Elektronik-Messe IFA

Netz krempelt Elektronik-Branche um

03. September 2014
Ob Kühlschrank oder Waschmaschine: Immer mehr Haushaltsgeräte sind vernetzt. Filme oder Musik ziehen die Menschen sich aus dem Internet. Die Branche beeilt sich, die passenden Produkte vorzustellen.

Die Elektronik-Industrie will SmartphonesSmartphones zur Steuerungszentrale für Haushalt und Unterhaltung machen. Auf der Branchenmesse IFA, die am Mittwoch für Journalisten begann, wollen Unternehmen dazu zahlreiche Neuheiten vorstellen. "Sie werden auf der IFA kaum ein Produkt ohne Internetanbindung finden", sagte Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratschef der Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik, zum Auftakt der Messe. Alles zu Smartphones auf CIO.de

Das gilt immer stärker auch für Haushaltsgeräte. "Die Menschen gewöhnen sich daran, ihr Leben über Smartphones und TabletsTablets zu organisieren", sagte Reinhard Zinkann vom Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie. So lassen sich Backöfen, Kühlschränke und Waschmaschinen von Siemens, Bosch und Miele künftig mit einer Smartphone-App bedienen. Alles zu Tablets auf CIO.de

Die Kunden folgen den Visionen der Branche allerdings eher zögerlich. Bislang habe der Verkauf vernetzter Geräte nur "sehr mühsam im Markt zugenommen", gab Zinkann zu, der auch Geschäftsführer von Miele ist. Er erwarte, dass sich das nun ändere, weil die Apps inzwischen mehr Funktionen hätten und einfacher zu benutzen seien.

Noch gibt es allerdings keine übergreifende Plattform für die Geräte verschiedener Hersteller. Daran müssten die Unternehmen arbeiten: "Einzellösungen werden es schwer haben, die Aufmerksamkeit von Konsumenten zu erlangen", erklärte Zinkann. In der europäischen Branche werde darüber nachgedacht. Ein Bosch-Sprecher sagte, Geräte von Siemens und Bosch könnten bereits mit einer einzigen App angesteuert werden. Zudem sei die Sicherheit der Anwendungen wichtig, sagte GfU-Chef Kamp zur Eröffnung.

Die Unterhaltung läuft ebenfalls zunehmend über das Netz. Hier krempeln Streaming-Dienste das Geschäft um. Damit können Nutzer Musik und Videos direkt über das Internet abspielen, statt die Dateien auf den eigenen Rechner herunterzuladen. "Streaming wird den gesamten Medienmarkt revolutionieren", sagte Klaus Böhm, Medienexperte bei der Beratungsfirma Deloitte. Eine eigene DVD- oder Musiksammlung verliere an Bedeutung.

Nach Schätzungen von Deloitte werden Medienanbieter ihre Umsätze mit Video-Inhalten auf Abruf bis 2020 fast vervierfachen. Die Musikindustrie werde bis dahin voraussichtlich jeden zweiten Euro über Streaming-Angebote erwirtschaften. "Den Download für den Musikkonsum sehen wir als ein auslaufendes Modell an", sagte Deloitte-Fachmann Böhm. Das liege auch daran, dass Smartphones, Tablets und Fernseher mit Internetverbindung immer weiter verbreitet seien.

"Die Internetfähigkeit der Geräte ist mittlerweile ein entscheidendes Kaufkriterium in der Unterhaltungselektronik", sagte Timm Hoffmann vom IT-Branchenverband Bitkom. Noch in diesem Jahr würden voraussichtlich 47 Millionen Bildschirmgeräte mit Internet-Anbindung verkauft. Die Flachbildfernseher hätten daran allerdings nur noch einen Umsatzanteil von 4,6 Prozent. Die Zuschauer machten sich bei ihrem Medienkonsum immer unabhängiger vom linearen Fernsehen.

Panasonic-Europachef Laurent Abadie erklärte gar das Zeitalter des klassischen Fernsehens für beendet. "Für mich ist das TV, so wie wir es aus dem letzten Jahrhundert kennen, tot", sagte der Manager des japanischen Elektronikkonzerns der dpa auf der IFA. "Die Menschen werden sich sicher auch weiterhin noch große Sportevents auf dem Fernseher anschauen", sagte Abadie. Aber sie nutzten zur gleichen Zeit Online-Netzwerke wie TwitterTwitter oder FacebookFacebook auf mobilen Geräten. Alles zu Facebook auf CIO.de Alles zu Twitter auf CIO.de

Auch nach Ansicht des Branchenverbands Bitkom entwickelt sich das Smartphone zum Universalgerät für die Nutzer. Umfragen zeigten, dass 78 Prozent der Gamer ihr Smartphone als Spieleplattform nutzen, sagte Hoffmann. 60 Prozent der Nutzer von E-Books lesen demnach elektronischen Bücher auf dem Computer-Telefon. (dpa/rs)

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