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Nachlese: Hamburger IT Strategietage

"Deutsche CIOs sind noch zu ingenieurgetrieben"

25. Februar 2016
Die Digitalisierung mit ihren vielfältigen Auswirkungen beschäftigt CIOs allenthalben. Besonders ihre eigene Rolle wie auch die Bedeutung von Plattformen treibt Technologie-Manager derzeit um, wie Dr. Claus Jeschek von Accenture im Gespräch mit zahlreichen Marktteilnehmern auf den Hamburger IT Strategietagen erfahren hat.

Wie sehen die neuen Herausforderungen für die IT-Strategen aus? Welche Schlüsselthemen beschäftigen derzeit besonders? Dr. Claus Jeschek, Managing Director bei Accenture Strategy, war in der Hansestadt dabei und hat sich dazu mit zahlreichen Marktteilnehmern ausgetauscht. Im Interview schildert er seine Eindrücke.

Herr Dr. Jeschek, wird es aus Ihrer Sicht den CIO und seine Funktion, wie wir sie kennen, in ein paar Jahren noch geben? Gehen seine Kernkompetenzen vielleicht schon bald in den Fachabteilungen und anderen Funktionen des Unternehmens auf?

Dr. Claus Jeschek: Sicherlich verändert sich mit den Unternehmen auch die Welt ihrer IT-Strategen drastisch. Dennoch bin ich mir sicher, dass die IT-Spitzenmanager künftig nicht nur als koordinierendes Moment unersetzbar sind. Wenn sie ihre Hausaufgaben machen, können sie nicht nur zum Treiber der digitalen Transformation in ihren Unternehmen werden, sondern auch zum helfenden Orchestrator für neue digitale Geschäftsmodelle. Dafür müssen CIOs jedoch an ihren Fähigkeiten arbeiten.

Dr. Claus Jeschek, Managing Director bei Accenture Strategy
Dr. Claus Jeschek, Managing Director bei Accenture Strategy
Foto: Accenture Strategy

Was heißt das konkret?

Dr. Claus Jeschek: Die IT-Strategen stehen insbesondere vor der Herausforderung, ein Multispeed-Operating-Modell zu etablieren. Das heißt, sie müssen einerseits die bestehende IT dringend modernisieren und die eigene Einheit effizienter aufstellen, um sich zum Partner für das digitale Business zu empfehlen. Andererseits müssen CIOs aber auch schnell digitale Fähigkeiten entwickeln, um gemeinsam mit dem Business erste messbare Erfolge in diesem Bereich zu erzielen. Einige Unternehmen etablieren auch Digital Labs oder Digitale Kompetenzzentren, um die Digitalisierung strukturiert voran zu treiben.

Womit beschäftigen sich Unternehmen derzeit am intensivsten?

Dr. Claus Jeschek: Die Digitalisierung nimmt langsam Gestalt an. Sie wird immer konkreter und mündet inzwischen in sehr greifbare digitale Projekte. Unternehmen probieren sich aus. Viele haben kleinere, aber umso schlagkräftigere Digitalteams aufgebaut. So bündelt beispielsweise BMW in seiner Einheit für autonomes Fahren weltweit an mehreren Standorten bis zu 600 Leute. Gemeinsam mit Partnern, auch externen Kräften in einem Ökosystem, werden Prototypen ausgerollt.

Entsprechend müssen CIOs nun dringend damit beginnen, die digitalen Themen und deren Implikationen einzuordnen und sich entsprechend aufzustellen. Nur so werden sie zum wertvollen Partner für das Geschäft, der die entsprechend notwendigen IT-Lösungen bereitstellt. Der IT-Stratege muss sich zum Enabler der neuen Geschäftsmodelle aufschwingen.

Wie sind deutsche Unternehmen aufgestellt, was ihre digitale Fitness anbetrifft - hinsichtlich Reifegrad und Skalierung?

Dr. Claus Jeschek: Grundsätzlich verfügen wir hierzulande über gute Fähigkeiten. Auch die Startup-Szene kann sich inzwischen durchaus sehen lassen. Nach wie vor sind wir aber noch zu ingenieurgetrieben. Viele Unternehmen setzen bei ihren Entwicklungen noch auf einen zu hohen Reifegrad, anstatt mit einer ersten, ausreichenden Version eines Produkts oder Services - Stichwort: Minimum Viable Product - an den Markt zu gehen. Vor allem bei der Skalierung digitaler Projekte tun sie sich schwer. Wichtig wird hier sein, sich zwar in kleinen Schritten zu bewegen, aber dies schnell zu tun, um jedes Jahr die wertvollsten Ideen mit dem Faktor 10 zu skalieren.

Welche Themen wurden unter den CIOs in Hamburg sonst noch heiß diskutiert?

Dr. Claus Jeschek: Die Rolle von Plattformen beschäftigt nach wie vor alle Branchen. Ein Unternehmen kann heute, in einer Welt der Branchenkonvergenz, nicht mehr effizient Expertise in allen Wertschöpfungsbereichen gleichermaßen aufbauen. Ohne bessere Formen der Zusammenarbeit wird das digitale Wachstum nicht möglich sein. Mit neuen Plattformen und Schnittstellen wächst aber noch eine zweite Herausforderung signifikant: Cyber Security. Die Angreifer agieren heute hochprofessionell und verursachen Milliardenschäden. Um Stabilität und Sicherheit - aber auch letztlich Vertrauen - zu gewährleisten, muss daher umso mehr Cyber Resilience auf die strategische Agenda der Unternehmen kommen. Auch hier ist der CIO in einer Schlüsselrolle.

Wie sieht damit die Rolle des CIO im digitalisierten Unternehmen aus?

Dr. Claus Jeschek: Wenn CIOs die Herausforderung annehmen, dann sehe ich sie durchaus in der Rolle des digitalen Enablers und Orchestrators. Der IT-Stratege hilft dabei, Technologie und Business in Einklang zu bringen. Dies wird keinesfalls einfach, das ist schon Champions League.

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