Netzwerker steigert Gewinn um 21 Prozent

Cisco streicht 5500 Jobs

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 
Trotz eines Gewinnplus von 21 Prozent auf 2,81 Milliarden Dollar im letzten Quartal streicht Cisco 5500 Stellen. Das sind etwa sieben Prozent aller Mitarbeiter. Gleichzeitig will der Konzern in neue Geschäftsfelder wie IoT oder Digitalisierung investieren.
Zentrale von Cisco Systems in Kalifornien
Zentrale von Cisco Systems in Kalifornien
Foto: Cisco Systems GmbH

Eigentlich könnten bei Cisco die Sektkorken knallen: In einem schwierigen Marktumfeld, in dem immer weniger Carrier und Unternehmen in Infrastrukturprodukte wie Router investieren, konnte der Konzern im letzten Quartal seinen Gewinn um 21 Prozent auf 2,81 Milliarden Dollar steigern. Im Vorjahresquartal hatte Cisco lediglich einen Gewinn von 2,32 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Allerdings sank der Umsatz um 1,6 Prozent von 12,84 Milliarden auf 12,64 Milliarden Dollar. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr stagnierte der Umsatz bei 49,2 Milliarden Dollar. Der Gewinn legte von 9,0 auf 10,7 Milliarden Dollar zu.

Mit der Bekanntgabe der Geschäftszahlen teilte Cisco gleichzeitig mit, dass man 5.500 Stellen streichen werde. Für entsprechende Abfindungen und Kündigungskosten plant der Konzern 700 Millionen Dollar ein. Damit fällt der Stellenabbau geringer aus als erwartet - Medien hatten zuvor über bis zu 14.000 bedrohte Arbeitsplätze spekuliert. Cisco ist nicht der einziger Hersteller, der im Zuge der Digitalisierung Jobs streicht. Im April hatte Intel angekündigt, 12.000 Stellen abzubauen und IBM kündigte im Mai einen größeren Stellenabbau an - jedoch ohne genaue Zahlen zu nennen.

Der jetzt angekündigte Stellenabbau bei Cisco kommt nur bedingt überraschend. Schon in den letzten Jahren hatte der Konzern jeweils im August größerer Umstrukturierungsmaßnahmen angekündigt, um so auf aktuelle Marktveränderungen zu reagieren, oder die Personalstruktur nach den zahlreichen Firmenübernahmen zu bereinigen. Lediglich 2015 gab es im August keinen Stellenabbau, denn da war der neue und aktuelle CEO Chuck Robbins erst seit kurzem an Bord. Noch unter John Chambers, der den Konzern fast zwei Jahrzehnte führte, strich Cisco 2014 6.000 Stellen (- 8 Prozent), 2013 4.000 Jobs (-5 Prozent), 2012 1.300 Arbeitsplätze (- 2 Prozent) sowie 2011 6.500 Stellen (- 9 Prozent).

Cisco CEO Chuck Robbins will 5.500 Jobs streichen, weil das Router-Business stottert.
Cisco CEO Chuck Robbins will 5.500 Jobs streichen, weil das Router-Business stottert.
Foto: Jürgen Hill

Cisco reagiert mit den Kürzungen auf verschiedene Trends. So setzten immer mehr Carrier und Großunternehmen auf Software Defined Networks (SDN) und verzichten auf klassische hochpreisige Router mit spezialisierten Betriebssystemen wie sie Cisco baut. Desweiteren befindet sich der Konzern seit längerem in einer Umorientierungsphase vom Hardware-Hersteller in Richtung IT-Service-Dienstleister und IT-Consultant, der verstärkt Themen wie Digitalisierung oder Internet of Things (IoT) adressiert. So hatten beispielsweise erst im März Cisco-Deutschlandchef Oliver Tuszik und Cisco-Boss Chuck Robbins angekündigt, im Rahmen der Agenda "Deutschland Digital" hierzulande 500 Millionen Dollar zu investieren. Und Tuszik wiederholte des öfteren in Gesprächen mit der COMPUTERWOCHE, die Bedeutung des Internet of Things und forderte: "Das Internet of Things muss in Deutschland ein Knaller werden".

Gespräche, in denen Tuszik auch wiederholt den Wandel in Bezug auf die Skill-Anforderungen der Mitarbeiter im Zuge der Digitalisierung ansprach. Cisco selbst zieht nun mit den jüngsten Stellenkürzungen die Konsequenzen aus diesem Wandel. Auf der anderen Seite will der Konzern nämlich durchaus neue Stellen schaffen , etwa bei Zukunftstehmen wie dem Internet of Things.

Die Kündigungswelle fällt geringer als erwartet aus - Medien hatten zuvor unter Berufung auf Insider von bis zu 14000 bedrohten Arbeitsplätzen berichtet.

Dieser Artikel entstand mit Hilfe von Inhalten von dpa. (hi/rs)

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