich sei Nokia in der Dritten Welt nach wie vor eine Marke, der die Menschen vertrauen.

Microsoft arbeitet auch daran, Smartphones mit Windows Phone billiger zu machen und zeigt in Barcelona Prototypen auf Basis günstigerer Chips. Allerdings würde es noch dauern, bis sie auf den Markt kommen. Daher könnte das Android-Engagement von Nokia auch nur eine Übergangslösung sein. Damit erhalten die Nutzer Zugang zu einer breiten Auswahl an Android-Apps. Nokia und Microsoft können die Anwender aber zugleich ihre eigenen Cloud-Angebote wie MixRadio, Skype oder den Speicherdienst OneDrive einführen. Damit halten sie die Tür für einen eventuellen späteren Wechsel zu teureren Modellen mit Windows Phone offen.

Nokia nennt seine Android-Version Android Open SourceOpen Source Project. Die Apps können bei Nokia oder bei anderen Android-App-Anbietern geladen werden, einen Zugang zu Googles Plattform Play Store gibt es nicht. Alles zu Open Source auf CIO.de

Elop, der frühere Nokia-Konzernchef, soll mit dem Verkauf der Handy-Sparte zu Microsoft wechseln. Der Rest-Konzern Nokia besteht vor allem aus dem Netzwerk-Ausrüster NSN und dem Kartendienst Here. Man werde sich stark auf das Internet der Dinge mit seinen vielen vernetzten Geräten und hohem Daten-Volumen konzentrieren, kündigte der amtierende Nokia-Chef Risto Siilasmaa in Barcelona an. (dpa/rs)

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