Deloitte-Studie

Der IT-Nachwuchs ist top, aber Startups fehlen

Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Im weltweiten Vergleich liegt Deutschland mit einer sehr guten IT-Ausbildung vorn. Doch Startup-Gründungen scheitern an mangelndem Gründergeist und Angst.

25 einzelne Kriterien überprüft der Berater Deloitte in der Studie "Digitale Wettbewerbsfähigkeit - wo steht der Standort Deutschland?" Dabei fasst Deloitte die 25 Punkte in drei Kategorien zusammen, nämlich Talente, Startups und Investitionen. Fazit: Bei den Talenten, gemessen etwa an der IT-Ausbildung, zählt die Bundesrepublik zur Spitze. Es gibt aber zu wenig unternehmerische Initiative im Land. Außerdem wird zu wenig in DigitalisierungDigitalisierung und Informationstechnologie investiert, was Deloitte auf die Historie als Auto- und Maschinenbauer zurückführt. Alles zu Digitalisierung auf CIO.de

Die in der Studie genannten Zahlen stammen es verschiedenen Quellen, darunter den OECD-Reports "Entrepreneurship at a Glance 2015", "Digital Economy Outlook 2015" und dem Papier "The Global Competitivness Report 2016-2017".

Der Talentindikator für Deutschland

Deloitte sieht sich nicht nur den Pool an Talenten an, sondern auch das, was in der Pipeline steckt. Außerdem analysieren die Berater die Attraktivität des Standortes Deutschland.

Den Punkt Talente unterteilt Deloitte in drei Einzelkategorien.
Den Punkt Talente unterteilt Deloitte in drei Einzelkategorien.
Foto: Deloitte

Sehr gute IT-Ausbildung

Deloitte stellt den deutschen Universitäten in den Disziplinen Technik und Informatik ein sehr gutes Zeugnis aus. Sieben Ausbildungsstätten gehören zu den globalen Top 100, das sind die Technischen Universitäten in München, Dresden und Darmstadt, die RWTH Aachen, das Karlsruhe Institute of Technologie sowie die Universitäten in Freiburg und Stuttgart. Damit rangiert die Bundesrepublik auf dem dritten Platz hinter den USA und Großbritannien. Die Pipeline ist sozusagen gut gefüllt, laut Deloitte entscheiden sich - im internationalen Vergleich betrachtet - in Deutschland viele junge Leute für ein MINT-Studium.

Zu wenig Informatiker, zu wenig Forschungsgelder für IT

Was den aktuellen Talent-Pool betrifft, sehen die Ergebnisse nicht so gut aus. Den Unternehmen stehen nicht genug Wissenschaftler, Ingenieure und Informatiker zur Verfügung. Geht es um die Forschung, belegt Deutschland nur einen der hinteren Plätze: Der Anteil der Forschungsgelder für IT beträgt 20 Prozent. In Korea, Finnland und Israel sind es jeweils gut 50 Prozent.

Wie attraktiv ist Deutschland für ausländische Talente? Hier punktet der Standort mit hoher Lebensqualität und Reputation. Doch die Fähigkeit, Talente dann auch zu halten, müssen Unternehmen verbessern.

Zu große Angst vor dem Scheitern

Erfolgreiche Unternehmer genießen in Deutschland einen guten Ruf, beobachtet Deloitte. Gleichzeitig würden 42 Prozent der Deutschen auf das Gründen einer eigenen Firma verzichten - aus Angst, zu scheitern. Das sind fast doppelt so viele wie in den USA. Entsprechend schwach zeigt sich die Startup-Szene.

Bei den Startups sieht Deloitte Deutschland nicht in einer Spitzenposition. Deloitte bezieht sich hier auf Zahlen der OECD.
Bei den Startups sieht Deloitte Deutschland nicht in einer Spitzenposition. Deloitte bezieht sich hier auf Zahlen der OECD.
Foto: Deloitte

Auch die Venture-Capital-Investitionen bleiben gering, die Bundesrepublik belegt innerhalb der OECD den 20. Platz. Führend sind Israel und die USA.

Zu wenige Investitionen in digitale Technologien

Das Land der Auto- und Maschinenbauer zeigt eine "geringe Spezialisierung auf die IKT-Industrie", schreibt Deloitte. Entscheider investieren wenig in die Digitalisierung. "Gemessen an den Brutto-Anlageinvestitionen belegt Deutschland bei den IKT-Investitionen einen der hintersten Plätze im letzten Quartil", so die Berater. Spitzenreiter sind wiederum die USA neben den Niederlanden und der Schweiz.

Laut Deloitte investiert Deutschland zu wenig in die eigene Digitalisierung. Die Zahlen, auf denen diese Einschätzung basiert, stammen von der OECD.
Laut Deloitte investiert Deutschland zu wenig in die eigene Digitalisierung. Die Zahlen, auf denen diese Einschätzung basiert, stammen von der OECD.
Foto: Deloitte

Ein weiterer Punkt dieses Kapitels bezieht sich auf die Forschungs- und Entwicklungsetats. In Deutschland fließt mehr als ein Drittel (36 Prozent) dieser Gelder in die Automobilindustrie, ein Fünftel (20 Prozent) in die IKT-Industrie. Führend sind Korea, Finnland und Israel mit jeweils gut 50 Prozent.

Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb appelliert Deloitte an Unternehmen, sich stärker zu digitalisieren. Die Berater sehen aber auch den Gesetzgeber gefordert, die Bedingungen dafür zu schaffen.

Kostenloses PDF der Deloitte Studie „Digitale Wettbewerbsfähigkeit. Wo steht der Standort Deutschland?"

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