Windows XP Support

Fast überall gibt es noch XP-Rechner

08. April 2014
Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Am heutigen 8. April 2014 beendet Microsoft den Produktlebenszyklus von Windows XP. Gartner-Analyst Michael Silver warnt im CIO-Interview vor XP-Reste, die er in fast jedem Unternehmen vermutet.
Michael Silver, Gartner: "In vielen Krankenhäusern läuft noch Windows 95".
Michael Silver, Gartner: "In vielen Krankenhäusern läuft noch Windows 95".
Foto: Gartner

CIO.de: Wie viele Organisationen nutzen ihrer Einschätzung zufolge noch Windows XP?

Michael Silver: Viele, eigentlich gibt es in nahezu jeder Organisation noch XP-Installationen. In vielen Krankenhäusern läuft beispielsweise sogar noch Windows 95. Wir schätzen, dass 20 bis 25 Prozent aller Enterprise-Systeme noch unter XP laufen, und dass jedes dritte Unternehmen noch zehn Prozent und mehr seiner Rechner mit XP betreibt.

CIO.de: Das Sicherheitsrisiko für XP-Rechner wird nach dem Support-Ende enorm steigen. Wie sollten Unternehmen auf die neue Gefahrenlage reagieren?

Michael Silver: Erstens sollten sie einen Migrationsplan haben und ihn so schnell wie möglich umsetzen. Zweitens müssen sie die Rechte der XP-Anwender beschneiden und nur noch sehr gut bekannte Applikationen zulassen. Die Nutzung von Web-Browsern und E-Mail-Clients sollte auf ein Minimum beschränkt werden. Drittes sollten alle kritischen Anwendungen und Anwender auf Server-zentriertes Computing migriert werden. Wo das in der täglichen Nutzung nicht möglich ist, etwa aufgrund von Lizenzbestimmungen, Kosten und Kapazitätsengpässen, sollten die Applikationen auf den Servern nur in Notfällen zur Verfügung stehen.

CIO.de: Welche weiteren Risiken bestehen?

Michael Silver: Selbst in XP-freien Organisationen kann es zu Problemen kommen, wenn ein Nutzer eine nicht gepatchte Windows-XP-Maschine in das Netz hängt.

CIO.de: Was sind die Lehren aus der Migration? Welche wichtigen Entscheidungen und Probleme müssen Unternehmen beachten, wenn sie den Wechsel auf neuere Windows-Versionen oder andere Betriebssysteme planen?

Michael Silver: Die meisten Applikationen laufen zwar unter Windows 7, es ist aber denkbar, dass sehr alte Anwendungen in den Organisationen Probleme bereiten. Die Unternehmen müssen sich für Windows 7 oder Windows 8Windows 8 entscheiden. Eine Migration zu Windows 7 wird vermutlich schneller gehen, ein Wechsel zu Windows 8 ist jedoch langlebiger. Der Windows-7-Support endet im Januar 2020, also in weniger als sechs Jahren. Wer mit der XP-Ablösung schon zu spät dran war, sollte sich einer solchen Situation so bald nicht wieder aussetzen. Für viele Organisationen ist die beste Alternative, Windows 7 für das Gros der kritischen Anwender und Applikationen auszurollen und den Wechsel auf Windows 8 im Jahr 2015 frühzeitig zu starten. Alles zu Windows 8 auf CIO.de