Umfrage

Defizite beim "Arbeiten 4.0" in Führungsetagen

21. Juni 2016
Arbeitsprozesse werden dank Digitalisierung zunehmend transparenter. Das fördert auch neue Ansprüche der Mitarbeiter wie mehr Flexibilität und Selbstständigkeit. Doch in den Führungsetagen ist diese Erkenntnis einer Umfrage zufolge noch längst nicht angekommen.
Markus Köhler hat als Senior Director Human Resources die Verantwortung für das Personal-Ressort bei Microsoft Deutschland.
Markus Köhler hat als Senior Director Human Resources die Verantwortung für das Personal-Ressort bei Microsoft Deutschland.
Foto: Microsoft

Die DigitalisierungDigitalisierung aller Arbeitsprozesse macht Unternehmen agiler und anpassungsfähiger, erfordert jedoch auch eine veränderte Führungskultur. Diese Erkenntnis ist in Deutschland nach Einschätzung von Markus Köhler aus der Geschäftsleitung von Microsoft Deutschland allerdings noch nicht weit verbreitet. Die Führungskultur in den Unternehmen passe vielfach weder "zu den Wünschen der Arbeitnehmer, noch zu den Anforderungen der digitalen Wirtschaftswelt", sagte Köhler. Das hätten die Ergebnisse einer Umfrage bestätigt. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Im Auftrag von Microsoft befragte TNS Infratest über 1000 Beschäftigte. Demnach wünscht sich die Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland zum Beispiel besseren Zugang zu Informationen (85 Prozent) und regelmäßiges Feedback von ihren Chefs (84 Prozent). Selbstständiger Entscheidungen treffen wollten 85 Prozent, 71 Prozent erhoffen sich mehr Flexibilität bei der Arbeit. Nur 20 Prozent fanden allerdings, dass sie durch den Einsatz moderner IT schneller Feedback bekommen, lediglich 19 Prozent der Befragten hat sie mehr Flexibilität bei Arbeitszeit und -Ort verschafft.

"Der digitale Wandel verändert die Anforderungen an FührungFührung, die erfolgreiche Führungskraft von morgen ist kooperationsfähig, empathisch und versteht es, mit der Vielfalt der Ansprüche der Beschäftigten umzugehen", sagte Max Neufeind, Referent beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Neue Technologien könnten zwar helfen, Wissen transparenter zu machen und flexibler zu arbeiten und zu kommunizieren, sagte Köhler. Aber die Zahlen sprächen dafür, "dass der notwendige Wandel in den Köpfen noch nicht stattgefunden hat". Alles zu Führung auf CIO.de

Die Hamburger Kommunikationsagentur Ministry hat im Zuge der Digitalisierung Hierarchien weitgehend abgebaut und die Verantwortungen in die Teams verlagert. "Bedingungslose Transparenz und das Loslassen von Allmachtsphantasien sind der Schlüssel zum Aufbau von nachhaltig funktionierenden Organisationsstrukturen", sagte Marco Luschnat, Geschäftsführer von Ministry. Birte Gall, Geschäftsführerin der Berlin School of Digital Business appellierte daran, "Kontrolle abzugeben". Führungskräfte müssten lernen, in die Fähigkeiten und Kompetenzen ihrer Mitarbeiter zu vertrauen, sagte Gall. (dpa/rs)