Die IT-Trends von PAC

Was 2016 auf die IT zukommt

17.12.2015 von Christophe Châlons und Andreas Zilch
Das Jahr 2016 wird aus IT-Sicht sehr spannend und wegweisend werden – und viele Chancen und Herausforderungen bieten. Einige Entwicklungen und Trends wollen wir beleuchten.
  • Die Abhängigkeit der Unternehmen von ihren IT-Systemen wird immer größer
  • Von fast 300 IoT-Fallbeispielen nutzen circa 70 Prozent Big-Data/Analytics-Methoden
  • Ein neues erfolgversprechendes Konzept ist es, ein Innovationsteam aus der klassischen IT-Organisation herauszulösen
  • Die Akzeptanz für Offhore-Konzepte hat in den letzten zwei Jahren massiv zugenommen

Über allem steht das Thema Digitalisierung, welches aber eher unscharf definiert und oft missbraucht wird. Daher werden wir die relevantenTrends klarer benennen und analysieren.

Die Digitalisierung umfasst bei PAC hauptsächlich zwei Themen:

Durch den Einsatz neuer Technologien wie Big Data/Analytics, Social Media, Mobility/ Connectivity und Cloud Computing entstehen neue Produkte und Dienstleistungen, aber auch Geschäftsmodelle, Prozesse und Wertschöpfungsketten. Neue Unternehmen entstehen (wie Amazon, eBay, Booking.com, Uber oder Spotify), während bestehende Unternehmen - mittlerweile in nahezu allen Branchen - unter Druck geraten und sich überdenken müssen.

IT wird immer wichtiger - die IT-Abteilung unwichtiger

"IT wird immer wichtiger - die IT-Abteilung wird aber (potenziell) unwichtiger" - so könnte man einen organisatorischen Trend der letzten Jahre beschreiben. Dass IT, gerade vor dem Hintergrund neuer Geschäftschancen durch Digitalisierung und Industrie 4.0, immer wichtiger für Unternehmen wird, bestreitet heutzutage niemand mehr. Aber auf der Risikoseite zeigt sich ein weiterer Trend: Die Abhängigkeit der Unternehmen von den eingesetzten IT-Systemen wird immer größer.

Im Gegensatz zum Stellenwert der IT wird die Bedeutung der IT-Abteilung bei den meisten Unternehmen immer noch gering eingeschätzt. Oft wird man mit dem Urteil "zu schlecht, zu langsam, zu teuer" konfrontiert. Dies ist zwar in den letzten Jahren insgesamt kontinuierlich besser geworden, allerdings droht sich die Lage mit dem aktuellen Paradigmenwechsel hin zur Cloud wieder zu verschlechtern.

IT-Betrieb versus Innovationen

Von der IT-Abteilung wird nicht weniger als ein sehr schwieriger Spagat gefordert: Zum einen müssen die laufenden IT-Services für das Unternehmen solide, sicher und kostengünstig geleistet werden, zum anderen müssen wichtige IT-Innovationen schnell und dynamisch eingesetzt und integriert werden.

Die IT in den Unternehmen soll sich somit in der Zukunft im besten Falle potenziell in zwei Richtungen entwickeln: als interner Dienstleister, der die bestehenden IT-Services solide betreibt und als wichtiger Business Innovation Enabler für zukünftige Innovationen durch und mit IT.

Die Wirksamkeit und Effizienz einer IT wird daran gemessen werden, wie solide und kostengünstig bestehende Kernsysteme (Legacy) betrieben werden und wie schnell wichtige Innovationen für das Geschäft adaptiert, integriert und in den (dynamischen) Regelbetrieb übernommen werden.

Oft wird erwartet, dass Effizienzsteigerungen im Legacy-Betrieb finanzielle wie personelle Freiräume für Investitionen in den neuen Themen ermöglicht. Bei der Effizienzsteigerung spielen die permanente Standardisierung und Konsolidierung der IT-Landschaft, die Migration zu Cloud-Computing-Modellen (ob SaaS, PaaS oder IaaS) und Offshore eine wesentliche Rolle. Dem Offshore-Konzept blieb Deutschland lange Zeit ziemlich verschlossen; die Akzeptanz hat allerdings in den letzten zwei Jahren massiv zugenommen.

Cloud-Readiness-Studie 2015
Deutsche Unternehmen sind startklar für die Cloud
Grundsätzlich sind deutsche Unternehmen gut vorbereitet für den Einsatz von CloudServices. Das hat die Studie "Cloud Readiness 2015" von COMPUTERWOCHE, CIO und TecChannel ergeben. Die Befragung von fast 700 Entscheidern hat aber auch gezeigt, dass es an einigen Stellen noch Defizite gibt.
Minderheit mit Cloud-Readiness-Check
Haben Sie Ihr Unternehmen einem Cloud-Readiness-Check unterzogen?
Einstufung Cloud Readiness
Bitte stufen Sie Ihr Unternehmen in Sachen „Cloud Readiness“ ein!
Ausstiegsszenarien
Haben Sie in Ihrem Unternehmen geklärt, wie IT-Verfahren und die zugehörigen Daten wieder aus der Cloud geholt werden können?
Hindernisse
Was sind in Ihrem Unternehmen die größten Hindernisse für die Nutzung von Cloud-Services?
Cloud-Readiness-Studie 2015
Den ausführlichen Berichtsband zur Studie mit allen Ergebnissen und Daten können Sie über unseren Shop beziehen:

Passende Organisationsform wird noch gesucht

Da es sich dabei um sehr unterschiedliche Aufgabenstellungen handelt, ist auch noch nicht abschließend geklärt, welche Organisationsform hierbei die höchste Effizienz und Erfolgswahrscheinlichkeit hat. Oftmals versucht die bestehende, klassische IT-Organisation die Integration von Innovationen und neuen technologischen Ansätzen quasi "neben dem Tagesgeschäft" zu realisieren und die neuen Systeme dann in den normalen Betrieb zu übernehmen. Dies scheitert allerdings oft, da die IT natürlich dem Betrieb des laufenden Geschäfts eine wesentlich höhere Priorität einräumt.

Daher werden IT-Innovationen oftmals in den Fachabteilungen angestoßen und auch in einen gewissen Betriebsmodus übernommen. Dies ist mittlerweile relativ üblich bei SaaS-Lösungen und funktioniert auch relativ gut, solange keine Integration oder End-to-End-SLAs notwendig sind. Langfristig führt dieses Vorgehen zu sehr heterogenen und "zersplitterten" IT-Services, die später in einem aufwändigen Projekt wieder konsolidiert und in einen effizienten Betrieb überführt werden müssen.

APIs lösen nicht alle Integrationsaufgaben

Darüber hinaus können die neuen, Frontoffice-Anwendungen die Kundenerwartungen nur erfüllen, wenn die Integration mit dem Backoffice perfekt funktioniert und die Backend-Prozesse (wie Logistik oder Rechnungswesen) neugestaltet werden. APIs (Application Programming Interface) helfen zwar bei der Integration; auch wenn das Konzept deutlich weiter als das alte EAI (Enterprise Application Integration) ist, werden APIs jedoch nicht alle Integrationsaufgaben lösen können.

Ein relativ neues, durchaus erfolgversprechendes Konzept ist die Herauslösung eines "Innovationsteams" aus der klassischen IT-Organisation, welches primär Projekte mit einem hohen disruptiven Innovationspotenzial übernimmt. Im Gegensatz zu den zwei vorigen Alternativen sind diese Mitarbeiter zwar auch nicht in die bestehende IT-Organisation fest eingebunden, kennen aber die Herausforderungen bei der Integration und insbesondere im Betrieb. Neue Profile wie Data Scientists und Business Analysts sowie ein Skills-Mix aus Informatik, Mathematik und Statistik werden benötigt, um neue Ansätze zu bewerkstelligen.

Der moderne Ansatz beruht darauf, dass diese Innovationsteams neue Applikationen und Systeme zusammen mit externen Dienstleistern und internen Know-How-Trägern entwickeln und dann in den Regelbetrieb übergeben. Dieses Konzept erscheint erfolgversprechend, allerdings fehlen noch belastbare Informationen zur Umsetzung in der Praxis.

10 Thesen zur Digitalisierung
Zehn Thesen zur Digitalisierung
In Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Dimension Data hat Crisp Research Ende letzten Jahres die unabhängige Studie "Digital Business Readiness" umgesetzt. Ziel war es, ein Stimmungsbild deutscher Unternehmen zum aktuellen Stand ihrer digitalen Transformation zu zeichnen. Hier finden Sie Zehn Thesen, die sich aus dieser Studie ableiten lassen
1. Die digitale Transformation ist bereits in vollem Gange ...
... und hat mittlerweile sämtliche Branchen mehr oder minder fest im Griff. Dennoch steht die Wirtschaft noch am Anfang eines langen Transformationsprozesses.
2. Die digitale Transformation wird die Unternehmen ...
... in den kommenden Jahren in Gewinner und Verlierer spalten.
3. Das Gros der deutschen Unternehmen hat erkannt, ...
... welche weitreichenden Implikationen der digitale Umbruch nach sich zieht. Die absolute Mehrheit sieht sich gut bis sehr gut dafür aufgestellt. Allerdings haben nur 42 Prozent bislang eine funktionierende Digitalstrategie.
4. 39 Prozent der befragten Unternehmen sehen sich als Profiteure ...
... und Gestalter des digitalen Wandels. 61 Prozent bezeichnen sich als Mitläufer und Skeptiker.
5. Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Digital Excellence ...
... und der erfolgreichen Implementierung einer Digitalstrategie. So haben bereits zwei Drittel (67 Prozent) der Digital Champions (Profiteure und aktive Gestalter) ihre Strategie erfolgreich implementiert und mit der Umsetzung in die Praxis begonnen.
6. Die IT-Abteilungen sind die entscheidenden Akteure, ...
... wenn es gilt, die Strategie zu entwerfen und die Aktivitäten im Prozess der digitalen Transformation zu steuern und umzusetzen. Allerdings wirkt das Thema weit über die Grenzen der IT-Abteilung hinaus.
7. Die Kunden sind Treiber der digitalen Transformation.
Von ihnen gehen die Veränderungen aus.
8. Das Rechenzentrum ist das Epizentrum der Digitalisierung.
Für mehr als zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) ist es die alles entscheidende Basis der Digitalisierung.
9. Für eine zukunftssichere Infrastruktur ...
... sind Investitionen nötig, die über das Rechenzentrum hinausgehen.
10. Mehr als 80 Prozent der Unternehmen glauben, ...
... dass sie für eine konsequente Umsetzung der digitalen Transformation professionelle Partner brauchen. Diese sollten eine hohe Kompetenz bei der IT-Integration sowie umfangreiches Prozess- und Branchen-Know-how mitbringen.

Cloud, Big Data/Analytics und sogar IoT werden Realität

Cloud Computing und Big Data/Analytics sind schon einige Zeit auf dem Markt und ausreichend reif für den Unternehmenseinsatz.

Cloud Computing ist jetzt auch bei den mittelständischen Unternehmen angekommen und die Anpassung geht mit großen Schritten voran. Fast jedes Unternehmen nutzt jetzt irgendeine Form von Cloud Services, allerdings sind sich viele der Herausforderungen im Betrieb dieses Service-Modells noch nicht bewusst. Die standardisierten und sehr dynamischen Cloud-Plattformen brauchen ein komplett anderes Betriebskonzept im Vergleich zu eigenen Rechenzentrumsleistungen oder einem individuellen Outsourcing-Vertrag. Dies wird in den Jahren 2016 bis 2020 eine große Aufgabe für Infrastructure Management und Application Management in den Unternehmen sein.

Scrum und DevOps

Ebenso große Vorteile verspricht Agile/Scrum Development, mit dem Softwareentwicklungs-Projekte wesentlich schneller und mit besserer Qualität abgeschlossen werden sollen. Das Gegenstück dazu im IT-Betrieb ist DevOps, mit dessen Methoden der Betrieb der dynamischeren Entwicklung angepasst werden soll und z.B. mit kontinuierlichen Release-Wechseln den Anwendern wesentlich schneller neue Lösungen und Verbesserungen zur Verfügung gestellt werden sollen. Aber auch diese sehr positive Veränderung erfordert signifikante Veränderungen in den IT-Betriebsprozessen und -Skills, die erst relativ langsam in den nächsten Jahren umgesetzt werden (können).

Big Data und Analytics

Big Data/Analytics scheint aus der öffentlichen Wahrnehmung etwas zurückgedrängt worden zu sein, in der praktischen Umsetzung ist das Gegenteil der Fall. Gerade die neuen Business/IT-Treiber Digitalisierung und IoT fördern den Einsatz von Big Data/Analytics. Durch die (teilweise) zeitnahe Analyse größerer Mengen an strukturierten wie unstrukturierten Daten aus unterschiedlichen Quellen entstehen neue, datenbasierte Geschäftsmodelle und -strategien.

Von den fast 300 IoT-Fallbeispielen (hauptsächlich Industrie 4.0 und Connected Car), die PAC mittlerweile im PAC Innovation Register erfasst, analysiert und bewertet hat, nutzen ca. 70 Prozent Big-Data/Analytics-Methoden, um aus den Daten Informationen und schließlich Nutzen für die Unternehmen und Kunden zu gewinnen. Dieser eigentlich sehr positive Trend könnte aber in der Breite noch wesentlich stärker sein, wenn es nicht gerade in diesem Bereich einen starken Skill-Mangel geben würde. Diesem können die Unternehmen nicht nur durch Zukauf von IT-Services begegnen, sondern müssen auch ihre eigenen Mitarbeiter aus- und weiterbilden.

Artificial Intelligence und Open Source

Weitere Themen gewinnen in diesem Umfeld an Bedeutung: Artificial Intelligence, Open Source und Cyber Security. Bei Artificial Intelligence sind wir zwar noch am Anfang, jedoch wird dieses Konzept für immer mehr (vor allem) künftige Use Cases verwendet, insbesondere Industrie 4.0 und Connected Car.

Im Vergleich ist die Durchdringung von Open Source viel weiter vorangeschritten, auf unterschiedlichen Ebenen: Infrastruktur (Linux), Cloud Computing (OpenStack), Softwareentwicklungsumgebungen (Java), Integrationsplattformen (Application Server, API), Big Data (Hadoop).

Wie man das Team in die Digitalisierung mitnimmt
Achillesferse der Digitalisierung
In dem Papier "Being digital: Embrace the future of work and your people will embrace it with you" bezeichnet Accenture die Belegschaft eines Unternehmens als "Achillesferse" der Digitalisierung. Das Papier basiert auf Angaben von rund 700 Entscheidern weltweit sowie circa 2.500 Angestellten.
Befürchtungen der Mitarbeiter
Eine Mehrheit von 70 Prozent der Angestellten befürchtet den Verlust von Teamgeist, wenn die Kollegen per Fernzugriff arbeiten und nicht mehr ins Büro kommen. Etwa jeder Achte (zwölf Prozent) erwartet, seine Job-Aussichten werde sich durch die Digitalisierung negativ entwickeln.
Vorteile der Digitalisierung
Gleichzeitig erwarten die Angestellten aber auch Vorteile in den Punkten Innovationsfähigkeit ihres Unternehmens (71 Prozent), Agilität (69 Prozent) und Produktivität (68 Prozent). Insbesondere jüngere Befragte mit überdurchschnittlich hoher Qualifikation sehen die Vorteile der Digitalisierung – "wenig überraschend", wie Accenture schreibt.
Katalog digitaler Skills
Accenture rät Entscheidern, einen Katalog mit den benötigten digital Skills samt dem jeweiligen Kompetenzniveau zu erstellen.
Keine Nebensache
Entscheider dürfen das Thema Mitarbeiter nicht als Nebenschauplatz behandeln, so der Appell von Accenture. Sie brauchen eine "Test and learn"-Mentalität.

IT-Sicherheit

Auch Cyber Security gewinnt weiterhin an Bedeutung. Einerseits in der kommerziellen und administrativen IT, wobei die Anforderungen sich ständig verändern: Die schlichte Sicherheit der Infrastruktur reicht längst nicht mehr aus, vielmehr geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, um Datensicherheit, um Governance, um SOCs (Security Operation Centers); übrigens, auch in diesem Umfeld werden Big Data/Analytics und sogar Artificial Intelligence eingesetzt, um aus bestehenden Attacken mögliche, künftige Drohungen vorherzusehen und darauf zu reagieren.

Andererseits gewinnt Cyber Security auch in der technischen IT an Bedeutung, gerade im IoT-Umfeld. Hier werden die Risiken oft unterschätzt. Hoffentlich wird die Sensibilität vor dem ersten Ernstfall zunehmen.

Die Konvergenz von Legacy und Digital verlangt eine Strategie

Am Ende sollen beide Welten (Legacy und Digital) ähnliche Aufgaben erfüllen, wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen: Agilität, Anpassungsfähigkeit, Flexibilität, Reaktivität, Skalierbarkeit, Schnelligkeit, Einfachheit, aber auch Sicherheit und Effizienz. Bei der Einfachheit geht es übrigens sowohl um den Benutzer - also um intuitiv benutzbare Anwendungen - als auch um den Betrieb - weg von der Komplexität hin zur "Lean IT".

Zusammen mit der notwendigen Integration macht es also Sinn, eine zukunftsfähige IT-Strategie zu definieren, die kurzfristig den notwendigen Freiraum für Innovation gewährleistet, jedoch beide Welten langfristig zusammenführt. Diese Strategie kann nur vom CIO kommen, der somit schon heute vor einer hochkomplexen Aufgabenstellung steht: Welche Technologien und Produkte bilden für mein Unternehmen die optimale, zukunftsfähige Plattform? SAP mit HANA und S/4HANA, AWS, Microsoft mit Azure, IBM mit SoftLayer und BlueMix, Salesforce, T-Systems mit Dynamic Services oder Open Telekom Cloud, Google …? Anschließend soll der CIO dazu die richtigen Modelle für Implementierung/Migration, Integration, Betrieb und Orchestrierung definieren.