Spielkind und Provokateur

Internet-Millionär Kim Dotcom wird 40

20. Januar 2014
Mit dem Online-Speicherdienst Megaupload wurde er zu einem der bekanntesten Internet-Millionäre weltweit. Noch immer droht dem Deutschen Kim Dotcom jahrelange Haft in den USA. Doch das Internet-Schwergewicht wehrt sich - auch mit einer eigenen Partei.

Bescheiden war Kim Dotcom nie. Schon vor zehn Jahren wollte der deutsche Internet-Unternehmer zu den zehn reichsten Männern der Welt gehören, heute bewohnt er eine Art moderne Neverland-Ranch. In seiner "Dotcom Mansion" nahe der neuseeländischen Metropole Auckland hat er sein privates Tonstudio, einen Videospielraum und eine lebensgroße Plastik-Giraffe. Manchmal fährt der schwergewichtige Unternehmer mit einem elektrischen Golfauto oder einem überdimensionierten Segway die grünen Hügel des Anwesens ab. "Ich bin einfach ein Typ, der es liebt, neue Dinge auszuprobieren", sagt er über sich selbst.

Im Januar 2012 stürmten Spezialeinheiten seine Villa. US-Behörden werfen ihm sowie drei seiner Vertrauten Urheberrechtsverletzungen im großen Stil vor und drängen auf seine Auslieferung. Auf der von ihm gegründeten Datenplattform Megaupload sei geschütztes Material verbreitet worden, ohne dass Copyright-Gebühren bezahlt worden seien. Der Schaden für die Urheber liege bei 500 Millionen Dollar. Dotcom bestreitet, für die Urheberrechtsverletzungen auf seiner Plattform verantwortlich zu sein. Ein großer Teil seines Millionen-Vermögens ist eingefroren, Neuseeland darf er derzeit nicht verlassen, seinen 40. Geburtstag wird er in seiner Wahlheimat verbringen. In den USA droht Dotcom jahrelange Haft.

Angefangen hat alles in Kiel. Hier erlebte Kim - damals war sein Nachname noch Schmitz - eine harte Kindheit, wie er in seiner Biografie berichtet. "Mein Vater ist Alkoholiker und er hat mich und meine Mutter manchmal krankenhausreif geschlagen", wird Dotcom in dem Buch zitiert. Als er sechs Jahre alt war, zog er mit seiner finnischen Mutter aus. Kim besuchte die Hauptschule, interessierte sich aber vor allem für Computer.

Mit seinen Hacker-Erfolgen wurde er in der Szene bekannt. Der Jungunternehmer gründete verschiedene Computerfirmen und hinterließ - wie in vielen anderen Fällen in dieser Zeit - einige unglückliche Investoren. Wegen seiner Geschäfte geriet er ins Visier deutscher Fahnder. Die folgende Berichterstattung kränkte ihn. Er sei fertig mit Deutschland, sagte er damals öffentlich.

Schließlich zog Dotcom ein neues Projekt in Hongkong und Neuseeland hoch. Das Flaggschiff war Megaupload. Nutzer konnten dort Daten, unter anderem Musik und Filme, für andere zum Download zur Verfügung stellen. Auch von der inzwischen geschlossenen Streaming-Plattform kino.to aus wurde nach Erkenntnissen der Ermittler häufig zu Dotcoms Servern verlinkt.

Während der Internet-Millionär in Neuseeland zum Teil als Star hofiert wird, hat er in der deutschen Internet-Szene einen schlechteren Ruf. Der Netzaktivist Stephan Urbach kennt ihn noch aus der Anfangszeit der Datenkommunikation. "Kim präsentiert sich heute als Freiheitskämpfer, aber ihm ging es immer nur um die Kohle", sagt Urbach.

Bei Megaupload verdiente Dotcom Geld mit Werbung und dem Verkauf von Premium-Paketen für schnellere Downloads. US-Ermittlern zufolge hatte er 2010 ein Einkommen von 48 Millionen Dollar.

Mit dem Geld finanzierte er sich sein Leben als exzentrisches Spielkind. Er sammelte Luxusautos, eine Zeit lang führte er die Weltrangliste in dem Ego-Shooter "Call of Duty" an. Er benannte sich von Schmitz in Dotcom um. Der Name stehe heute tatsächlich so in seinem Pass, sagt sein Sprecher.

Inzwischen seien die wilden Zeiten aber vorbei. "Meine Prioritäten haben sich geändert", sagte er kürzlich einem Reporter des Szene-Magazins "Vice". Autorennen, Luxusyachten, Privatjets - das bedeute ihm heute nicht mehr viel. "Alles worauf ich mich freue ist, meine Kinder zu sehen, mit ihnen zu spielen, Spaß mit ihnen zu haben."

Nebenbei hat er sein erstes Musikalbum aufgenommen und gründet derzeit die "Internet Party", die bei der neuseeländischen Parlamentswahl im November antreten soll. Selbst wählen lassen kann er sich zwar nicht, aber zur Gründung wollte er es mal wieder richtig krachen lassen. Da traf es sich gut, dass Dotcom am Dienstag auch noch 40 Jahre alt wird. 25 000 Menschen hatten sich bereits für seine "Party Party" angemeldet, doch die Wahlbehörde machte ihm einen Strich durch die Rechnung. In Neuseeland ist es illegal, Essen, Getränke oder Unterhaltung anzubieten, um Wählerstimmen zu gewinnen. Deshalb blies der Neu-Politiker die Feier ab. (dpa/rs)

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