UMTS-Anbieter starten ihre Dienste

Breitbandig, aber nicht großflächig

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Für Mobile-Office-Funktionen ist der UMTS-Zugang in Städten ein Schritt nach vorn. Als Basis breitbandiger mobiler Außendienstlösungen taugt UMTS allerdings noch nicht, denn eine flächendeckende Versorgung wird es auf absehbare Zeit nicht geben.

Roman Friedrich hat als Vodafone-Testkunde erste Erfahrungen mit UMTS gesammelt. Der Geschäftsführer der Düsseldorfer Niederlassung des Beratungsunternehmens Booz Allen Hamilton ist als Frequent-Traveller von den Vorzügen des neuen Netzes überzeugt: "Die Abdeckung in den Ballungsräumen ist sehr gut, ebenso wie die Übertragungsrate." Der schnelle Zugriff auf Office-Anwendungen, E-Mail, Inter- und Intranet habe seine Arbeit erheblich vereinfacht. Friedrichs Fazit: "Für Vielreisende bringt die schnelle Datenverbindung einen deutlichen Gewinn an Produktivität".

Mitte Februar hat Vodafone als erster Provider sein UMTS-Netz gestartet. Die drei anderen Lizenzinhaber Deutsche Telekom, O2 und E-Plus ziehen jetzt nach. Allerdings schreibt die Telekom-Regulierungsbehörde nur eine Netzabdeckung von 25 Prozent der Bevölkerung vor. Folgerichtig haben die vier UMTS-Lizenzinhaber zuerst Ballungsräume wie Hamburg, Frankfurt und München in Angriff genommen; auf dem flachen Land hingegen wird das Netz auf absehbare Zeit nicht verfügbar sein. Zwar versprechen alle TK-Unternehmen den zügigen Ausbau der Netze, aber "es ist nicht unser Ziel, jeden Bergbauern mit UMTS zu versorgen", sagte Vodafone-Chef Jürgen von Kuczkowski auf der Cebit.

Peter Scheer, Manager Consultant bei der Metagroup „Die Tarifgestaltung wird eine wesentliche Rolle spielen, ob UMTS in den Unternehmen ankommt.“
Peter Scheer, Manager Consultant bei der Metagroup „Die Tarifgestaltung wird eine wesentliche Rolle spielen, ob UMTS in den Unternehmen ankommt.“

Während die Anbieter bei Privatkunden auf Multimediadienste setzen, ist das Interesse der Business-Anwender an Unterhaltung via Handy eher begrenzt. Mit Steckkarten für Notebooks, Tablet-PCs und PDAs sollen ihnen die breitbandigen Datendienste zu verbesserter und flexiblerer Unternehmenskommunikation verhelfen. Aber auch hier sind die Kosten keine Nebensache: "Die Tarifgestaltung wird eine wesentliche Rolle dabei spielen, ob das UMTS-Angebot in den Unternehmen ankommt", sagt Peter Scheer, Manager Consultant bei der Meta Group. Die Tarife allerdings sind nach Meinung des Geschäftsführers des Online-Portals Teltarif.de, Martin Müller, noch keineswegs attraktiv genug. "Für intensives mobiles Arbeiten sind die UMTS-Tarife viel zu teuer." Noch sind die Preismodelle aller Provider nicht bekannt, aber ein Volumentarif von 150 MB pro Monat schlägt wohl mit 50 bis 65 Euro zu Buche. Müller vermutet allerdings, dass sich diese hohen Preise angesichts des großen Konkurrenzdrucks nicht lange halten werden.

Vodafone stattete in rund 350 Städten Testkunden mit UMTS aus. Die Freude der Teilnehmer trübte sich nur beim Verlassen des Netzes: Zwar schaltete die Notebook-Karte problemlos auf GPRS um, "aber die Geschwindigkeit einer GPRS-Verbindung ist im Vergleich zu UMTS natürlich enttäuschend", sagt Testkunde Rolf Meyer, Generalsekretär des Deutschen Raiffeisenverbands. Den meisten Geschäftskunden reicht GPRS mit einer Übertragungsrate von 53,6 Kbit/s nicht aus, weshalb sie WLAN-Verbindungen mit Raten von 11 bis 55 Mbit/s vorziehen.