Editorial

Ende einer deutschen Erfindung

02. Juni 2004
IT-Tochterfirmen gibt es so gut wie nirgends - außer in Deutschland. Aber auch hier sterben sie aus. Thyssen-Krupp hat die Tochter Triaton bereits verkauft. RAG und Karstadt-Quelle suchen nach Interessenten. Ein Dutzend Unternehmen sollen es insgesamt sein, die ihre IT-Tochterfirmen abseilen möchten. Ob diese Zahl stimmt, sei dahingestellt. Unbestreitbar am Geflüster aus Beraterkreisen ist jedoch der Drang der Konzerne, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Alles andere wäre auch Unsinn, denn zwei von drei Argumenten für IT-Töchter sind weggebrochen.

IT-Tochterfirmen gibt es so gut wie nirgends - außer in Deutschland. Aber auch hier sterben sie aus. Thyssen-Krupp hat die Tochter Triaton bereits verkauft. RAG und Karstadt-Quelle suchen nach Interessenten. Ein Dutzend Unternehmen sollen es insgesamt sein, die ihre IT-Tochterfirmen abseilen möchten. Ob diese Zahl stimmt, sei dahingestellt. Unbestreitbar am Geflüster aus Beraterkreisen ist jedoch der Drang der Konzerne, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Alles andere wäre auch Unsinn, denn zwei von drei Argumenten für IT-Töchter sind weggebrochen.

Erstens: Am Drittmarkt erzielen nur vier von ihnen nennenswerten Umsatz. Gedas und Lufthansa Systems bauen ihr Geschäft dort mit Branchenlösungen aus. T-Systems und Siemens Business Services nutzen Skaleneffekte. Doch selbst bei den deutschen Riesen könnte die Größe nicht reichen, um dauerhaft als Dienstleister auf einem Weltmarkt mitzuspielen. Fast alle anderen IT-Töchter dümpeln auf dem Drittmarkt.

Zweitens: Bei IT-Mitarbeitern erzeugt man kein Markt- und Kostenbewusstsein, wenn man sie in selbstständige Firmen auslagert. Programmierer und Service-Techniker sind keine Vertriebler - was irgendwie auch gut so ist. Sie umzuschulen oder von außen Vertriebskapazität zu kaufen, kostet viel und bringt wenig. Kosten kann man auch transparent machen, wenn IT-Dienste in einem Katalog für die Fachbereiche aufgeschlüsselt und bewertet werden. Dafür braucht es keine eigenständige GmbH oder AG.

Bleibt ein drittes Argument für IT-Töchter, das noch zu greifen scheint. Die GmbHs boten eine sanfte Art, um Mitarbeiter abzuschieben, die man dauerhaft nicht mehr im Budget haben wollte. In den USA würden solche Kollegen sofort gefeuert. Hier bietet man ihnen die Chance, ohne Handschuhe (Vertrieb) und an einem Bein angebunden (Bindung an die Mutter) in den Ring zu steigen, um gegen etablierte Dienstleister zu boxen (ab Seite 56). Was wir derzeit an K.o.-Schlägen für IT-Töchter erleben, ist ein langes Ende, erfunden vom deutschen Kündigungsschutz.

Viel Spaß beim Lesen!

Ihre CIO-Redaktion

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