Unternehmen denken um

Die Integration wird flexibler

04. Oktober 2004
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Der Markt für die Integration von IT-Anwendungen ist im Umbruch. Die traditionellen Integrationsspezialisten werden von Allroundern bedrängt. Offene Standards wie Web-Services und serviceorientierte Architekturen sorgen für zusätzliche Unruhe.

Der alte Integrationsmarkt ist tot, offene Standards und serviceorientierte Lösungen gewinnen die Oberhand. Das sind die Trends, die das gegenwärtige Integrationsgeschäft bestimmen. Die unternehmensinterne Integration von Geschäftsprozessen, die Enterprise Application Integration (EAI), unterliegt damit einer gravierenden Neubestimmung. "Eigentlich spricht man heute nicht mehr von EAI", sagt Andreas Bitterer, Vice President des Enterprise Analytics Strategies Service der Meta Group. "Die propriertären Plattformen halten sich nicht mehr lange, der Markt hat sich gewandelt in Richtung offene Standards. Serviceorientierte Architekturen wie Web-Services spielen heute eine wesentlich größere Rolle als das, was man vor ein, zwei Jahren noch als EAI bezeichnet hat."

Ein kurzer Rückblick: In den 90er-Jahren entwickelten Softwareanbieter das EAI-Konzept, das die stetig steigende Zahl von Anwendungen und daraus resultierende Spaghetti-Verbindungen in den Griff bekommen sollte. Wollte etwa ein Hersteller von Autoreifen mit all seinen Groß- und Zwischenhändlern im Rahmen einer Supply Chain elektronisch kommunizieren, so konnten bei dieser relativ einfachen Aufgabenstellung schon 40 bis 50 Systeme zusammenkommen, die integriert werden sollten. Ohne die Unterstützung eines EAI-Tools konnte die Supply Chain mit ihren ständigen Veränderungen auf Dauer nicht betrieben werden.

Statt wie bisher einen großen Teil der Programmierungen auf die teure Entwicklung von Schnittstellen und Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zu verschwenden, sollte mittels EAI alles transparent und kostengünstig im Unternehmen ablaufen. EAI-Spezialisten wie Tibco oder Webmethods lieferten die notwendige Infrastruktur, mit der alle Funktionen und Anwendungen unternehmensweit integriert werden konnten. Kern dieser Infrastruktur war eine Integrations-Middleware als Basiskomponente, über die jede Anwendung mit jeder anderen kommuniziert.

Doch inzwischen ist der Markt für die traditionellen EAI-Anbieter äußerst schwierig geworden. Marktanalysten sind sich weitgehend einig, dass sämtliche EAI-Spezialisten wie Webmethods, Vitria, Tibco, Informatica oder Seebeyond zu einer gefährdeten Spezies gehören, die von größeren Anbietern sogar geschluckt werden könnten.

Andreas Bitterer, Vice President des Enterprise Analytics Strategies Service der Meta Group
Andreas Bitterer, Vice President des Enterprise Analytics Strategies Service der Meta Group

Bedroht werden sie von den Stars der IT-Evolution, Infrastruktur-Generalisten und Tool-Giganten wie IBM, Bea Systems und Microsoft, aber auch Sun oder OracleOracle. Der Vorteil der Generalisten: Diese Firmen haben schon jetzt eine enorme Marktmacht und verfügen über Applikations-Server, die mit Integrations-Servern verschmelzen werden. Zugleich fördert das jetzige Investitionsklima ein Hauen und Stechen unter den EAI-Anbietern, das nur wenige, gut positionierte Hersteller überleben können - so die einhellige Meinung von Marktforschern der Meta Group, der Gartner Group und der Giga Information Group. Alles zu Oracle auf CIO.de

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