Spitzel-Affäre

EU-Pläne: Internetkonzerne sollen Datenweitergabe melden

21. Juli 2013
Die Spitzelaffäre um den US-Geheimdienst NSA hat es ans Licht gebracht: Wer als Europäer bei Internetfirmen aktiv ist, wird ausspioniert, ohne es zu erfahren. Das soll sich ändern. Die EU will Facebook, Google & Co verpflichten, die Datenweitergabe zu melden.

Nach der US-Spähaffäre erwägt die EU eine Meldepflicht für Unternehmen bei der Datenweitergabe. Alle Firmen, also auch Internetkonzerne, müssten dann zwingend offenlegen, wenn sie die Daten europäischer Bürger an Staaten oder etwa Geheimdienste außerhalb Europas liefern würden. Beim Treffen der EU-Innenminister im litauischen Vilnius brachte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) dies ins Gespräch. Friedrich sagte: "Eine Meldung an die Europäische Kommission oder ähnliche Stellen oder sogar eine Genehmigung, wenn man Daten ausliefert an fremde Staaten, das ist die Idee, die meiner Ansicht nach umgesetzt werden muss."

Auch die EU-Kommission befürwortet dies. "Wir würden es sehr begrüßen, wenn Unternehmen transparenter sein könnten", sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström. Wie neue Regeln aussehen sollen, sei noch zu diskutieren. Aus dem Europaparlament kommen ähnliche Forderungen. Durch Enthüllungen war jüngst bekanntgeworden, dass US-Geheimdienstler über das Programm "Prism" bei Internetfirmen wie AppleApple, GoogleGoogle oder FacebookFacebook auch die Daten europäischer Nutzer ausspionieren sollen. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de

Im Gespräch ist, die neue EU-Datenschutzverordnung, die derzeit überarbeitet wird, um diesen Punkt zu ergänzen. Die Reform soll das Recht des Bürgers an seinen persönlichen Daten etwa gegenüber großen Internetkonzernen stärken. Auch Regeln für die Datenverarbeitung in Firmen und Behörden gehören dazu. Den Zugriff von Geheimdiensten auf Daten regelt der Text bislang nicht. Ein ursprünglich enthaltener Artikel, wonach die Weitergabe von Daten an Geheimdienste nur unter sehr strengen Regeln erlaubt worden wäre, wurde laut EU-Diplomaten auf Druck der USA und der Internet-Lobby aus dem Entwurf gestrichen. Dieser könnte nun wieder eingefügt werden.

Die Reform soll die bestehende Datenschutzrichtlinie aus dem Jahr 1995 ersetzen und ist sehr umstritten. Bereits im Januar 2012 hatte die EU-Kommission einen Vorschlag gemacht, das Projekt hängt aber in Verhandlungen mit EU-Parlament und Mitgliedstaaten fest. Ob die Reform noch vor den Europawahlen im Mai 2014 verabschiedet werden kann, gilt als fraglich. EU-Justizkommissarin Viviane Reding, die den Vorschlag gemacht hatte, verlangt Entscheidungen "so schnell wie möglich".

Beim Ministertreffen im Juni hatte auch Deutschland bei der Reform gebremst und Kritik geäußert. Es gebe "doch noch sehr viele Hürden und Fragestellungen", sagte Innenminister Friedrich in Vilnius. "Insofern kann es da keine Schnellschüsse geben, sondern solide Arbeit." Zuletzt hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sich für eine einheitliche europäische Regelung stark gemacht.

Umstritten ist etwa noch, wie Bürger der Nutzung ihrer Daten zustimmen sollen, und wie das "Recht auf Vergessen" umgesetzt wird, mit dem Nutzer ihre Daten löschen lassen können.

Das Thema DatenschutzDatenschutz steht offiziell erst an diesem Freitag bei der Fortsetzung des Treffens mit den EU-Justizministern auf der Tagesordnung. Die Innenminister berieten auch über Asyl- und Flüchtlingsfragen, ohne Entscheidungen zu treffen. Litauen hat im laufenden Halbjahr die EU-Ratspräsidentschaft inne. (dpa/rs) Alles zu Datenschutz auf CIO.de

Links zum Artikel

Kommentare zum Artikel

comments powered by Disqus