Die wöchentliche CIO-Kolumne

Chapter 11 - Motto des Glasfaser-Marktes

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Die Leitungsgebühren für den internationalen Datentransfer werden preiswerter. Überkapazitäten belasten weiterhin den Glasfaser-Markt. Mit Preisen unter den eigenen Kosten versuchen einige Anbieter ihre Marktstellung zu sichern. Doch eine Konsolidierung steht bevor.

Die Glasfaser-Anbieter sind nervös. Inzwischen bestreitetkeiner mehr von ihnen, dass sie sich verrechnet haben. Aufeiner Zusammenkunft für Journalisten in Stockholm amvergangenen Freitag, der Telia Presse-Summit, fand der CEOdes schwedischen Anbieters Telia International Carrieroffene Worte. Von einer "turbulenten Marktsituation" und"weiter sinkenden Preisen", sprach Erik Heilborn. Die"Instabilität" werde sich 2002 "weiter fortsetzen", so auchdie Telia-Chefin Marianne Nivert. Mit dem Viking Networkverfügt man über ein weltweites eigenes Backbone-Netz.

Vorerst geht es im Glasfaser-Markt weiter bergab, derletzte Sturz passierte gestern: Metromedia Fiber Network,ein ehemals an der Nasdaq notierter Anbieter optischerIP-Internet-Infrastruktur, hat für die Mutter und diemeisten seiner US-Töchter Gläubigerschutz nach Chapter 11beantragt. Der Geschäftsbetrieb solle vorerst weiter laufen;mit einem Sparkurs will man das Überleben sichern. Derangehäufte Schuldenberg Ende Februar betrug 3,3 MilliardenDollar.

"Chapter 11", der Paragraph nach dem amerikanischeUnternehmen Gläubigerschutz beantragen können, ist das neueMotto der Branche. Alle Unternehmen hoffen auf eineKonsolidierung des Marktes - und natürlich darauf, dass ihrUnternehmen nicht dasjenige ist, was seine Türen für immerschließen muss. Langfristig werde sich die Branche erholen,das ist derzeit mehr Hoffnung als Gewissheit.

Schlecht für die Anbieter, aber gut für die CIOs: MitPreisen unter den eigenen Kosten versuchen nun einigeAnbieter ihr Überleben zu sichern. "Wir beteiligen uns darannicht", sagt Telia-IC-CEO Heilborn.

Es ist schwierig zu beurteilen, welches Unternehmendurchhält, denn Durchhalteparolen verbreiten sie derzeitalle. Eine "differenziertere Betrachtung in derBerichterstattung der deutschen MedienMedien", wünscht sich UweNickl, deutscher Geschäftsführer von Level 3 Communications."Denn Level 3 ist nicht gleich Global Crossing und Equantist nicht gleich Colt", sagt er. Top-Firmen der Branche Medien