West-Niveau erst in 30 Jahren erreicht

Osteuropa holt IT-Rückstand auf

Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Der osteuropäische IT-Markt spiegelt das klassische Nachzügler-Phänomen wider: exorbitante Wachstums-Raten verglichen mit Westeuropa, deutlich nachhinkendes Markt-Volumen. Obwohl etwa der rumänische IT-Sektor dieses Jahr mit 11,2 Prozent (Deutschland: drei Prozent) wächst, dauert es noch drei Jahrzehnte, bis westliches Niveau erreicht ist. Das zeigt eine Markt-Übersicht der "Erste Bank".
Wachstumsraten im Länder-Vergleich.
Wachstumsraten im Länder-Vergleich.

In Polen zum Beispiel war 2006 für die Branche ein verlorenes Jahr. Zwar sorgt die Regierung Kaszynski stets für beträchtliches Aufsehen auch im Ausland, daheim erledigt sie ihre Hausaufgaben nicht immer gewissenhaft. Der Report bemängelt, von EU-Fördergeldern für staatlichen IT-Bedarf in Höhe von 600 Millionen Zloty (umgerechnet 158 Millionen Euro) seien bis Jahresende nur 3,5 Prozent ausgegeben worden. Gewinnwarnungen von Unternehmen wie Prokom, Sygnity und ABG waren laut Studie eine Folge.

Weil die EU-Subventionen allerdings befristet sind, rechnet die Bank mit einem Schub in diesem und im kommenden Jahr: Für 16 öffentliche ProjekteProjekte - vom Grenzschutz-System bis zur elektronischen Steuererklärung - stehen 2007 und 2008 insgesamt 2,2 Milliarden Zloty bereit, bis 2013 3,5 Milliarden. Auch wenn sich die polnischen IT-Firmen allmählich aus der Abhängigkeit von staatlichen Aufträgen lösen, sorgt die öffentliche Hand immer noch für zehn bis 35 Prozent ihre Einkünfte. Alles zu Projekte auf CIO.de

Der Blick gerade nach Polen lohnt sich deshalb, weil die IT dort fast exakt den osteuropäischen Durchschnitt repräsentiert. In diesem Jahr zieht der IT-Markt nach Prognose des European Information Technology Observatory (EITO) in Osteuropa um 9,2 Prozent an, in Polen um 9,1 Prozent. In Westeuropa (EU 15) liegt die durchschnittliche Wachstumsrate bei 4,2 Prozent.

Pro Kopf geben die Osteuropäer im Jahr 148 Euro aus, die Polen 161 Euro - verschwindend wenig im Vergleich zu den 745 Euro in Westeuropa oder den Beträgen jenseits der 1.000 Euro in den USA und Japan.