Offshore Outsourcing

Malaysia jagt Indien

13. April 2004
Von Thomas Zeller
Indien bleibt der beliebteste Outsourcing-Standort für Unternehmen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von der A.T. Kearney. Danach folgen China und Malaysia. Interessanterweise befindet sich in der Top Ten Liste der attraktivsten Offshoring-Standorte auch das Hochlohn-Land Kanada.

Indien habe seinen Standortvorteil gegenüber China behaupten können, so der Autor der Studie Stefan Spohr. Neben den günstigen Löhnen spreche auch das attraktive Steuersystem für eine Auslagerung von Unternehmensteilen in dieses Land. Weiterhin verfüge Indien über ein Heer an gut ausgebildeten Arbeitskräften.

Outsourcing: Indien bleibt gefragt.
Outsourcing: Indien bleibt gefragt.

In der Top Ten-Liste konnte China die meisten Plätze gutmachen. Das Land verfügt zwar nicht über die Erfahrungen Indiens beim Business Process OutsourcingOutsourcing (BPO), kann jedoch auch von seinem Bildungssystem und den niedrigen Löhnen profitieren. Neben japanischen und koreanischen Firma konnten zuletzt auch US-Firmen von den Vorteilen dieses Standorts überzeugt werden. Dieser Trend dürfte sich durch den Beitritt Chinas zur WTO im Jahr 2002 noch weiter verstärkt haben. Alles zu Outsourcing auf CIO.de

Risiken

Deutlich schlechter schneiden China und Indien bei der Bewertung politischer und wirtschaftlicher Risiken ab. Als nachteilig für Investitionen in China werden zudem die Produktpiraterie sowie die ausufernde Bürokratie gesehen. Einen deutlichen Nachholbedarf will die Studie bei den oft noch dürftigen Englisch-Kenntnissen der chinesischen Beschäftigten ausgemacht haben.

Als größten Konkurrenten für die indische Vormachtstellung im BPO-Bereich sieht die Untersuchung Malaysia. Obwohl das Land mit nur 22 Millionen Einwohner nicht mit den Skalenvorteilen von Indien und China mithalten könne, verfüge es über die günstigsten politischen Rahmenbedingungen.

Osteuropa statt Naher Osten

Europäische Firmen setzen beim Outsourcing auf Osteuropa statt Asien. Hier finden sie günstige Kostenstrukturen, kulturelle Ähnlichkeiten, gute Sprachkenntnisse und ausreichende technische Kapazitäten. Der größte Gewinner unter den osteuropäischen Staaten heißt Tschechien. Von Zuwächsen in den kommenden Jahren dürften jedoch auch Polen und Ungarn profitieren.

Kosten sind nicht alles

Auch so genannte Hochlohnländer wie Singapur, Kanada und Neuseeland belegen Spitzenpositionen als Offshore-Zielregionen. Dies beweist einmal mehr, dass viele Firmen nicht nur auf bestimmte Kostenfaktoren achten, sondern das gesamte Struktur-Umfeld vor einer Ansiedlung abschätzen. Herausragende Bildungssysteme, die Qualität der Infrastruktur und eine wirtschaftsfreundliche Politik sind die Pluspunkte dieser Länder.

Kearney-Index: Attraktivität der einzelnen Offshore-Länder
Kearney-Index: Attraktivität der einzelnen Offshore-Länder

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