Organisation von IT-Vorhaben

"Projekte gehören abgeschafft"

03. Juni 2002
Horst Ellermann ist Herausgeber des CIO-Magazins.
Anstatt Bauchlandungen bei IT-Sondereinsätzen mit viel Mühe abzufedern, schlägt der Schweizer Berater Adrian Fröhlich vor, ganz auf Projekte zu verzichten.

CIO: Weshalb halten Sie Projekte für ein unglückliches Konstrukt?

Adrian Fröhlich: Sie dauern zu lange, kosten zu viel und bringen nie das, was man sich erhofft hat. Das haben die Studien der Standish Group gezeigt, und das deckt sich auch mit meinen Erfahrungen.

Was kann man besser machen?

ProjekteProjekte sind in sich bereits ein optimiertes System; an dieser Stelle kommen wir nicht weiter. Statt Projekte für Neuentwicklungen aufzusetzen, sollten wir die IT-Organisation so umbauen, dass Neues mit den Mitteln des IT-Change-Managements abgewickelt werden kann. Alles zu Projekte auf CIO.de

Wie funktioniert das?

Die Aufgaben eines Projekts sind in ein Set von standardisierten Jobs zu verwandeln, die von einem Change-Management-Gremium gesteuert werden. Es wird eine Art General-Unternehmerschaft etabliert, welche sicherstellt, dass einzelne, standardisierte Leistungen in der richtigen Reihenfolge abgearbeitet werden. Das sieht aus wie ein Projekt, ist aber eine immer neue Verknüpfung bekannter Tätigkeiten.

Ist es nicht einfacher, sich in kleinen Projekten mit Neuem zu befassen?

Das glaube ich heute nicht mehr. Ein Projekt ist wie eine Expedition, die sich ein Königreich leistet, das die Expedition auch kontrollieren möchte. Aufgrund sich wandelnder Anforderungen geht das aber nur schlecht. Die künftige IT-Organisation muss eine Baustelle sein und kein Königreich.

Wie kann man Könige aus ihrem Reich vertreiben und ihnen klar machen, dass sie jetzt auf einer Baustelle leben müssen?

Indem wir wirklich endlich ernst nehmen, dass es um den Kunden geht. Das machen wir am besten, wenn wir uns in kleine Einheiten aufteilen, die permanent im Kundenkontakt stehen. Das gilt auch für Führungseinheiten, sprich für das Management.

Also muss das Unternehmen ganz neu aufgebaut werden?

Letztlich wird die Technik das erzwingen. So weit sind wir ja jetzt schon, dass sich die Identität einer Unternehmung praktisch nur im Intranet zeigt. Alles andere wird als Überbau wahrgenommen.

Kann eine IT-Abteilung für sich selbst entscheiden, ein Change Management einzuführen?

Warum nicht? Zunächst handelt es sich um eine IT-interne Angelegenheit. Hierarchische Unternehmungen wie beispielsweise die Schweizer UBS legen den Change-Management-Prozess quer über die IT-Organisation. Das darf allerdings nur eine Zwischenstation sein. Wie gesagt: Es geht darum, die IT-Organisation in eine Change-Organisation umzugestalten.

Adrian Fröhlich (48) arbeitet seit Anfang der 90er-Jahre als selbstständiger IT- und Managementberater in Bern und ist Autor des Buchs „Mythos Projekt - Projekte gehören abgeschafft (Galileo-Verlag, Bonn 2002, 264 Seiten; 24,90 Euro)
Adrian Fröhlich (48) arbeitet seit Anfang der 90er-Jahre als selbstständiger IT- und Managementberater in Bern und ist Autor des Buchs „Mythos Projekt - Projekte gehören abgeschafft (Galileo-Verlag, Bonn 2002, 264 Seiten; 24,90 Euro)

Schaden Projekte also einem Unternehmen?

Man kann es vielleicht so sagen: Projekte sind in der Unternehmung ein Ventil für das Innovative, damit der ganze Rest so bleiben kann, wie er ist. Auf veränderte Markt-verhältnisse reagiert man damit allerdings immer zu spät.

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Thema: Projekte

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