"Merkel-Phones"

Bund deckt sich mit abhörsicheren Smartphones ein

28. Januar 2014
Nach den Schreckensnachrichten über Abhöraktivitäten amerikanischer und britischer Geheimdienste rüsten die Spitzen der deutschen Behörden auf. Der Anbieter des "Merkel-Phones" verkauft binnen drei Monaten mehr als 2.000 Spezialhandys an den Bund - Tendenz steigend.

Die Spitzen der deutschen Bundesministerien nutzen dem IT-Spezialisten Secusmart zufolge fast flächendeckend abhörsichere SmartphonesSmartphones. "Das ist bei allen der Fall - mit einer Ausnahme", sagte Secusmart-Chef Hans-Christoph Quelle am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa am Rande einer Veranstaltung der Deutschen Messe AG in Hannover. Welches Bundesministerium noch außen vor sei, verriet er nicht, sagte aber, es sei für Sicherheitsbelange "relativ unwichtig". Nach Quelles Darstellung hinken deutsche Firmen bei dem Thema allerdings hinterher. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Secusmart aus Düsseldorf habe im letzten Quartal 2013 gut 2000 abhörsichere Geräte auf Blackberry-Basis an die Bundesbehörden verkauft. Das Interesse an der Technik sei international, es gebe Anfragen von Regierungen aus Nordeuropa, Südamerika, Asien und dem Nahen Osten. Die Enthüllungen des Informanten Edward Snowden zur Internet-Überwachung amerikanischer und britischer Geheimdienste hätten dem Thema einen großen Schub verliehen.

Nach dpa-Informationen nutzt Kanzlerin Angela Merkel ein Produkt aus dem Hause Secusmart, das das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zugelassen hat. Es handelt sich um ein BlackberryBlackberry mit echten Tasten zum Drücken, das Merkel einer nur auf dem Bildschirm dargestellten Tastatur bevorzuge. Quelle wollte sich nicht zu möglichen Handys der Bundeskanzlerin äußern. Auch die Deutsche Telekom rüstet die Bundesbehörden mit ihrem abhörsicheren Telefon auf Basis von Samsungs Galaxy S3 aus. Alles zu Blackberry auf CIO.de

Der Secusmart-Chef sieht großen Nachholbedarf bei der deutschen Wirtschaft. "Wenn es um Sprachverschlüsselung geht, dann sind die Behörden den Firmen meilenweit voraus." Teilweise nutzten familiengeführte Mittelständler, die in Nischen Weltmarktführer sind, häufiger entsprechende Sicherheitstechnik als Dax-Konzerne. "Noch kein deutsches Unternehmen hat dabei einen großen Rollout."

Quelle verteidigte den Fokus auf den angeschlagenen Smartphone-Hersteller Blackberry. Dessen Sicherheitsarchitektur sei einfach das Maß der Dinge. Dennoch arbeite Secusmart auch an Lösungen für plattformübergreifende Produkte, die auf mehreren Betriebssystemen wie etwa Apples iOS und AndroidAndroid liefen. Für viele Firmen sei gerade diese offene Architektur eine wichtige Entscheidungshilfe. Alles zu Android auf CIO.de

Quelle betonte, dass trotz der Snowden-Enthüllungen nicht unbedingt das individuelle Sicherheitsbedürfnis wachse. "Die Menschen kaufen Sicherheit nicht wegen der Sicherheit allein, sondern weil sie etwas Zusätzliches davon haben." Wenn Firmen zum Beispiel zunehmend nur noch Geschäftspartner akzeptierten, deren Systeme gewissen Sicherheitsstandards entsprächen, dann könne das die abhörsichere Kommunikation entsprechend voranbringen.

Eine 100-prozentige Sicherheit sei aber nur sehr schwer zu gewährleisten. So müsse beispielsweise das komplette Netz aller Kommunikationsteilnehmer entsprechend ausgerüstet sein. Nur ein Einfallstor wie etwa ein unverschlüsselter Konferenzteilnehmer reiche als Lücke schon aus. Außerdem gehe es nicht nur um Inhalte. Schon die Information, wer wann mit wem wie lange redet, könne viele Rückschlüsse zulassen. (dpa/rs)

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