Storage: Die Top-10-Trends für 2007

27.03.2007 von Engelbert Hoermannsdorfer
Die Storage-Themen für das Jahr 2007 sind breit gefächert. So reichen die Inhalte von technologiegetriebenen Ansätzen wie Flash-Disks bis zu neuen gesetzlichen Vorschriften, die den Storage-Markt nachhaltig beeinflussen.

Als dynamischer Markt führt der Speichersektor die Auseinandersetzungen immer intensiver. Die Frontlinien verlaufen im kommenden Jahr allerdings an geringfügig anderer Stelle als 2006. Neuvorstellungen und Übernahmen belegen: Storage ist im Jahr des 50. Geburtstags der Festplatten gefragter denn je.

Im abgelaufenen Jahr sind einige der prognostizierten Trends Realität geworden. Perpendicular Recording beispielsweise hat erfolgreich Einzug gehalten, Seagate hat seine Produkte umfassend umgestellt, andere folgen. Dauerbrenner sind Stichwörter wie Compliance und ILM, diese stoßen nach wie vor auf großes Interesse. Compliance wird im Jahr 2007 noch um die Vorgabe MiFID bereichert: Eine neue EU-Richtlinie (Markets in Financial Instruments Directive) soll den Anlegerschutz stärken und die Kosten für Anlageberatung offenlegen.

Und für den Storage-Markt gilt das Gleiche wie im Vorjahr: Auch wenn nicht alle Marktteilnehmer gleichermaßen davon profitierten, der Storage-Markt verzeichnet hohe Wachstumsraten. Ein Beispiel: Im dritten Quartal 2006 wuchs der weltweite Festplattenmarkt um kräftige sequenzielle 15,7 Prozent auf 114 Millionen Einheiten, im zweiten Quartal waren es „nur“ 98,6 Millionen Harddisks.

Windows Vista: macht Flash-Disks hoffähig

Das neue Microsoft-Betriebssystem wird in der IT- und Storage-Branche einige Wellen schlagen. Vor allem auch Upgrade-Wellen bei der Speicherausstattung. Anwender, die beispielsweise die Premiumversion von Windows Vista nutzen wollen, benötigen mehr als zehn GByte freien Festplattenspeicher, um das Betriebssystem zu installieren. Und darüber hinaus unterstützt Vista erstmals nativ Flash-Speicher.

Die ersten Notebooks ohne Festplatten, beispielsweise von Fujitsu Siemens Computers oder Samsung, sind schon angekündigt. Aber allein die Komponente Flash-Disk verteuert das Gerät so stark, dass sich wohl nur Technik-Freaks dieses Gerät zulegen dürften. Es zeigt aber, wohin der Trend geht: Die Flash-Halbleiterhersteller wollen es wissen, ob ihr Kuchenstück am Memory-Markt nicht doch noch ein Stück größer werden kann. Bislang allerdings hält die Harddisk-Fraktion gut dagegen.

Mit Windows Vista werden auch kombinierte Flash/Festplatten-Lösungen Einzug halten. Mit einer Festplatte, die zusätzlichen Flash-Speicher enthält, werden die Notebooks der Zukunft ausgerüstet sein. Blitzschnelles Booten und Stromsparender Betrieb gehören dann zu den Standardfunktionen mobiler Rechner.

FAN: Kampf dem File-Fiasko

Im Bereich der blockbasierten Daten hat sich vor rund zehn Jahren aus den Anforderungen der Industrie und aus den Entwicklungen der Speicherspezialisten ein Konzept entwickelt, das heute weit verbreitet und etabliert ist: das Storage-Area- Network (SAN). Doch die Technologien entwickeln sich schnell und IT-Administratoren stehen heute vor einem zusätzlichen Problem: Immer mehr Anwendungen erfordern ähnliche Funktionen in der Welt der File-Daten und stellen damit neue Anforderungen. Das File-Fiasko ist da.

Aber es gibt Abhilfe: Das File-Area-Network (FAN) wird seit kurzem als Lösung in Aussicht gestellt. Vorreiter ist Brocade, aber auch andere Unternehmen wie Acopia Networks springen bereits auf. So hat Brocade im Bereich der Tapestry File Management Softwarelösungen Erweiterungen für existierende Produkte vorgestellt. Diese Upgrades wurden insbesondere für den aufkommenden File Area Network (FAN)-Markt entwickelt.

Thermally Assisted Magnetic Recording: Laborerfolg

Damit die Speicherkapazität von Festplatten steigt, wurde das Aufzeichnungsverfahren "Perpendicular Magnetic Recording" eingeführt. Dabei werden die Datenbits vertikal statt wie bisher horizontal auf der Plattenoberfläche aufgebracht, so dass mehr Bits Platz finden. Trotz der Steigerung der Datendichte sind diesem Verfahren aber Grenzen durch die Wärmefluktuation (Thermal fluctuation) gesetzt. Dieses Phänomen betrifft die beschriebenen Bereiche auf der Plattenoberfläche, die im Lauf der Zeit “erschlaffen“. Der Vorgang wird verstärkt durch die Verwendung von immer feineren Magnetpartikeln auf der Oberfläche.

Das wärmeunterstützte magnetische Aufzeichnungsverfahren löst diese grundlegenden Probleme. Die Technik des "Thermally Assisted Magnetic Recording", die erstmals 1999 als Ausfluss aus dem magneto-optischen Aufzeichnungsverfahren erforscht wurde, kann als Kombination von optischer und magnetischer Aufzeichnung bezeichnet werden. Bei diesem Verfahren werden die Daten mit einer sehr hohen Temperatur (und reduzierter Koerzivität) auf das Medium geschrieben.

Die beschriebenen Bits kühlen sich danach schnell ab und bleiben bei Zimmertemperatur stabil. Für das Beschreiben bedarf es aber eines Schreibkopfs mit kleinem Brennpunkt und hoher optischer Übertragungsleistung. Fujitsu kündigte an, man habe ein optisches Element konstruiert, das eine Datendichte von einem Tbit/Quadratzoll ermögliche. Bis zum Serieneinsatz dürften zwar noch etliche Jahre vergehen. Aber die Technologiepflöcke sind schon mal eingerammt.

Data Protection Manager: die Zweite wird’s richten

IT-Administratoren haben sich längst daran gewöhnt: Eine Version 1.0 von Microsoft von irgendetwas ist zum Spielen und Ausprobieren, nicht für den produktiven Einsatz. Mit einer Version 2.0 wird die Sache schon ernster. So auch beim Data Protection Manager (DPM). Die 2.0er Beta soll derzeit massiv von der Microsoft-Site heruntergeladen werden. Die Final-Version wird im kommenden Sommer erwartet.

Die Version ist in der Lage auch Exchange und SQL Server zu sichern. Eine nächste, für das kommende Frühjahr avisierte, Beta wird auch den SharePoint Server unterstützen. Der aktuelle "DPM 2006", mit dem sich Microsoft erstmals in den Markt für Data-Protection-Software gewagt hatte, sichert direkt nur Server unter Windows 2000 und Windows Server 2003. Für das Backup von Anwendungen und das direkte Schreiben auf Tape müssen Anwender noch auf Lösungen von Drittanbietern zurückgreifen. Der Data Protection Manager 2 kann direkt auf Band schreiben (auch asynchron) und unterstützt beim Backup auf Disk bis zu 512 vergangene Iterationen von Daten.

MiFID: die gläserne Bank

Und noch eine Compliance-Vorgabe: Eine neue EU-Richtlinie mit dem Kürzel MiFID (Markets in Financial Instruments Directive) soll den Anlegerschutz stärken und die Kosten für Anlageberatung offen legen. Es treibt Filialleitern und Bankberatern den Angstschweiß auf die Stirn: Die Direktive verpflichtet Banken dazu, „ehrlich, redlich und professionell im besten Interesse eines Kunden zu handeln“. Im Klartext: Die Banken müssen erstmals die Kosten für die Finanzdienstleistungen schonungslos offen legen. Besonders heikel ist dabei die Ausweisung der Provisionen. Darüber zu reden war für viele Banken bisher ein Tabu. Und vor allem: Wird MiFID umgesetzt, müssen Banken und Finanzdienstleister mehr und mehr Dokumente speichern und speichern und speichern...

Ein flutschendes DMS (Dokumenten-Management-System) oder ECM (Enterprise-Content-Management) ist dazu obligatorisch. Dabei ist die Rede von Kosten in der Größenordnung von fast zwölf Milliarden Euro, die nach Angaben von Sun Microsystems auf die gesamte europäische Branche zukommen werden. Schätzungen von Accenture fallen mit bis zu etwa 1,2 Milliarden Euro konservativer aus.

NPIV: Virtualisierung gehört in den Switch

Ein kryptografisches Kürzel für eine noch kryptischere Benennung: NPIV steht für „N_Port ID Virtualization“. Diese Funktion verbessert auf einem Server oder Mainframe die gemeinsame Nutzung von Ressourcen, natürlich in erster Linie die der angeschlossenen Storage-Einheiten. IBM setzt NPIV bereits auf dem „IBM System z9 109“ ein; durch die Virtualisierung können FCP-Kanäle mit verschiedenen Betriebssystemimages in LPARs oder virtuellen Maschinen gemeinsam genutzt werden. NPIV gilt bereits als Standard: Die Switch-Spezialisten Emulex, Brocade und Cisco unterstützen ihn.

So kündigte Emulex mit VMPilot eine Management-Software für Microsoft Virtual Server 2005 an. Sie soll die Einrichtung und Migration von virtuellen Maschinen erleichtern, die an SANs (Storage Area Networks) angeschlossen sind. Das Tool stellt dafür eine virtualisierte HBA-Verbindung auf Basis des Industriestandards NPIV (N-Port ID Virtualisation) her.

WAAS: Applikationen flutschen übers WAN

Wer SANs über ein WAN zusammenschließen will, für den eignen sich die Wide-Area-File-Services (WAFS). Aber wer über ein WAN auch Applikationen laufen lassen will, braucht neuerdings Wide Area Application Services (WAAS).Wie bei WAFS ist auch bei WAAS Cisco der Treiber.

WAAS ist im Grund eine hochskalierbare Networking-Software für Außenstellen, die Anwendungsbeschleunigung und optimierte Performance im Weitverkehrsnetz ermöglicht. So soll WAAS Laufzeitverzögerungen von Anwendungen im WAN aufgrund von Latenzen, Bandbreitenlimits und Paketverlusten überwinden. WAFS haben sich relativ schnell durchgesetzt. Es ist zu erwarten, dass auch WAAS demnächst öfters in den News auftaucht.

ELM: Die E-Mail-Vorstufe von ILM

Letztendlich geht es bei „E-Mail-Lifecycle-Management“ um E-Mail-Archivierung. Aber das ist ein Bereich, der den Unternehmen mit der zunehmenden E-Mail-Flut und den sich parallel verschärfenden rechtlichen Vorschriften echtes Kopfzerbrechen bereitet. Viele Unternehmen, die sich damit beschäftigen, stellen fest, dass der Schritt von ELM zu einem einigermaßen funktionierenden ILM (Information-Lifecycle-Management) gar nicht mehr so weit ist.

Virtual-Tape-Libraries: von Null auf Hundert

Auf einmal waren sie da. Wie Pilze schießen die Virtual-Tape-Libraries (VTL) aus dem Boden. Eigentlich hätten wir schon letztes Jahr oder sogar im Jahr davor auf den Trend aufmerksam machen sollen. Aber sie waren so schnell allgegenwärtig, dass man es übersah, dass sie eigentlich neu sind. Einmal installiert, nehmen die virtuellen Bandbibliotheken im Zeitalter gestiegener Backup-Anforderungen den Administratoren viel Arbeit ab. Vom Mittelständler bis zum Großunternehmen gibt es für jeden das passende Lösungsangebot.

Zunächst kümmerten sich um Virtual Tape Libraries ausgewiesene Backup-Spezialisten wie Quantum/Adic, Fujitsu Siemens Computers, Sun/StorageTek, Overland Storage oder Tandberg Data. Später kamen aber auch Disk-Array-Anbieter wie Hitachi Data Systems oder Network Appliance auf die Idee, hier mitzumischen.

Eine Virtual Tape Library ist eine Disk-to-Disk-to-Tape-Lösung, die durch den effektiven Einsatz von Disk- und Bandspeichermedien ein effizientes Backup ermöglicht. Die VTL „simuliert“ Tape-Libraries und Bandlaufwerke, setzt aber Disks ein, um die Backup- und Restore-Performance sowie die Zuverlässigkeit zu verbessern, und unterstützt Unternehmen dadurch, ihre Backup- und Recovery-Vorhaben zu realisieren.

XAM: der mögliche ILM-Beschleuniger

Ein wichtiges Unterfangen bei einem ILM-Projekt ist die Definition von standardisierten Metadaten aus den unterschiedlichsten Applikationen. Zu diesem Zweck kündigte die SNIA eine Schnittstelle unter dem Namen XAM (eXtensible Access Method) an. XAM wird den Applikationen eine Standard-Storage-Schnittstelle und genormte Metadaten für die Kommunikationen mit objektbasierten Speichersystemen wie beispielsweise „Content Aware Storage“ bereitstellen.

Die XAM-Initiative der SNIA entstand im Oktober 2004 aus der Zusammenarbeit von IBM und EMC. Später stießen HP, Hitachi Data Systems (HDS) und Sun Microsystems zu dieser Arbeitsgruppe. Das Konsortium legte seinen Vorschlag der SNIA vor, deren „Fixed Content Aware Storage Technical Work Group“ (FCAS TWG) sich für XAM als Grundlage für die Entwicklung eines Fixed-Content-API zur langfristigen Datenarchivierung entschied. Diese technische Arbeitsgruppe des SNIA-Data-Management-Forums hat das Ziel, Standards für das Speichern unveränderlicher Inhalte zu entwickeln.

XAM soll vor allem das Datenspeichern und die Automatisierung von Storage-Migrationen vereinfachen. Außerdem sollen Unternehmen damit schneller und einfacher Richtlinien für Datenaufbewahrung, Datensicherheit, Datenmigration und Compliance erarbeiten und umsetzen können.

XAM soll unabhängige Software-Anbieter bei der Entwicklung von Lösungen für die Archivierung von Informationen unterstützen, da die Schnittstelle die langfristige Aufbewahrung, Bereitstellung und Verwaltung von unveränderlichen Daten, so genanntem Fixed-Content, ermöglicht. Beginnend mit den APIs sollen einige XAM-Schnittstellen entwickelt werden, um die Kommunikation zwischen Applikationen und Storage sowie deren Integration zu vereinfachen.

Besonders im Hinblick auf Automatisierung der ILM-Prozesse bis hin zur Langzeitarchivierung wird XAM wegen der standardisierten Metadaten erhebliche Vorteile bieten. Gerade der objektorientierte und technologieunabhängige Ansatz von XAM fördert im Zusammenspiel mit ILM den Aufbau von Daten- und Enterprise-Storage-Grids. Noch ist XAM im Definitionsstatus – aber da die SNIA dahinter steht, wohl nicht mehr lange.

Prognose 2006 im Reality Check

Was ist aus den Top-Storage-Trends für das Jahr 2006 geworden? Nachfolgend die damaligen Aussagen auf dem Prüfstand.

Die Top-Storage-Trends 2006 im Check

Aussage

Realität

Security & Storage: Es kommt zusammen, was zusammen gehört

  • Trend gewinnt an Schwung

  • EMC übernimmt RSA Security für 2,2 Millarden Dollar

CDP: Microsofts großer Wurf

  • Nahezu jeder Backup-Spezialist hat eine CDP-Lösung

  • Microsoft gewinnt wohl erst 2007 an Schwung (siehe oben)

eSATA: seriell löst seriell ab

  • Wenig neue Produkte von anderen Unternehmen

  • eSATA konnte sich bisher nicht etablieren

Lightscribe: die Zeit war einfach (über-)reif

  • Mittlerweile über 80 Lizenznehmer

  • Preisunterschied der Medien schwindet langsam

Managed Backup/Services: der Angriff der Telko-Carrier

  • IT-Dienstleister sehen es als neuen Markt

  • Viele neue Angebote für KMUs

WAFS: SANs wachsen endlich zusammen

  • WAFS-Trend gewinnt zunehmend an Fahrt

  • Switch-Hersteller wie Brocade kommen

MAID: das etwas andere RAID

  • Trend kommt deutlich langsamer als erwartet

  • Noch keine Branchengröße sprang darauf auf

DVR: Festplatten lösen das Videoband ab

  • Trend im Fluss, aber etwas langsamer als erwartet

  • DVRs auf DVD-Basis reden ein Wörtchen mit

Storage-Management: immer wieder neu

  • Bleibt weiterhin klar im Trend

  • Storage-Management-Firma Commvault mit erfolgreichem Börsengang in den USA

Perpendicular Recording: senkrecht geht’s besser

  • Seagate stieg fast vollkommen um, andere – wie Fujitsu – deutlich zögerlicher

  • 750-GByte-Harddisk ist da

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von speicherguide.de.