Protest gegen Putsch

Facebook, Twitter und der Showdown mit Soldaten

26. Mai 2014
Thailands Armee putschte zum dritten Mal binnen 22 Jahren, aber mit Facebook und Twitter ist erstmals alles anders. Putschgegner formieren sich schnell.

Thailands Armee hat mal wieder geputscht, nach altem Muster: Das Militär schaltete die Fernsehsender gleich, und diese mussten patriotische Musik spielen. Aber die Putschisten haben die Rechnung ohne die Computerkids und Smartphone-Virtuosen gemacht. Im Zeitalter von TwitterTwitter und FacebookFacebook formiert sich der Widerstand rasant. Ein Schnellimbiss mitten im bekanntesten Bangkoker Shoppingviertel wird über Nacht zum Treffpunkt des Anti-Putsch-Lagers. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

"Hier geht es nicht um das eine oder das andere politische Lager, hier geht es um die Demokratie!" sagt Ploy (49). Die Büroangestellte ist sichtlich erregt. "Wir wollen der Welt zeigen, dass viele Thailänder mit diesem illegalen Coup nicht einverstanden sind", sagt der 59-Jährige Bauunternehmer Not.

Mit zwei, dreihundert anderen sind sie gekommen, um der Armee die Stirn zu bieten. Eine Frau entrollt einen großes Blatt Papier. "Stoppt den Putsch!" steht darauf. Andere recken jetzt die Arme mit ähnlichen Papieren in die Luft: "Kein Coup", "Freiheit für das Volk".

Einer nach dem anderen erhebt die Stimme. "Armee hau ab!" skandieren einige. "Zurück in die Baracken!" Zwei junge Frauen kleben sich den Mund jetzt demonstrativ mit schwarzem Klebeband zu.

Die Leute haben sich über Facebook und Twitter verständigt. Der Standort ist mit Bedacht gewählt: Vor dem Amarin-Shopping-Center ist jeden Sonntagmorgen viel Betrieb. Die Putschgegner, die mit ihrer Kundgebung gegen die drakonischen Maßnahmen des Kriegsrechts verstoßen, sind unentdeckt gekommen.

Vor dem Schnellimbiss marschieren jetzt Soldaten in Kampfmontur auf, mit Waffen und Schutzschilden, direkt vor einem überlebensgroßen Clown, der am Eingang steht. "Eilmeldung: Soldaten nehmen Ronald McDonald fest", machen sich Twitterer unter den Demonstranten sofort lustig.

"Wenn diese Leute die Macht haben wollen, sollen sie eine Politik machen, die ihnen Wähler bringt", entrüstet sich Bauunternehmer Not. Er hat 2011 Ex-Regierungschefin Yingluck Shinawatra gewählt, die Schwester des mächtigen Telekommilliardärs Thaksin, der selbst 2006 gestürzt worden war. Thaksin dirigierte die Regierung aus dem Exil. Er war die Hassfigur der Regierungsgegner, die den Sturz betrieben haben.

"Shinawatra oder nicht, ich gehöre keinem Lager an", ruft Mink aufgebracht dazwischen. "Ich habe nur die Nase voll davon, dass die Armee meint, sie kann tun, was sie will", sagt der 49-Jährige. "Soldaten haben so oft geputscht, die Leute meinen, das sei normal. Ist es aber nicht!" ruft er erregt.

Jetzt kommt es vor der Tür zu Tumulten. Über Lautsprecher spielen Soldaten patriotische Lieder ab, um die Demonstranten zu übertönen. Schreie dringen durch den Lärm, als sie einen jungen Mann abführen. Ein zweiter Mann weigert sich. Er geht beim Schubsen und Gerangel fast zu Boden, ehe die Soldaten ihn fortschleifen.

Eine ältere Frau stoppt, macht mit einem Handy ein Foto von sich und den Soldaten und dankt ihnen für ihren Einsatz. "Nehmt sie alle fest!" ruft sie und geht weiter. Bangkok hat seit November Zehntausende Regierungsgegner erlebt, die die gewählte Regierung stürzen wollten. Heute ist die Frau an diesem Ort eindeutig in der Minderheit. (dpa/rs)

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