Die wöchentliche CIO-Kolumne

No Service: Microsoft stoppt My Services

15. April 2002
Von Patrick Goltzsch
Eine Datenbank ungeahnten Ausmaßes hatte Microsoft mit dem Projekt "Hailstorm" (Hagelschauer) im März letzten Jahres angekündigt. Ursprünglich gedacht als zentraler Knotenpunkt für .Net, ereilte das zwischenzeitlich auf "My Services" umgetaufte Projekt jetzt das Aus.

Der Authentifizierungsdienst von MicrosoftMicrosoft, Passport, sollte die Grundlage von My Services bilden. Als "Single-Sign-On"-System erlaubt es Passport den Benutzern, sich einmal anzumelden, um daraufhin jede Menge Online-Angebote ohne weitere lästige Logins zu nutzen. My Services sollte daran anknüpfen und Business-Komfortfunktionen wie Adressbuch, Terminkalender, E-Mail, Dokumentenspeicherplatz oder elektronisches Portemonnaie zur Verfügung stellen. Unabhängig vom Gerät und vom Aufenthaltsort hätten Anwender Zugriff auf die eigenen Daten erhalten. Alles zu Microsoft auf CIO.de

Für Microsoft hätte sich My Services als Goldesel erwiesen. Auf einer zentralen, von Microsoft unterhaltenen Datenbank hätten die Redmonder Kundendaten en masse gesammelt. Den Unternehmen wären dann Adressbuch, Kalender und andere Dienste als Web Service im Rahmen von .Net verkauft worden, damit deren Kunden auf ihre eigenen Daten zugreifen können.

Ende letzter Woche vermeldete die New York Times das Aus für das ambitionierte Projekt. Microsoft widersprach bislang nicht.

Ausschlaggebend für die Einstellung von My Services waren nicht die Bedenken der Datenschützer, die schon ihr Tschernobyl heraufziehen sahen. Vielmehr stieß Microsoft bei den Unternehmen, denen My Services angedient worden war, auf äußerste Zurückhaltung. Kaum eine Firma schickte ihre Programmierer auf die von Microsoft angebotenen Seminare zur Entwicklung von My Services. Und die New York Times zitierte einen Microsoft-Berater, der von sehr heftigem Widerstand auf Seiten der Kunden gegenüber My Services sprach.

Die ablehnende Haltung darf durchaus im Zusammenhang mit Microsofts Ankündigung gesehen werden, die Entwicklung von .Net zurück zu stellen, um vorrangig Sicherheitsfragen zu lösen. Der Konzern kämpft mit dem Ruf, eher lax mit sicherheitstechnischen Aspekten umzugehen. Der Zweifel, ob ausgerechnet Microsoft eine umfassende zentrale Datenbank wirkungsvoll würde absichern können, dürfte jedoch durch andere Punkte noch überlagert worden sein.

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