Website-Entwicklung

Welche Ausbildung ein Web Developer braucht

31. Oktober 2016
Peter Gruber ist Mitglied des Teams Management der Digitalredaktion. Er arbeitet hauptsächlich für die Portale Computerwoche und CIO.
Wer Spaß an HTML5, Javascript und Ruby hat, sollte über den Job als Web Developer nachdenken. Entwickler für komplexe Websites werden händeringend gesucht und haben gute Chancen am Arbeitsmarkt. Doch wie wird man ein solcher Programmierer, wenn es für diesen Beruf nicht einmal eine einheitliche Ausbildung oder ein Studium gibt?

Einfache Websites entwickeln kann heute jeder, dank der nach dem Baukastenprinzip arbeitenden Werkzeuge großer Hosting-Anbieter. Für kleine Handwerksbetriebe, die vor allem eine Präsenz im Internet benötigen, mag das ausreichen. Ansonsten sind Websites jedoch komplexe Anwendungen, über die User auf Datenbanken zugreifen und damit ganze Produktionsprozesse auslösen oder steuern, deren Content nach Bedarf zusammengestellt wird und die responsiv auf allen möglichen mobilen Endgeräte laufen. Web Developer müssen deshalb den Full Stack im Auge haben, also nicht nur Frontends bauen, sondern auch die Verknüpfung mit dem Backend programmieren.

Ein Web Developer ist laufend mit Änderungen und Ergänzungen rund um die Website und die angehängten Systeme beschäftigt.
Ein Web Developer ist laufend mit Änderungen und Ergänzungen rund um die Website und die angehängten Systeme beschäftigt.
Foto: ronstik - shutterstock.com

Das Aufgabenfeld eines Website-Entwicklers

"Man sollte vor allem Lust haben, Probleme zu lösen, und Spaß am Programmieren finden", nennt Samuel Boguslawski die Eigenschaften, die man mitbringen sollte, wenn man Web Developer werden möchte. Er selbst ist Full Stack Web Developer bei einem Startup in Berlin. "Web-Entwickler beschäftigen sich zum großen Teil damit, herauszufinden, warum ein Code nicht funktioniert. Da braucht man manchmal echtes Durchhaltevermögen und darf sich nicht frustrieren lassen."

Der Grund: Eine Website ist nie fertig. Auch wenn das Frontend steht, und die wichtigsten Funktionen die benötigten Daten aus dem Backend erhalten, wird es ständig Erweiterungen geben. Hinter der Digitalisierung des Geschäfts stehen schließlich digitale Prozesse. "Ein Web Developer ist laufend mit Änderungen und Ergänzungen rund um die Website und die angehängten Systeme beschäftigt", beschreibt der Entwickler seinen Arbeitsalltag. "Wir haben so viele Ideen, dass wir es gar nicht schaffen, alle umzusetzen." Viele Unternehmen beschäftigen deshalb mehrere Web Developer oder ergänzen das Team mit Freiberuflern.

Informatik oder Software Engineering als Basis

Für Raffaela Rein, Gründerin und Geschäftsführerin von CareerFoundry, einer europäischen Online-Weiterbildungsplattform für professionelle Technik- und Digital-Trainings, nehmen Web Developer zurzeit einen zentralen Platz in der IT-Branche ein. "Es gibt kein Studium oder Ähnliches zum Web Developer", beschreibt sie die fehlenden einheitlichen Ausbildungsmöglichkeiten. "Eine gute Grundlage kann ein Studium der Informatik oder Software Engineering sein. Aber auch Ausbildungen zum Mediengestalter mit der Fachrichtung Digitale Medien und Medientechnik liefern eine ordentliche Basis."

Darauf aufbauend empfiehlt sie, einen Kurs mit fachlicher Begleitung zu belegen, um sich die verschiedenen Grundtechniken anzueignen. Natürlich sei es möglich, sich das notwendige Wissen autodidaktisch beizubringen. Doch ein Kurs habe, so Rein, den Vorteil, dass das Know-how eine Struktur erhält und alle notwendigen Bereiche abgedeckt würden. Als Autodidakt laufe man bei diesem komplexen Thema Gefahr, sich zu verzetteln.