Ratschläge für die Anbieter-Auswahl

Keine Chance für ERP aus der Cloud

19. November 2013
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
In der Studie ERP-Software 2013/2014 beleuchtet der Berater Softselect den Markt aus Sicht der Anwender und Anbieter.
"Wer die Prozesseffizienz im Unternehmen erhöhen will, kommt an der Neuausrichtung der IT-Landschaft und insbesondere des ERP-Systems kaum vorbei", sagt Michael Gottwald, Geschäftsführer beim Berater Softselect.
"Wer die Prozesseffizienz im Unternehmen erhöhen will, kommt an der Neuausrichtung der IT-Landschaft und insbesondere des ERP-Systems kaum vorbei", sagt Michael Gottwald, Geschäftsführer beim Berater Softselect.
Foto: Michael Gottwald, Softselect

Die Hamburger Berater von Softselect haben sich den deutschsprachigen Markt für ERP-Software (Enterprise Resource Planning) angesehen. In ihrer Studie "ERP-Software 2013/14" kommen sowohl Anwender als auch Anbieter zu Wort. Im Großen und Ganzen zeigt sich der ERP-Markt in der Region DACH stabil: etwa zwei Prozent Wachstum sind für das kommende Jahr zu erwarten. Das ist unter dem globalen Durchschnitt, dem Wachstumsraten von drei bis sechs Prozent vorhergesagt werden.

Stabilität heißt bei diesem Thema auch, dass Anwender wenig bereit zu Experimenten sind. Im Schnitt erneuern sie ihr ERP-System alle zehn Jahre. Lösungen aus der Cloud sind Fehlanzeige: Von etwa 200 befragten Anwendern erklären nur sieben Prozent hohes oder sehr hohes Interesse an ERP-Software aus der Cloud. 15 Prozent bekunden "weniger hohes Interesse". Eine deutliche Mehrheit von 78 Prozent lehnt Cloud ERPERP ab. Alles zu ERP auf CIO.de

Damit widerspricht die Softselect-Studie Prognosen des Verbandes der deutschen Internetwirtschaft Eco. Dieser erklärte im August, Cloud ComputingCloud Computing (unabhängig vom Einsatzgebiet) werde bis 2016 Wachstumsraten von 37 Prozent erzielen - pro Jahr. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Die Zurückhaltung der deutschsprachigen Entscheider in puncto ERP aus der Cloud gründet sich laut Softselect auf Zweifel an Datensicherheit und mangelndes Vertrauen zu den Rechenzentrumsbetreibern. Angebote nach dem Software as a Service-Modell (SaaSSaaS) stellen bisher also lediglich eine Ergänzung dar, meist im Bereich Kundenbindungs-Management (Customer Relationship Management). Alles zu SaaS auf CIO.de

Dieses Studienergebnis findet auf Seiten der Anbieter seine Entsprechung. Softselect hat sich rund 120 Hersteller angesehen und diese auch nach den Vertriebsmodellen gefragt. Eine deutliche Mehrheit von 84 Prozent nennt hier den Inhouse-Betrieb. Mit 69 Prozent kommt aber auch das Mietmodell Application Service Providing (ASP) oft zum Einsatz.

SAP und Oracle schielen auf die Cloud

Trotzdem: Auch Softselect schreibt ERP aus der Cloud nicht ab. Die Berater begründen das mit einem Blick auf den Markt. Dickschiffe wie SAP und Oracle zeigen durch ihre Akquisitionen der Spezialisten Success Factors (SAP) und Taleo (Oracle), welche Bedeutung sie dem Cloud-Geschäft beimessen.

Neben den genannten Größen tummeln sich in der Region DACH viele Mittelständler, schreibt Softselect. Ein Ranking dieser Anbieter sucht man in der Studie vergeblich. "Durch die zahlreichen von uns begleiteten Software-Auswahlprojekte wissen wir, dass eine Aussage, nachdem dieses oder jenes System das Beste sei, nicht möglich ist", schreiben die Studienautoren.

5 Schritte bei der Anbieterauswahl

Die Wahl des geeigneten Anbieters sollte laut Softselect in fünf Schritten erfolgen. Zunächst sind Vorüberlegungen anzustellen. Dabei geht es um die Frage, für welche Unternehmensbereiche die ERP-Software genutzt werden soll, oder um eine Entscheidung darüber, welche Standorte und welche Fachbereiche gesteuert werden sollen. Danach können die Entscheider im zweiten Schritt einen ERP-Anforderungskatalog erstellen. Dieser soll die wesentlichen Anforderungen der verschiedenen Abteilungen beinhalten. Sie richten sich immer nach den Wünschen der Nutzer.

Im dritten Schritt geht es um eine Vorauswahl möglicher Anbieter. Etwa fünf bis zehn Hersteller sollten den Anforderungskatalog erhalten. Ihre Antworten bilden die Basis für eine Auswahl von zwei bis drei Anbietern, die zu Präsentationen oder Workshops eingeladen werden.

Ab Schritt vier wird es konkret. Anbieter und Anwender spielen Prozesse und Szenarien durch, um den Anforderungskatalog zu konkretisieren und ein Lastenheft zu erstellen. Dieses enthält alle nötigen Funktionen des ERP-Systems und die SOLL-Prozesse. Auf Basis des Lastenhefts schreibt der Hersteller dann auch sein Angebot. Im fünften und letzten Schritt wird ein Pflichtenheft ausgearbeitet. Es listet die Umfänge der Anpassungen des ERP-Herstellers auf und regelt die einzelnen Leistungen und Pflichten (Service Level).

10 Orientierungspunkte für die Vorauswahl

Bei der Vorauswahl können sich Entscheider an folgenden Dimensionen orientieren:

• Marktposition (Gefahr von Übernahme durch Wettbewerber)

• wirtschaftliche Basis (Umfang und Verteilung des Eigenkapitals)

• strategische Partnerschaften (Art und Zielsetzung)

• mittel- und langfristige Produktstrategie (Vision)

• Systementwicklung (Philosophie, Standort, Ressourcenstärke)

• Zusammensetzung des Produktportfolios (Abdeckung latenter Anforderungen)

• Technologie bzw. Basisarchitektur (Java, .NET, etc.)

• Kosten für Implementierung, Schulung und Service (TCO-Betrachtung)

• Support-Angebot (Konzept, Qualität, Umfang)

• Branchenkompetenz (Erfahrung, Know-how)

ERP-Systeme sind aus dem Unternehmensalltag "nicht mehr wegzudenken", sagt Michael Gottwald, der Gründer von Softselect. Und weiter: "Wer die Prozesseffizienz im Unternehmen erhöhen will, kommt an der Neuausrichtung der IT-Landschaft und insbesondere des ERP-Systems kaum vorbei."

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