China bleibt bei Technik-Ausbildung an der Spitze

Bildungsproblem ist Schuld am Offshore Outsourcing

29. März 2004
Von Patrick Goltzsch
Die Debatte um das Verlagern von Arbeitsplätzen ins Ausland wird in Deutschland wie in den USA mit - teils patriotischer - Vehemenz geführt. Doch in der emotionalen Diskussion gehen zu viele Aspekte unter, mahnt die American Electronics Association in einem Papier, das auch auf deutsche Verhältnisse passt. Danach liegt der Hauptgrund für das Offshore Outsourcing an der mangelhaften Ausbildung an den Universitäten.

In ihrem Bericht kritisiert die American Electronics Association (AEA) die bisherige Debatte um eine Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland als eine Phantomdiskussion, der die Grundlage fehlt. So existieren bislang keine genauen Daten zum OffshoreOffshore OutsourcingOutsourcing. Zwar räumt der Verband ein, dass Offshore Outsourcing zum Abbau von Arbeitsplätzen beigetragen habe, aber der Einfluss anderer Faktoren sei deutlich größer. Hier verweist der Verband auf die schwache Wirtschaftslage der letzten Jahre und die deutliche Steigerung der Produktivität. Alles zu Offshore auf CIO.de Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Zudem verfälsche der Dot-Com-Boom, auf dem die letzten Voraussagen über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in den USA basieren, die Statistik. Werden die jüngsten Schätzungen zugrunde gelegt, zeigt sich, dass auch staatliche Stellen von einer, wenn auch verhalteneren, Entwicklung ausgehen. Allerdings entstehen dabei gerade im IT-Bereich vornehmlich Arbeitsplätze für Hochqualifizierte. "Das ist ein Anzeichen dafür, dass Aufgaben mit geringen Anforderungen innerhalb des Software-Sektors aus den Vereinigten Staaten verlagert werden könnten, aber die hochqualifizierten Aufgaben bleiben", sagt Jacob Kirkegaard vom Institut für International Economics.

Ende einer Ära

Die AEA geht davon aus, dass es mit der wirtschaftlichen Vorherrschaft der USA insgesamt vorbei ist. Statt dessen deutet sich ein Umbruch an, in dem mit Nordamerika, Europa und Asien drei Zentren der Weltwirtschaft entstehen. Dabei spielt zum einen die schnelle, ortsunabhängige Übermittlung von Informationen über das Internet eine Rolle. Doch zum anderen, so der Bericht, haben andere Länder die USA gerade hinsichtlich ihrer Ausbildungsmöglichkeiten eingeholt.

So wurden bereits 1999 die meisten Techniker in China ausgebildet. Auf dem zweiten Platz folgte die EU, in der noch doppelt so viele Techniker ihren akademischen Abschluss erhielten, wie in den USA. Hinzu kommt, dass in den USA die meisten Doktorartitel im naturwissenschaftlich-technischen Bereich heute an Ausländer gehen. Gleichzeitig verlassen die ausländischen Studenten im Gegensatz zu früher nach Abschluss ihrer Ausbildung vermehrt die USA.

Bildungsmisere

Den Rückgang der Zahlen von amerikanischen Studenten in technischen Studiengängen führt der Bericht auf die mangelnde Ausbildung zurück. "Die Schulabgänger sind sich bewusst, dass ihnen die Vorbereitung für die anspruchsvollen Kurse an der Universität fehlt", so die AEA. Daher zögen sie andere Studiengänge vor.

An ihre Diagnose schließt die AEA vornehmlich Empfehlungen für den Bildungsbereich an. Es brauche ähnlich wie Ende der 50er Jahre einen Sputnik-Effekt. Damals starteten die USA unter dem Eindruck des Vorsprungs der Sowjetunion in der Raumfahrt ein umfangreiches Bildungsprogramm. Die staatlichen Anstrengungen sollten durch die Unternehmen nicht nur finanziell sondern auch durch persönlich vermitteltes Wissen gestützt werden. Schließlich müsse insbesondere jungen Leuten die Attraktivität einer KarriereKarriere in der High-Tech-Industrie nahe gebracht werden. Alles zu Karriere auf CIO.de

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