Mobile Computing

Der PC ist immer schon da



Wolfgang Miedl arbeitet Autor und Berater mit Schwerpunkt IT und Business. Daneben publiziert er auf der Website Sharepoint360.de regelmäßig rund um Microsoft SharePoint, Office und Social Collaboration.

Dabei dient allen ISR-Clients als gemeinsame Basis die Technik virtueller Maschinen (VM) - in diesem Fall der Linux-Client von VMware. Darauf läuft Windows XP als Desktop-System. Grundsätzlich wäre damit das Modell eines mit dem User wandernden Betriebssystems bereits realisiert. Denn VMware kapselt die PC-Hardware und bildet einen standardisierten virtuellen "Software"-PC. Wird darauf Windows XP installiert, besitzt es eine VMware-spezifische Gerätetreiber-Konfiguration und ist so mit allen VMware-Instanzen auf jedem PC kompatibel. Doch das System hat Grenzen: Ein komplettes Windows-VMware-Image mit Betriebssystem, Applikationen und Produktivdaten ist zwischen mehreren GB und einigen Dutzend GB groß.

Kernproblem: zu große Datenmengen

Damit stößt man auf das Kernproblem, das die Forscher zu knacken hatten: Selbst innerhalb eines Firmennetzwerks mit 1-Gbit-LAN würde das Übertragen einer eingefrorenen Arbeitssitzung in Form eines VM-Images auf einen anderen PC unzumutbar lange dauern und die Netzinfrastruktur über die Maßen belasten. In Netzen mit 10-Mbit- oder DSL-Leitung wäre eine solche Lösung sogar schlichtweg unpraktikabel. Die Entwickler entwickelten daher einige Hilfsmechanismen, um den TransportTransport des "VM State" - also des aktuellen Betriebszustandes - zu verschlanken. Top-Firmen der Branche Transport

Zunächst wird bei ISR das persönliche Client-Image in kleine Dateien zerlegt - das eröffnet Möglichkeiten einer selektiven Übertragung, die sich beispielsweise auf nur tatsächlich geänderte Daten im System-Image beschränkt. Da dennoch potenziell große Datenmengen für ein Resume vom Firmenserver auf den ISR-Client übertragen werden müssen, kommt zusätzlich ein mehrere Gigabyte großer lokalen Zwischenspeicher zum Einsatz. Ist die nächste Arbeitsstation eines Mitarbeiters bekannt, kann diese schon während der Fahrtzeit des Users automatisch mit Image-Bestandteilen bestückt werden (Cache-Warming - "Vorwärmen"). So kann der Benutzer bei Ankunft die Arbeitssitzung nach kurzer Cache-Ladezeit fortsetzen.

Allerdings verlassen sich die Wissenschaftler nicht nur auf solche Idealfälle, sondern haben auch an Worst-Case-Szenarien gedacht - wenn etwa ein Benutzer ohne Vorankündigung an einem entfernten ISR-PC seinen Desktop laden möchte. In solchen Fällen kommt die Look-aside-Caching-Techologie zum Einsatz. Die Grundidee des Verfahrens ähnelt denen moderner Speicher- und Backup-Systeme: Vergleicht man die Datenmuster unterschiedlichster PC-Installationen, stellt man fest, dass ein großer Teil der System- und Anwendungsdateien identisch sind. Look-asideCaching nutzt diesen Umstand und sucht nach solchen redundanten Daten zunächst in der Client-Umgebung wie auf USB-Sticks, externen Festplatten oder DVDs. Im Idealfall lässt sich so der Datentransfer zwischen dem Firmenserver und dem entfernten ISR-Client auf die dynamischen Daten des aktuellen Systemzustands reduzieren. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Anwender die Redundanzdaten mit sich führt.

Mittlerweile haben die Projektmitglieder in umfangreichen Tests bereits die Praxistauglichkeit von Internet Suspend / Resume in unterschiedlichen Benutzerszenarien getestet. Optimale Ergebnisse ermittelte man dabei unter anderem in der Arbeitsweise "Tragbarer Speicher / Look-aside Cache". Sowohl im langsamen 100-Kbit-Netz (ISDN) als auch im schnellen 100-Mbit-LAN betrug die Resume-Zeit eines ISR-Rechners zwölf Sekunden und lag damit im Bereich einer herkömmlichen Notebook-Aufwachphase.

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