Auslagerungs-Strategien

Offshore in Mecklenburg-Vorpommern

19. Februar 2004
Von Andreas Schmitz
"Lassen Sie doch Ihre Softwareentwicklung in Mecklenburg-Vorpommern machen", rät Alfons Rissberger, Geschäftsführer der DVZ Mecklenburg- Vorpommern GmbH in Schwerin. "Da bezahlen Sie weniger für gleiche Leistung. Die Entwickler bekommen zwar weniger Lohn, ihnen geht’s aber trotzdem besser als in München". Und auch wenn Rissberger wieder die Schmunzler auf seiner Seite hatte - Offshore in Mecklenburg- Vorpommern: Die Definition zwischen Nearshore und Offshore variiert.

"Da gibt es Unternehmen in Frankreich, für die 50 Kilometer außerhalb von Paris schon OffshoreOffshore beginnt", sagt der Stellvertretende Chefredakteur der CIO Horst Ellermann, der zusammen mit dem Berater Oleg Brodski vom Beratungsunternehmen Ernst & Young eine gemeinsame Offshore-Studie vorstellte. Und auch die Preise variieren: "In Moskau bezahlen Sie 30 Euro für eine Stunde Entwicklungsarbeit", so Brodski, "500 Kilometer weiter südlich nur noch zehn Euro". Alles zu Offshore auf CIO.de

Auch in Indien, so ein Kommentar aus dem Publikum, würden die Preise keinesfalls noch viele Jahre auf dem jetzigen geringen Niveau bleiben. Der Grund: Beratungsgesellschaften wie Accenture haben in Bangalore bereits Zweigstellen eröffnet und machen sich auf dem Markt breit. "Das Lohnniveau wird sich nach und nach ausgleichen", meint der Russe Brodski über den osteuropäischen Markt, "die Welle wird von Polen über die Ukraine nach Kasachstan schwappen".

Im Mittelpunkt der Veranstaltung: Die gemeinsame Studie von CIO und Ernst & Young über die Akzeptanz von Offshore, die Gefahren und die Perspektiven in der Zukunft. Das Wichtigste: Die Ergebnisse stärken osteuropäische Anbieter. Zeigen sich die Befragten mit Anbietern aus Osteuropa mehrheitlich sehr zufrieden, so sind mit asiatischen Anbietern nur etwas mehr als die Hälfte der Befragten zufrieden. Und die EU-Ost- Erweiterung steht im Mai erst noch bevor. Ein Trend? Berater Brodski warnt vor Pauschalierungen, denn die räumliche Entfernung sowie die Nähe zum Kulturbereich seien wichtige Randbedingungen, die nicht vernachlässigt werden dürften.

Zu den Gefahren des Offshore: Die Kommunikation ist nach wie vor die größte Hürde. "Schlecht erreichbar, oft nicht da, lange Reaktionszeiten" registrierten die Befragten der Studie. Auch in der Qualität gibt es Unterschiede. Deshalb rät Berater Brodski zu der Erstellung eines Pflichtenhefts, zu einem Abnahmekonzept und zu einer gescheiten Projektmethode. Doch nicht alle IT-Kenner im Publikum sind von Offshore begeistert: "Warum", so eine Frage aus dem Auditorium, "entdecken Sie gerade jetzt das Thema Offshore. Da fragt man sich doch: Warum sind wir nicht längst alle in Indien?" Die Antwort ist einfach: "Weil jetzt die Zeit reif ist. Die politische Entwicklung in Billiglohnländern ist vorangekommen, man hat eine komplett andere politische Situation, als noch vor wenigen Jahren", so die pfeilschnelle Antwort von Brodski.

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