Cloud Computing


Anwender skeptisch

Keine Strategien für die Hybrid Cloud

08. Januar 2015
Werner Kurzlechner lebt als freier Journalist in Berlin und stellt regelmäßig Rechtsurteile vor, die Einfluss auf die tägliche Arbeit von Finanzentscheidern nehmen. Als Wirtschaftshistoriker ist er auch für Fachmagazine und Tageszeitungen jenseits der IT-Welt tätig.
Bislang lässt das Gros der Firmen die Möglichkeiten der Hybrid Cloud ungenutzt, so eine Studie von Avanade. Das Business sei dagegen aber regelrecht euphorisch.
72 Prozent der C-Level-Manager setzten auf die Hybrid Cloud innerhalb der kommenden drei Jahre. Das geht aus der Avanade-Studie hervor.
72 Prozent der C-Level-Manager setzten auf die Hybrid Cloud innerhalb der kommenden drei Jahre. Das geht aus der Avanade-Studie hervor.
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Die hybride CloudCloud entwickelt sich vom Hype zur Wirklichkeit. So lauten Titel und Leitthese einer Studie der IT-Berater von Avanade. Interessanter noch ist der Befund, dass insbesondere C-Level-Manager aus dem Business den Einsatz der Hybrid Cloud vorantreiben und so zu einem Kerntrend für 2015 machen. Die IT sei im Vergleich erkennbar zurückhaltender, so Avanade. Aber sie müsse die genannte Entwicklung nicht scheuen, sondern könne enorm von ihr profitieren. Alles zu Cloud Computing auf CIO.de

Kaum Entwicklung neuer Apps

1000 Führungskräfte aus IT und Business und aus aller Welt (100 davon in Deutschland) hat Wakefield Research im Auftrag von Avanade befragt für die Studie "Hybrid Cloud - From Hype to Reality". Schlechtgelaunte CIOs werden erst einmal aufmerken und womöglich den klassischen Jubelperserverdacht hegen. So nach dem Motto: Aha, die Beraterzunft hat also früher den Hype um die Hybrid Cloud geschürt und erklärt jetzt keck den selbstgeschaffenen Hype zur Wirklichkeit.

Diese negative Bewertung wäre indes ungerecht angesichts des ermittelten Wahrnehmungsunterschieds zwischen Business und IT und dessen Einordnung in die größeren Zusammenhänge einer Digitalisierung und Konsumerisierung in den Firmen.

Außerdem zeigt die Studie auch sehr deutlich, wie weit der Weg hin zur Umsetzung eines funktionierenden Mixes aus Private Cloud und Public Cloud in den Firmen noch ist. "Die meisten Unternehmen entwickeln derzeit keine neuen Applikationen, um wirklich die der Cloud eigenen Möglichkeiten auszuschöpfen", heißt es in der Studie. Tatsächlich nutzten 71 Prozent die Cloud-Infrastruktur lediglich dazu, dort bestehende Anwendungen laufen zu lassen.

Strategien für Hybrid Cloud fehlen

58 Prozent der Befragten verfügen laut Studie über keine Hybrid Cloud-Strategie. Und auch aus dem Kreis derjenigen, die eine solche haben, gibt es ernüchternde Zahlen zu vermelden. 73 Prozent aus dieser Gruppe haben keine Schritte definiert, um Cloud-native Applikationen zu implementieren.

Bei 64 Prozent gilt dies auch für die Migration von Anwendungen, bei 63 Prozent sogar für die Einführung einer Cloud Management-Plattform. Es zeigt sich somit sehr klar, dass mit dem Begriff "Realität" eine zukünftige Wirklichkeit gemeint sein muss.

Skalierungsmöglichkeiten unbekannt

Zumal damit noch nicht einmal alle negativen Faktoren aufgezählt sind. Selbst unter IT-Entscheidern stellt Avanade nämlich eine "Unwissenheit" über die hybride Cloud fest. Mehrheitlich wissen IT-Manager demnach nicht, dass sich die hybride Cloud aufwärts und abwärts skalieren lässt und dass sie abgetrennt einen Public Cloud-Bereich und einen Private Cloud-Bereich umfasst. Die meisten IT-Entscheider wissen laut Studie ebenfalls nicht, dass eine hybride Cloud aus mehreren Public Clouds bestehen kann, so dass Workloads immer auf die preisgünstigste Weise platziert werden können.

Da man nun - anders als es die Studie formuliert - IT-Praktikern kaum derart weitreichende Unkenntnis unterstellen kann, mag man diese Zahlen anders interpretieren. Wahrscheinlich sind die Verantwortlichen aus der IT ganz einfach skeptisch, ob sich die von Anbietern gemachten Versprechen in der Praxis so mir nichts, dir nichts erfüllen. Wie dem auch sei: Aus der vorhandenen Skepsis in den Abteilungen gegenüber der Hybrid Cloud macht auch die Studie keinen Hehl.

Das Business will Cloud

Den Schub zum Durchbruch geben demnach aber die Manager aus dem Business-Bereich. 72 Prozent wollen eine Hybrid Cloud-Lösung innerhalb der kommenden drei Jahre einführen - bei den IT-Chefs beträgt der Wert lediglich 58 Prozent. Ebenfalls binnen drei Jahren sollen - den Aussagen von 76 Prozent der C-Level-Verantwortlichen aus dem Business zufolge - auch geschäftskritische Applikationen wie Data & Analytics, Office Applications und kundenorientiere Services auf der Hybrid Cloud laufen.

"Generell würden zwei Drittel der Firmen am liebsten morgen alle ihre Rechenzentren zugunsten von Public und Hybrid Cloud-basierten Lösungen dichtmachen, wenn das möglich wäre", führt Avanade aus. Die befragten Business-Manager seien in jedem Fall zu drei Viertel davon überzeugt, dass die Implementierung einer Hybrid Cloud-Strategie weit nach oben auf der Agenda für 2015 gehört und dass die Hybrid Cloud ihrem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil bringe - auch deshalb, weil sie es erlaube, das Augenmerk stärker auf die zentralen Wachstumschancen zu richten.

Business hat 37 Prozent des tatsächlichen IT-Budgets

Alles in allem zeigt sich nach Einschätzung von Avanade mittlerweile ein neues Muster der Technologie-Anwendung in den Unternehmen. Dieses Mal werde die Entwicklung klar von C-Level-Verantwortlichen getrieben, die zwar außerhalb der IT agierten, aber bereits 37 Prozent des tatsächlichen IT-Budgets managten. Das im Übrigen, ohne sich um Fragen der Technologie-Kontrolle oder der Steuerung von mitgebrachter IT zu kümmern.

Die Studienergebnisse demonstrierten, dass sich die Hybrid Cloud in dieses allgemeine Muster einfüge. "Tatsächlich zeigen die Daten, dass der C-Level-Optimismus den Einsatz der Hybrid Cloud innerhalb der kommenden Jahr auf einen neuen Höhepunkt heben wird", so Avanade. "Das heißt aber nicht, dass der Weg dahin einfach wird."

Es gelte, eine ganze Reihe von Hürden zu überwinden: Sicherheits- und Datenschutzfragen, Kosten, die Beschaffung der benötigten Skills. Außerdem müssten die Anwender von einer reaktiven Herangehensweise dazu übergehen, eine Strategie zu entwickeln. Nur so ließen sich Geschwindigkeits-, Skalierbarkeits- und Effizienzpotenziale der Hybrid Cloud auch wirklich zu heben.

Schlüsselrolle der IT

"Für die IT-Profis in aller Welt eröffnet sich die Gelegenheit, an die strategischen Prioritäten des Topmanagements anzudocken, indem sie eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung einer Hybrid Cloud-Strategie spielen", schlussfolgern die Berater. "Die der Hybrid Cloud inhärente Flexibilität und Anpassungsfähigkeit an die einzigartigen Anforderungen jedes Unternehmens wird der IT-Abteilung bessere Kontrollmöglichkeiten geben, um den Cloud-Einsatz zu steuern - und genau dadurch wird mehr Wert für das Business geschaffen."

Neben der Begeisterung an der Unternehmensspitze macht Avanade übrigens auch Fortschritte im Angebot als Triebfeder für einen Aufschwung der Hybrid Cloud aus. Ein Beispiel dafür sei die Sicherheitsfrage. Zwar nennen 53 Prozent der Befragten Security-Bedenken als Hürde. 60 Prozent konzedieren aber auch, dass sich die Sicherheit in der Public Cloud in den vergangenen Jahren positiv entwickelt habe. 61 Prozent empfinden mittlerweile sogar im Vergleich zur lupenreinen Datenlagerung im RechenzentrumRechenzentrum Ansätze als sicherer, die zumindest teilweise Cloud-basiert sind. Alles zu Rechenzentrum auf CIO.de