Strategien


Neugier-Index

Ohne Neugier gibt es keine Innovationen

02. Dezember 2016
Christiane Pütter ist Journalistin aus München. Sie schreibt über IT, Business und Wissenschaft. Zu ihren Auftraggebern zählen neben CIO und Computerwoche mehrere Corporate-Publishing-Magazine, vor allem im Bereich Banken/Versicherungen.
Neugierige wollen Erfahrungen machen, Ideen umsetzen und Freunde unter Kollegen finden. Als Rebellen sehen sie sich nicht, wie eine Studie des Pharmakonzerns Merck zeigt.

Wie neugierig sind Arbeitnehmer, welchen Stellenwert hat Neugier in verschiedenen Branchen, sind Jüngere neugieriger als Ältere? Solche Fragen waren bislang unbeantwortet, erklärt MerckMerck. Der Chemie- und Pharmakonzern hat daher eine eigene Studie durchführen lassen, an der sich rund 3000 Erwerbstätige aus Deutschland, China und den USA beteiligt haben. Top-500-Firmenprofil für Merck

Das Unternehmen hat dabei mit Todd Kashdan von der Georg Mason University in Washington zusammengearbeitet. Merck selbst begründet die Studie so: "Neugier - die Lust am Lernen und Entdecken - ist das pulsierende Herz unserer täglichen Arbeit." Für den Konzern gehören die Neugier der Mitarbeiter und InnovationsfähigkeitInnovationsfähigkeit zusammen. Alles zu Innovation auf CIO.de

Vier Arten von Neugier

Zunächst definiert die Studie vier Dimensionen von Neugier:

Wissbegierde, genauer gesagt das proaktive Fragen, Denken und Handeln über die eigenen Jobanforderungen hinaus,

Kreativität, der Wille, Bestehendes zu hinterfragen und die Fähigkeit, neue Ansätze für Problemlösungen zu erkennen,

Offenheit, hier verstanden als das Bevorzugen einer Vielzahl von Erfahrungen, als Interesse am Weltgeschehen oder als Unvoreingenommenheit gegenüber neuen Ideen und

Stresstoleranz, also die Fähigkeit, Risiken einzugehen und durchzuhalten, anders formuliert die Fähigkeit, Neuem und Unbekanntem ohne Angst zu begegnen.

Deutsche Arbeitnehmer zeigen sich nach der Merck-Studie insgesamt neugieriger als ihre Arbeitgeber.
Deutsche Arbeitnehmer zeigen sich nach der Merck-Studie insgesamt neugieriger als ihre Arbeitgeber.
Foto: Merck

Die Studienautoren selbst finden die vierte Dimension offenbar erklärungsbedürftig. Sie schreiben: "Wenn wir mit Unbekanntem konfrontiert werden, empfinden wir natürlicherweise eine innere Störung. Wie wir mit dieser Störung umgehen, hängt von unserer Stresstoleranz ab und ist entscheidend, um Neugier auszudrücken und umzusetzen."

Neugier-Index für Arbeitgeber und Arbeitnehmer

Im nächsten Schritt wurde sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber ein Neugier-Index erstellt. Der Index reicht von Null bis hundert. Arbeitnehmer erreichen im Schnitt mit 60 Zählern einen höheren Neugierwert als Arbeitgeber mit 56,6 Punkten.

Ein Blick auf die einzelnen Regionen zeigt bei den Arbeitnehmern nur geringe Unterschiede. Deutsche erreichen mit 60,3 Zählern den höchsten Wert, dicht gefolgt von China mit 60,2 und den USA mit 59,6. Alle drei Regionen punkten vor allem mit Offenheit. Allerdings ist die Stresstoleranz in China am geringsten (48,8) und in den USA am höchsten (58,3). Deutschland kommt auf einen Index-Wert von 55,8.

Diskrepanz in Deutschland am höchsten

Bei den Arbeitgebern sind die Abweichungen deutlicher. China erreicht mit 59,7 den höchsten Neugier-Index, die USA folgen mit 57,3. Deutschland steht mit 52,7 auf dem letzten Platz. Damit ist in der Bundesrepublik auch die Diskrepanz zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern am größten.

Alle Generationen sind neugierig - aber laut Merck-Studie nicht in den gleichen Ausprägungen.
Alle Generationen sind neugierig - aber laut Merck-Studie nicht in den gleichen Ausprägungen.
Foto: Merck

Welche Menschen neugierig sind

Wer sind die Neugierigen? Diese Frage überschreibt ein weiteres Kapitel der Studie. Demnach hat Neugier wenig mit dem Alter zu tun. Die Generationen Y, X und Babyboomer weichen wenig voneinander ab - im Schnitt. Doch ein Blick auf die einzelnen Dimensionen weist die Jungen als deutlich weniger stresstolerant aus als die Alten (Generation Y: 51,3 Zähler, Babyboomer: 60,4 Zähler).

Besonders neugierig sind - generationsunabhängig - Manager und Führungskräfte (Indexwert von 68,2). Weniger neugierig sind qualifizierte Fachkräfte (58,7) und Sachbearbeiter in der Verwaltung sowie Schreibkräfte (52,2). Mit Blick auf Branchen zeigen Unternehmen, die zyklische Konsumgüter herstellen, den höchsten Wert (61,3) vor Bildungseinrichtungen (58,2), Finance (57,9) und Firmen, die Basiskonsumgüter produzieren (53,7). In jeder der genannten Branchen erreichen wiederum die Arbeitnehmer höhere Punktzahlen als die Arbeitgeber.

Wie die Merck-Studie belegt, sind nicht alle Branchen gleichermaßen neugierig.
Wie die Merck-Studie belegt, sind nicht alle Branchen gleichermaßen neugierig.
Foto: Merck

Was Neugierige kennzeichnet

Neugierige Menschen schreiben sich selbst vor allem sechs Eigenschaften zu. Sie sind demnach organisiert, kooperativ, tatkräftig, optimistisch und detailorientiert sowie umsichtig. Als am schwächsten ausgeprägte Eigenschaften nennen sie Ängstlichkeit, Voreingenommenheit, Zynismus und Rebellentum. An ihrem Arbeitsplatz wollen sie in erster Linie neue Erfahrungen machen, Ideen schnell in die Tat umsetzen, ihr Talent einbringen und Freunde finden. Das alles ist ihnen wichtiger als befördert zu werden oder eine Gehaltserhöhung zu bekommen.

Merck-CEO Stefan Oschmann kommentiert die Studie so: "Neugier befeuert Geschäftsentwicklung und befähigt Unternehmen wie unseres, wettbewerbsfähig zu bleiben."