Joachim Wenning

Munich Re vor Chefwechsel

16. März 2016
Führungswechsel mitten im Umbruch: Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re bekommt 2017 einen neuen Chef. Im April nächsten Jahres übernimmt Vorstandsmitglied Joachim Wenning die Konzernführung von Nikolaus von Bomhard, der dann nach gut 13 Jahren auf eigenen Wunsch abtritt.
Joachim Wenning übernimmt im April 2017 die Konzernführung von Nikolaus von Bomhard.
Joachim Wenning übernimmt im April 2017 die Konzernführung von Nikolaus von Bomhard.
Foto: Munich Re

Am Dienstag entschied sich der Aufsichtsrat für Wenning, am Mittwoch legt von Bomhard seine voraussichtlich zweitletzte Jahresbilanz vor. Für 2016 dürfte der 59-jährige Manager angesichts der Niedrigzinsen und des Preiskampfs in der Branche einen weiteren Gewinnrückgang voraussagen.

Die Eckdaten für 2015 hat die Munich ReMunich Re bereits Anfang Februar vorgelegt. Geringe Schäden durch Naturkatastrophen ließen den Dax-Konzern rote Zahlen seiner Erstversicherungstochter Ergo verkraften. Unter dem Strich fiel der Überschuss mit 3,1 Milliarden Euro nach vorläufigen Zahlen rund 100 Millionen Euro geringer aus als ein Jahr zuvor. Den Aktionären winkt dennoch eine erhöhte Dividende. Sie soll um 50 Cent auf 8,25 Euro je Aktie steigen. Top-500-Firmenprofil für Munich Re

Finanzvorstand Jörg Schneider nannte den Jahresgewinn angesichts der Umstände "erfreulich". Bei den geringen Großschäden habe der Konzern aber schlicht "Glück" gehabt. Für 2016 betrachtete der Manager den von Analysten prognostizierten Gewinnrückgang auf 2,75 Milliarden Euro als "nicht unrealistisch", eine konkrete Prognose soll es am Mittwoch geben. Druck kommt von den allgemeinen Niedrigzinsen. Mit 3,2 Prozent sei die Rendite im vergangenen Jahr angesichts des Umfelds sogar eher hoch ausgefallen, betonte der Vorstand.

Während das Rückversicherungsgeschäft 2015 mit 3,3 Milliarden Euro mehr abwarf als im Vorjahr, sackte die Erstversicherungstochter Ergo in die Verlustzone. Hohe Abschreibungen auf Firmenwerte und der verlustreiche Verkauf der Tochter Ergo Italia brockten dem Segment einen Jahresverlust von rund 200 Millionen Euro ein.

Angesichts der Umbrüche in der Erst- und Rückversicherungsbranche versucht sich die Munich Re zu rüsten. Dem von geringen Katastrophenschäden und einer Kapitalschwemme angetriebenen Preiskampf in der Schaden- und Unfall-Rückversicherung will der Konzern mit der Deckung neuartiger und bisher unversicherter Risiken begegnen, für die komplizierte Risikoanalysen notwendig sind. Ergo hat in der Lebensversicherung auf neuartige Verträge ohne klassischen Garantiezins umgeschaltet und treibt das Online-Geschäft voran. Der 2015 von der Allianz abgeworbene Ergo-Chef Markus Rieß strukturiert die Gruppe neu in drei Säulen und holt mit Andree Moschner einen weiteren früheren Allianz-Mann in den Vorstand.

An der Konzernspitze wollte der seit Anfang 2004 amtierende Vorstandschef von Bomhard seinen auslaufenden Vertrag nicht verlängern. Sein Nachfolger Wenning (51) ist seit 1991 bei der Munich Re und seit 2009 im Vorstand. Dort ist er für die Lebens-RückversicherungLebens-Rückversicherung und Personalthemen verantwortlich. Medienberichten zufolge setzte er sich im Rennen um den Chefposten gegen den 51-jährigen Thomas Blunck durch, der das Geschäft mit Spezial- und Finanzrisiken verantwortet. Top-Firmen der Branche Versicherungen

Hintergrund der Personal-Rochade ist laut "Manager Magazin" die künftige Besetzung der Aufsichtsratsspitze. Von Bomhard solle dort 2019 Bernd Pischetsrieder ablösen und dafür ab 2017 die notwendige zweijährige Pause einlegen. Die Munich Re äußerte sich zu diesen Plänen nicht. (dpa/rs)