Die wöchentliche CIO-Kolumne

Kein Interesse an IT

18. August 2003
Gerne und oft werfen Vorstände und Manager ihren IT-Leitern vor, keine Ahnung vom Business zu haben. Damit ist die Schuldfrage bei gescheiterten Projekten und IT -Fehlinvestitionen schnell geklärt. In einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey über die Erwartungen von CEOs an die IT geben die Chefs nun erstmals zu, dass es auch umgekehrt so ist: Sie interessieren sich nicht für Informationstechnologie.

Nach Ansicht der meisten französischen CEOs erfüllt die IT ihre Erwartungen nicht. Auf den ersten Blick überrascht das Ergebnis niemanden so recht. Üblicherweise wird den IT-Verantwortlichen vorgeworfen, die Bedeutung und den Wert der IT gegenüber dem restlichen Management nicht darstellen zu können, sich nicht ausreichend ums Tagesgeschäft und die Geschäftsstrategie zu kümmern.

Doch, und das ist neu, die Schuld dafür suchen die französischen Chefs nicht mehr allein bei ihren IT-Managern. Vielmehr werfen sie den Machern aus dem übrigen Management vor, IT-Themen stiefmütterlich zu behandeln und sich zu oft auf die vermeintliche Allmacht ihrer Abteilungen herauszureden. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung McKinsey zusammen mit dem französischen Verband Cigref (Le Club informatique des grandes entreprises françaises), für die sie CEOs und CIOs 70 führender französischer Unternehmen befragt haben.

Die CEOs erkennen anscheinend Versäumnisse bei den Managern der einzelnen Geschäftseinheiten: Diese bänden ihre Geschäftsbereiche zu wenig in IT-Projekte ein und leiten IT-Projekte nicht ausreichend an, weil sie sie zu wenig überblickten und die Bedeutung der IT für ihren Bereich nicht verstünden. Das gravierendste Problem sehen die Befragten - im übrigen wie ihre deutschen Kollegen - in der mangelnden Bewertung und Kontrolle des IT-Nutzens.

Auch bemängeln die französischen Bosse die fehlende Zusammenarbeit zwischen Geschäft und IT. Dabei geben sie der Steuerung der IT eine deutlich höhere Priorität als dem strategischen Einsatz zur Wertsteigerung des Unternehmens. Selbstkritisch räumen CEOs hausgemachte Ursachen ein: Business und IT treffen sich viel zu selten im Jahr; nur in der Hälfte der befragten Unternehmen nimmt der CIO an der strategischen Unternehmensplanung teil, die Manager diskutieren keine IT-Themen in den Vorstands- und Geschäftsführungs-Sitzungen.

Starker Tobak für die Führungskräfte. Um den desinteressierten Managern die Bedeutung der IT nahezubringen, wollen die französischen CEOs jetzt den Druck auf ihren Führungsetagen deutlich erhöhen. So berichtete einer von ihnen, dass er der Finanzabteilung ein Benchmark vorgab, das in 18 Monaten erreicht werden sollte. Der Finanzchef murrte wie erwartet, doch sah dann ein, dass er das Ziel ohne einen besseren IT-Einsatz nicht erreichen konnte. Nach einem halben Jahr habe sich seine Einstellung deutlich gewandelt, so der CEO.

Es lohnt sich also für alle Beteiligten, den Blick über das eigene kleine Abteilungs-Fürstentum zu richten und zu schauen, ob das Geschäft zusammen mit Nachbarn nicht besser läuft. Wohl dem Unternehmen, das einen Chef hat, der die Grenzen mit ein wenig Druck in Nichts auflösen kann.

Rolf Röwekamp
Rolf Röwekamp

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