Analysten-Kolumne

EAI-Markt im Wandel

27. Oktober 2004
Von Joachim Quantz
Der EAI(Enterprise Application Integration)-Markt befindet sich im Umbruch. Viele Anwender-Unternehmen haben bereits die Grundprobleme der Anwendungsintegration gelöst. Die Anbieter sind deshalb auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Dabei rückt das Business Process Management (BPM) immer stärker in den Fokus der Begehrlichkeiten.

Für eine solche Neupositionierung der Anbieterfirmen sprechen eine Reihe von Argumenten. Zunächst einmal ist bei Unternehmen, die bereits eine EAI-Lösung eingeführt haben, das Grundproblem der Anwendungsintegration – der Datenaustausch zwischen unterschiedlichen Systemen und Anwendungen – weitgehend gelöst. Nach der erfolgreichen Etablierung von Konnektoren und Adaptern, die Daten von einem Format in ein anderes Format überführen, stellt sich nun zunehmend eine neue Herausforderung: die Interaktionen zwischen den verschiedenen Anwendungen müssen effizient in die Geschäftsprozesse eingebunden werden.

Analyst Quantz: Nach der Integration fehlt oft die Einbindung in die Geschäftsprozesse.
Analyst Quantz: Nach der Integration fehlt oft die Einbindung in die Geschäftsprozesse.

Gleichzeitig wächst bei den Anwendern das Interesse an Lösungen, die eine Optimierung und Flexibilisierung ihrer Kernprozesse ermöglichen. Teilweise führen auch verschärfte regulatorische Rahmenbedingungen zu einer intensivierten Beschäftigung mit den eigenen Geschäftsprozessen. Business Process ManagementBusiness Process Management verspricht hier Hilfe, wie auch die aktuelle Studie "Business Process Management: Ein Schritt zum flexiblen Echtzeit-Unternehmen" von Berlecon zeigt. Anbieter können also durch die Ausrichtung auf BPM diesen neuen Anforderungen gerecht werden. Dabei verschiebt sich ihre Positionierung auch von der sehr technisch-orientierten Ebene der klassischen EAI hin zu einer mehr fachlichen Orientierung an Geschäftsprozessen. Alles zu Business Process Management auf CIO.de

EAI-Anbieter unter Druck

Die meisten EAI-Plattformen verfügen bereits über Komponenten, mit denen Prozesse technisch modelliert, visualisiert und verwaltet werden können. Doch die Vision von BPM geht weit über den aktuellen Stand der EAI-Technologie hinaus. Um den gesamten Lebenszyklus von Geschäftsprozessen (Analyse/Modellierung, Implementierung/Ausführung, Messen/Evaluierung) zu unterstützen, müssen BPM-Plattformen neben EAI-Aspekten auch die fachliche Prozessmodellierung, Workflows und Business IntelligenceBusiness Intelligence (BI) unterstützen. In diesen Bereichen treffen die EAI-Anbieter aber auf eine Reihe bereits etablierter Anbieter, die Produkte mit ausgereiftem Funktionsumfang liefern können, was die Umorientierung zur Herausforderung macht. Alles zu Business Intelligence auf CIO.de

Zwei weitere Herausforderungen liegen in der gewünschten Integration der fachlichen (Prozess-) und der technischen (IT-) Ebene sowie in der Transformation der klassischen offline und zeitversetzt durchgeführten BI hin zum Business Activity Monitoring (BAM), das Echtzeitlösungen zur Verfügung stellt. Werden diese Herausforderungen bewältigt, sollen fachliche Experten in der Lage sein, Prozesse direkt auf der fachlichen Ebene zu modellieren, zu überwachen und auch zu modifizieren – ohne Einbeziehung technischer Entwickler.

Um diese ehrgeizigen Visionen zu verwirklichen, haben einige EAI-Anbieter Zukäufe getätigt, die ihnen die schnelle Erweiterung ihrer Produktfunktionalität ermöglichen. So hat Tibco Anfang des Jahres die BPM-Firma Staffware erworben und damit seinen Anspruch verdeutlicht, sich als ein führender Anbieter im BPM-Segment zu etablieren. Und bereits Ende des vergangenen Jahres hat Webmethods mit dem Kauf der Dante Group BAM-Funktionalität in sein Produktportfolio aufgenommen.

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