Netzwerken für IT-Führungskräfte

Linkedin und Xing sind nicht genug

Schreibt und bearbeitet Karrierethemen - in der Digitalredaktion von COMPUTERWOCHE, CIO-Magazin, ChannelPartner und Tecchannel. Ihre Schwerpunkte sind IT-Arbeitsmarkt, Recruiting, Freiberufler, Aus- und Weiterbildung, IT-Gehälter, Work-Life-Balance, Employer Branding, Führung und und und.  Wenn sie nicht gerade Projekte wie den "CIO des Jahres" betreut. Hofft auf mehr Frauen in der IT.
Haben Clubs und Führungskräfte-Netzwerke wie etwa die legendäre Similauner-Runde, die Baden-Badener Unternehmergespräche oder der lokale Rotary- oder Lions-Club in Zeiten von Social Media noch Relevanz? Darüber haben wir mit Sabine Hansen, Geschäftsführerin von Delta Management Consultants in Düsseldorf, gesprochen.

CIO.de: Frau Hansen, welche Kontakte sollten Führungskräfte heute pflegen?

Sabine Hansen: Zunächst einmal empfehle ich Managern, nicht nur berufliche NetzwerkeNetzwerke zu entwickeln. Gerade bei Führungskräften besteht ein gewisses Risiko, dass der private Bereich sprich - Familie und Freunde - von Arbeitslast und Karriereanstrengungen in die zweite Reihe verdrängt werden. Hier gilt es, bewusst gegenzusteuern, denn private Netzwerke geben gerade in beruflichen Umbruchssituationen wichtigen Halt und sorgen für andere Perspektiven. Diese sind idealerweise auch losgelöst von beruflichen Netzwerken und sorgen für ein gesundes Gleichgewicht. Alles zu Netzwerke auf CIO.de

Sabine Hansen, Delta Management Consultants: "Real Life-Kontakte und Netzwerke, sind für Führungskräfte existenziell und müssen entwickelt werden."
Sabine Hansen, Delta Management Consultants: "Real Life-Kontakte und Netzwerke, sind für Führungskräfte existenziell und müssen entwickelt werden."
Foto: Sabine Hansen

CIO.de: Gibt es eine Faustregel für die Kontaktpflege - egal ob privat oder beruflich?

Sabine Hansen: In beiden Bereichen ist die Pflege der Kontakte und Netzwerke eine permanente Aufgabe und nichts, was man macht, wenn man einmal jemanden braucht oder wieder ein paar Minuten Zeit hat. Den nur mit Kontinuität und Zeit lässt sich Vertrauen und Berechenbarkeit schaffen. Hierzu gehört insbesondere auch der persönliche Austausch.

CIO.de: Stichwort Austausch - das geht heute doch auch bequem über Social-Media-Plattformen, oder?

Sabine Hansen: Zweifelsohne haben Social Media-Netzwerke mittlerweile einen wichtigen Stellenwert. Dies ist jedoch mit zwei großen ABER verbunden, was deren Nutzung anbetrifft. Erstens, seien Sie hier mit Augenmaß und Zurückhaltung präsent. Zweitens trennen Sie klar private von beruflichen Themen beziehungsweise definieren Sie für sich Regeln, wie Sie in der halb-beruflichen Sphäre aktiv sind.

CIO.de: Wie macht man das?

Sabine Hansen: Idealerweise trennen Sie konsequent private und berufliche Netzwerke auf verschiedenen Plattformen. Eine Regel könnte etwa sein, keine geschäftlichen Kontakte in Facebook anzunehmen oder im geschäftlichen Umfeld auf XingXing oder LinkedinLinkedin nur solche Kontakte zu bestätigen, die man wirklich auch persönlich aus der Zusammenarbeit kennt oder zu denen man Auskunft geben kann. Letzteres ist wichtig, denn mit jedem bestätigten Kontakt geben Sie gleichzeitig ein Signal ab, mit wem Sie geschäftlich verkehren. Alles zu LinkedIn auf CIO.de Alles zu XING auf CIO.de

CIO.de: Also Mut zum "Nein"?

Sabine Hansen: Seien Sie selektiv - Ihre Kontakte werden es Ihnen danken beziehungsweise abgelehnte Kontakte sollten Verständnis haben, wenn Sie Ihre Prinzipien erläutern. Wer wirkliches Interesse an einem Kontakt hat, wird gerne auch auf die Bestätigung warten bis man sich persönlich getroffen oder einmal ausführlich telefonisch ausgetauscht hat. Nach wie vor sind es jedoch die "Real Life"-Kontakte und Netzwerke, die für Führungskräfte existenziell sind und die entwickelt werden müssen.

CIO.de: Wie entwickle ich denn mein berufliches Netzwerk konsequent weiter?

Sabine Hansen: Diese Netzwerke wollen über den eigenen Karrierepfad hinweg entwickelt werden, sowohl innerhalb des eigenen Arbeitgebers als auch über die Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg. Entwickeln Sie diese Netzwerke kontinuierlich weiter. Intern, in dem man sich beispielsweise angewöhnt, regelmäßig mit Kollegen aus anderen Bereichen Essen zu gehen oder sich gemeinsam beim Betriebssport zu treffen. Zudem ist ein systematischer Aufbau auch innerhalb der Branche durch Teilnahme an Arbeitskreisen oder Ähnlichem von Vorteil.

CIO.de: Warum ist das so wichtig?

Sabine Hansen: Netzwerke unterliegen einem logischen Schwund, da bestehende Kontakte das Unternehmen oder die Branche wechseln. Zudem ändern sich auch auf beiden Seiten die Mehrwerte beziehungsweise die Ansatzpunkte für Interaktion über die Ebene persönlicher Sympathie hinaus. Aufgrund der persönlichen Karriereentwicklung mag es beispielsweise notwendig sein, das bestehende Netzwerk um internationale Kontakte oder andere Expertisen (Recht, M&A etc.) zu erweitern. Hier gilt es, immer ein gewogen Maß an Größe des Netzwerkes im Auge zu behalten. Einerseits muss man sich breit genug aufstellen, andererseits sollte das Netzwerk nicht zu groß sein, denn dessen Pflege kostet auch Zeit.