Nachlese Build 2015 und Ignite 2015

Microsofts Strategie - Raus aus der Schublade

Der Experte beschäftigt sich seit 16 Jahren mit der Bereitstellung von Infrastrukturen und Anwendungen. Seine Spezialthemen sind Hybrid Cloud Computing, Cloud Trends, Cloud Projekt Marketing und Cloud Akzeptanz. Jörg Mecke ist Business Unit Manager Business Productivity bei Fritz & Macziol.
Microsoft war auf seinen Konferenzen "Build" und "Ignite" für viele Überraschungen gut und hat vor allen Dingen gezeigt, dass das Unternehmen in keine Schublade mehr passt.

War MicrosoftMicrosoft in der Vergangenheit eher für in sich geschlossene Systeme bekannt, zeigen sie jetzt eine Offenheit, die in der IT-Branche ihresgleichen sucht. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Zuvor dachten viele Experten, Microsoft drängt Kunden in die Public Cloud - Stichwort "Cloud first, mobile first" - nun gibt es klare Bekenntnisse für IT, die vor Ort (on premise) bleibt. Drei Veränderungen in der Strategie von Microsoft lassen aufhorchen:

1. Die Integration von iOS- und Android-Apps auf dem Windows PhoneWindows Phone verschafft nicht nur der App-Vielfalt Aufwind, sondern macht den Mitbewerbern (AppleApple und GoogleGoogle) vor, wie man das Beste aus mehreren Welten zusammenführt. Alles zu Apple auf CIO.de Alles zu Google auf CIO.de Alles zu Windows Phone auf CIO.de

2. Die Ankündigung von Azure-Stack zeigt, dass Microsoft die Erkenntnisse aus dem Betrieb der Cloud-Rechenzentren auch an Kunden und andere Hoster weitergibt. Die gleichen APIs (Application Programming Interfaces) und die Abbildung des Fabric-Ansatzes auf Kundenumgebungen erzeugt eine Konsistenz zwischen Private- und Public-Cloud-Ansätzen, die aktuell kein anderer Anbieter schafft.

3. Das Microsoft Operation Management System ist die Erweiterung für System Center, die das Management von On premise-Systemen auf die Cloud überträgt - nicht nur für Azure, sondern auch für AmazonAmazon Web Services (AWS) oder VMware vCloud. Je nach Umsetzung hilft Management-as-a-Service (MaaS) dem Kunden, die Abhängigkeit von einem Hersteller zu vermeiden und das Management für alle Plattformen zu vereinfachen. Die Konsequenz: Kunden sind deutlich freier in ihrer Anbieter-Entscheidung. Alles zu Amazon auf CIO.de

Hier senden die Ankündigungen der Konferenzen positive Signale. Zwei weitere Fakten zeugen von der Aufbruchsstimmung bei Microsoft und dem Wandel der Branche: Während der ehemalige Microsoft CEO Steve Ballmer noch Linux verschrien hatte, arbeitet das Unternehmen heute mit mehreren Distributoren zusammen. Das Ergebnis: Aktuell basieren nur schon 25 Prozent der Azure Workloads auf Linux. Und wer weiß eigentlich, wer der größte Kunde von Microsoft für das Mietlizenzmodell "Services Provider License Agreement" (SPLA) weltweit ist? Der heißt Amazon - und das nicht für den Versandhandel, sondern für die Cloud.

So ändern sich die Zeiten. Starre Grenzen fallen weg und selbst Konkurrenten arbeiten zusammen. Vorurteile scheinen weniger zu werden und Diskussionen entbrennen neu. Das Prinzip der "Co-opetition" (Cooperation und Competition zwischen den gleichen Unternehmen) erlangt wieder neue Brisanz. Jetzt ist es an jedem einzelnen IT-Verantwortlichen, diese Situation zu bewerten und für sich zu nutzen. Eines ist sicher: Eine Flamme der Veränderung ging von San Francisco und Chicago auf jeden Fall aus. (mje)

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