Ex-Mitarbeiter plaudert aus dem Nähkästchen

Apple: Design ist Alles

19. August 2016
Ohne sein Unternehmen wäre die Apple Watch womöglich nie entstanden: Bob Messerschmidt verkaufte sein Start-up 2010 an den iPhone-Konzern und half mit daran, den Pulsmesser im Wearable zu verwirklichen.
Apple Watch
Apple Watch
Foto: Apple

Die AppleApple Watch gilt in Fachkreisen als Bewährungsprobe. Als Bewährungsprobe für die Produktkategorie Smartwatch, aber auch für den amtierenden CEO Tim Cook, der 2011 in die Fußstapfen des dahingeschiedenen Visionärs Steve Jobs getreten war, bis zur Apple Watch aber weitestgehend Neuauflagen bereits bestehender Apple-Produkte präsentierte. Doch natürlich war die Apple Watch nicht allein Cooks Verdienst, schon Jahre vor ihrer Präsentation im Jahr 2014 kaufte sich der iPhone-Konzern die nötige Expertise ein. Dazu gehörte das auf Pulssensoren spezialisierte und 2010 von Apple übernommene Start-up Rare Light, dessen Gründer Bob Messerschmidt schließlich eine tragende Rolle bei der Entwicklung des Apple-Wearables zukam. Alles zu Apple auf CIO.de

Messerschmidt, der zwischen 2010 und 2013 in Cupertino angestellt war und die Übergangsphase zwischen Jobs und Cook hautnah miterlebte, plaudert nun in einem Interview mit dem Magazin Fast Company über seine Zeit bei Apple. "Ich war für die Entwicklung der Architektur des Pulsmessers verantwortlich. [...] Es war nicht leicht, sie bei den strengen Design-Vorgaben zum Laufen zu bringen," sagt Messerschmidt. Ursprünglich habe er geplant, die Sensoren im Armband auf Höhe der Schließe zu verbauen, da sie direkt am Puls das beste Messergebnis abliefern würden. Das mit dem Design der Apple Watch beauftragte Team erteilte dieser Idee aber eine Absage, da dies weder dem Design-Trend entspräche, noch die vorgesehenen Wechselarmbänder ermöglichen würde.

Auch sein nächster Vorschlag, die Sensoren schließlich dort zu platzieren wo sie auch heute vorzufinden sind, wurde zunächst abgelehnt, da es dafür ursprünglich nötig gewesen sei, das Armband entgegen der Tragegewohnheiten des Nutzers besonders fest zu ziehen. "Das ist das was wir tun mussten. Wir mussten auf sie hören. Sie sind die Stimme des Nutzers." Messerschmidt sah in seiner Aufgabe bei Apple die Herausforderung, umzudenken und die Grenzen des scheinbar Machbaren zu sprengen und ist entsprechend stolz auf seine Errungenschaft. "Es ist der genaueste Sensor, den Apple jemals in einem Produkt verbaut hat."

Auch neue Ideen bei Apple einzubringen, sei nicht einfach: "Es arbeiten 12.000 Ingenieure bei Apple allein in Cupertino, also gibt es natürlich regen Ideenaustausch. Stell dir vor, wie viele Ideen in Produkten umgesetzt werden - es sind sehr wenige. Viele Leute sind davon frustriert. Stell dir vor: Ich habe die beste Idee der Welt, aber Menschen sagen ständig Nein zu mir."

Design und Benutzererfahrung sind für Apple alles

Bei seinem ehemaligen Arbeitgeber habe Messerschmidt gelernt, dass Design und Benutzererfahrung "Alles ist", wenn es um Produkte für den Endverbraucher geht. "Es geht nicht so sehr um die Technologie. Es ist das Design des Produkts, das ein Gefühl der Freude im Nutzer auslöst." Das sieht er auch in Geräten wie dem iPhone oder iPad, in denen nicht unbedingt wegweisend neue Technologien verbaut sind. Der technologische Durchbruch geschieht in seinen Augen anderswo und früher, Apple gibt diesen Entwicklungen aber eine Verpackung und einen Mehrwert. Da es noch nichts Greifbares gäbe, habe das Unternehmen nach seiner Einschätzung auch den Sprung auf den "VR-Zug" noch nicht gewagt - und den Hype um 3D-Fernseher zurecht ausgesessen.

Apple ist nicht mehr dasselbe Unternehmen

Über die Geheimniskrämerei bei Apple hat Messerschmidt nicht nur lobende Worte übrig. Unter Steve Jobs wurden Geheimnisse aus "sehr bestimmten Gründen" gehütet, er wollte die Ankündigung stets mit einem großen Knall begehen. Heute wolle man Geheimnisse vor allem deshalb hüten, um "sein Imperium zu behaupten." "Es hilft ihnen dabei ein Gefühl zu entwickeln, das die Produkte wichtiger erscheinen lässt als sie es ist Wirklichkeit sind." Auch vertritt Messerschmidt die Ansicht, dass Apple nicht mehr dasselbe Unternehmen ist, das Jobs nach seinem Tod 2011 hinterlassen hat. Die Versuche, seine Lektionen zu bewahren und auf andere Firmenvertreter zu prägen, waren bislang nicht erfolgreich.

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