Analysten-Kolumne

Warum Merger an der IT-Integration scheitern

29. Oktober 2008
Peter Ratzer ist Partner bei Deloitte. Er arbeitet dort seit 1998. Er ist auf die Beratung von CIOs bei der Entwicklung von strategischen Konzepten bis hin zur operativen Umsetzung einzelner Konzeptkomponenten fokussiert.
Die wenigsten Unternehmen in Deutschland sind optimal für Merger & Akquisitions aufgestellt. Die Schlüssel zum Erfolg liegen in einem hohen Niveau des IT-M&A-Managements und einem hohen Reifegrad der IT-Managementprozesse. Strategien, Szenearien und Ratschläge für erfolgreiche Fusionen.
Deloitte-Analyst Peter Ratzer: "Eine erweiterte Sichtweise der IT sowie ein stärkeres Business-IT-Alignment steigern den M&A-Erfolg."
Deloitte-Analyst Peter Ratzer: "Eine erweiterte Sichtweise der IT sowie ein stärkeres Business-IT-Alignment steigern den M&A-Erfolg."

Ein Blick in die Thomson Financial Datenbank zeigt, dass M&A-Transaktionen mittlerweile alltäglich sind: Im letzten Jahr wurden weltweit rund 40.000 Unternehmenszusammenschlüsse mit einem Transaktionsvolumen von insgesamt 3,8 Billionen Euro registriert. Die wirtschaftlichen Erfolge der Zusammenschlüsse bleiben jedoch vielfach aus. Ein Drittel der Deals vernichtet erheblichen Wert, in Bezug auf ein weiteres Drittel wird der Unternehmenszusammenschluss aufgrund massiver Probleme wieder aufgelöst. Lediglich beim restlichen Drittel der Fälle wird realer ökonomischer Wert geschaffen. Analysen nennen dabei die IT als eine der Hauptursachen für das Scheitern von Transaktionen.

Die Deloitte-Studie "Segel setzen - IT M&A in Deutschland“ befragte im Frühling dieses Jahres 450 IT-Führungskräfte deutscher Großunternehmen zu diesem Thema. Die Ergebnisse der Untersuchung sind ernüchternd. Um den festgestellten Defiziten entgegenzuwirken, ist es notwendig, M&A-Erfahrungen aufzuarbeiten und zu systematisieren. Eine erweiterte Sichtweise der IT sowie ein stärkeres Business-IT-Alignment steigern ebenso den M&A-Erfolg. Des Weiteren sind eine frühzeitige Einbindung der IT sowie ein hoher IT-Reifegrad entscheidend. Auch sollten unterschiedliche Komponenten eines erfolgreichen M&A-Managements beachtet werden.

Nur ein Drittel überzeugt mit IT-M&A-Kompetenz

Die Beurteilung der M&A-Kompetenz liefert ein erschreckendes Bild. So stufen 70 Prozent der Befragten die M&A-Kompetenz ihres Unternehmens als befriedigend oder schlecht ein; 42 Prozent vergeben die Note 3, 21 Prozent die Note 4 und 8 Prozent sogar die Note 5. Die IT-M&A-Kompetenz ist dem allgemeinen Unternehmenstrend folgend ebenfalls unterdurchschnittlich - so schätzen 64 Prozent der CIOs diese nur als befriedigend oder schlecht ein.

Defizite bestehen vor allem in den Branchen TransportTransport und Verkehr, Energiewirtschaft und Finanzdienstleistungen. Die Studie belegt in diesem Zusammenhang, dass eine hohe M&A-Kompetenz nicht nur aus der M&A-Erfahrung eines Unternehmens resultiert. Den Ergebnissen zufolge mündet Erfahrung erst dann in Kompetenz, wenn die Unternehmen das Erlernte aufarbeiten und daraus Schemata, Muster und Prinzipien entwickeln, mit deren Hilfe sie künftige Transaktionen planen und steuern können. Unternehmen, die über ein umfassendes Set an Steuerungs- und Planungsmechanismen verfügen, stufen ihre Kompetenz doppelt so hoch ein wie ihre Konkurrenten, die solche Werkzeuge nicht nutzen. Top-Firmen der Branche Transport