Gesundheitskarte ist kein Allheilmittel

Kliniken und IT-Anbieter müssen bei Krankheitsdaten selbst Initiative ergreifen

16. Juli 2007
Von Nina Gut
Die IT im Gesundheitswesen bewegt sich mit angezogener Handbremse. Verantwortlich sind die angespannte finanzielle Lage in vielen Bereichen des Gesundheitswesens sowie die komplexen Markt- und Entscheidungsstrukturen. Nach einer Analyse des Beraters Experton sollten sich deutsche Kliniken nicht allein auf das Leuchtturmprojekt "Gesundheitskarte" verlassen. Die Weichen für die Modernisierung der Klinik-IT müssten bereits heute gestellt werden.
Systematische und individuelle Investitionen greifen ineinander über.
Systematische und individuelle Investitionen greifen ineinander über.

Die Schere zwischen Ausgaben und Einnahmen im deutschen Gesundheitssystem klafft weiterhin auseinander. Die am 1. April 2007 in Kraft getretene Gesundheitsreform, zusammen mit der Umsetzung der Fallpauschalen (Diagnosis Related Groups, DRG) und den generell klammen Gesundheitsbudgets, wird den Kostendruck weiter verschärfen. Dies führt aktuell zur Schließung, Privatisierung oder Zusammenlegung von Krankenhäusern. Den akkumulierten Investitionsstau beziffert die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) bereits auf rund 50 Milliarden Euro. Nach Schätzungen der Experton Group entfallen davon rund fünf Milliarden Euro auf die Informationstechnologie.

Umso wichtiger sei es, bei den unterschiedlichen Investitionsvorhaben die Prioritäten richtig zu setzen, sagen die Berater. Das Augenmerk liege unter anderem auf den Zielsetzungen Effizienzsteigerung, Qualität und Kundenbindung. Wer Investitionen verantwortet, müsse unbedingt zwischen Systeminvestitionen und individuellen Investitionen unterscheiden.

Systeminvestitionen, wie zum Beispiel die elektronische Gesundheitskarte, kommen dem gesamten System zugute. "Hierbei gibt es Sektoren und Einrichtungen, welche zeitnah oder auch grundsätzlich von Veränderungen profitieren - sie schöpfen den Rahm ab", sagt Axel Oppermann, Advisor bei der Experton Group. Es gebe allerdings auch Bereiche im Gesundheitswesen, wie zum Beispiel die niedergelassenen Ärzte, die erst zu einem späteren Zeitpunkt profitieren. "Vertreter dieser Einrichtungen sind mit mehrperiodischen negativen Leistungsbilanzen konfrontiert. So fühlen sich die Ärzte als Finanzier und Nettozahler benachteiligt."

Unter den individuellen Investitionen summieren sich ProjekteProjekte, die in erster Linie der eigenen Einrichtung beziehungsweise dem Unternehmensverbund zugute kommen. Hierbei müsse zwischen organisatorischen sowie administrativen IT-Projekten und medizinischen IT-Strategien unterschieden werden. Wesentliche Merkmale dieser Projekte seien, dass die Informationstechnologie zu einer Steigerung der einrichtungsspezifischen Effizienz und Qualität beiträgt. Ziel dieser Projekte sei es ferner, zeitnahe monetäre und nicht monetäre Vorteile für die eigene Einrichtung zu erzielen. Alles zu Projekte auf CIO.de