Schutz vor Datenspionage

Geheimdienste nutzen deutsche Schreibmaschinen

12. Juli 2013
Zum Schutz vor Datenspionage per Computer setzen russische Geheimdienste auf deutsche Schreibmaschinen.

Wohl auch alarmiert durch die Enthüllungen des Internetexperten Snowden bestellt der Staatsschutz von Kremlchef Putin nun 20 neue Exemplare. Dabei wirkt die Suche des russischen Staatsschutzes FSO nach Schreibmaschinen - vorzugsweise made in Germany - wie eine Kampfansage an "Datenspione" vom Schlage eines Edward Snowden.

Die russischen Geheimdienste sehen freilich nicht nur mit Sorge, dass der von den USA als Verräter gejagte Computerspezialist weiter im Transitbereich des Moskauer Flughafens Scheremetjewo festsitzt. Seit den Enthüllungen des 30-Jährigen dürften die Sicherheitsbehörden von Präsident Wladimir Putin, selbst einst Geheimdienstchef, darüber nachdenken, wie geheime Informationen noch besser zu schützen sind.

Für den Bundesnachrichtendienst mag es wie ein Aprilscherz klingen, aber für den FSO, zuständig für Putins Schutz, bietet offenbar die gute alte Schreibmaschine beste Sicherheit gegen Spione. Wie die im Internet nachlesbare FSO-Ausschreibung mit der Nummer UMTO-kk-43 zeigt, sucht die selbst auf Abhöraktionen spezialisierte Behörde auch Hunderte Farb- und Korrekturbänder für die Triumph-Adler Twen 180 und Olympia Comfort.

Hersteller Olympia im nordrhein-westfälischen Hattingen setzt weiter auf die Alternative zum Computer. Der Vertrieb bestätigt, dass das Unternehmen den Russen in der vergangenen Woche ein Angebot für 20 Schreibmaschinen und die Farbbänder gemacht habe. Experten dort vermuten, dass Geheimdienste traditionell eher auf Gewebefarbbänder setzen. Bei Karbonbändern seien die getippten Buchstaben leicht zu entziffern und damit im Grunde auch der Text.

Gut 200 Euro pro Stück wollen die Russen pro elektrischer Schreibmaschine ausgeben, wie aus der Bestellanforderung hervorgeht. Das Gesamtpaket mit den Bändern hat ein Volumen von 486 540 Rubel (rund 11 600 Euro).

Sicherheit hat in Zeiten weltweiter Datenspionage über Computer und Internet Konjunktur, wie russische MedienMedien angesichts der FSO-Ausschreibung berichten. Besonders heikle Dokumente würden demnach nur auf Papier und nicht auf elektronischen Datenträgern archiviert, schreibt die regierungsnahe Zeitung "Iswestija" am Donnerstag. Top-Firmen der Branche Medien

Diese Praxis sei in Russland nicht nur in den Geheimdiensten gebräuchlich, sondern auch im Verteidigungs- und im Zivilschutzministerium. Der frühere Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB, Nikolai Kowaljow, sagte der Zeitung, dass auch die handschriftliche Aufzeichnung geheimer Informationen üblich sei.

Wichtig sei für die Sicherheitsdienste, dass jeder Schreibmaschinen-Typ eine eigene "Signatur" habe - anders als etwa in Serienproduktion hergestellte Drucker. So könne jedes Dokument einer Marke zugeordnet werden. Laut Bestellanforderung müssen die Maschinen eine Tastatur mit englischen und kyrillischen Buchstaben haben und nicht weniger als 13 Zeichen in der Sekunde schaffen, Herstellungsdatum nicht vor 2012.

Zwar soll alles bis zum 30. August geliefert sein. Bei Olympia aber dürfte das knapp werden, weil seit Schließung der Produktion in Wilhelmshaven keine Maschinen mehr selbst montiert werden. "Die Vorlaufzeit für eine Produktion aus China sind sicherlich fünf Monate", wie Geschäftsführer Heinz Prygoda mitteilte. Olympia habe bisher in diesem Jahr rund 2800 Schreibmaschinen verkauft. Nach Darstellung des Unternehmens werden die Maschinen auch in Afrika gern genutzt. Vor allem beim Ausfüllen von Formularen seien sie weiter beliebt.

Wie bei Olympia sprechen auch bei Triumph-Adler (TA) Mitarbeiter von einer regelrechten Nostalgie-Welle und Wiedergeburt der guten alten Schreibmaschine. Das Unternehmen aber verkaufte 2003 nach 105 Jahren seine Schreibmaschinensparte, wie TA-Vizepräsident Christopher Rheidt mitteilt. Die Marke Triumph-Adler/Twen vertreibe jetzt die Firma Bandermann im nordrhein-westfälischen Kaarst.

TA selbst setze seither auf Multifunktionssysteme und "mobile Bürolösungen mit sicherer Software", sagt Rheidt. Oft sei in Firmen das eigene Personal selbst das größte Sicherheitsrisiko, betont er mit Blick auf Studien. Für die Daten selbst gebe es ausreichend Systeme, diese zu verschlüsseln. (dpa/rs)

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