Gerhard van der Giet

Ohne Schonfrist

Johannes Klostermeier ist ein freier Journalist aus Berlin. Zu seinen Spezialgebieten zählen unter anderem die Bereiche Public IT, Telekommunikation und Social Media. Auf cio.de schreibt er über CIO Auf- und Aussteiger.
Der neue IT-Direktor im Bundesverteidigungsministerium ist seit gut drei Monaten im Amt. Doch die üblichen 100 Tage zur Bewährung sind dem früheren Referatsleiter des Deutschen Bundestags nicht vergönnt gewesen.
Gerhard van der Giet hat zwar schon an der Uni für das Verteidigungsministerium gearbeitet. Auf der Hardthöhe muss er sich aber noch einleben.
Gerhard van der Giet hat zwar schon an der Uni für das Verteidigungsministerium gearbeitet. Auf der Hardthöhe muss er sich aber noch einleben.

An der Wache des Bundesverteidigungsministeriums auf der Bonner Hardthöhe bekommt der Besucher einen ersten Eindruck von der Leistungsfähigkeit der Bundeswehr-IT. "Van der Giet? Den Namen kann ich hier nicht finden", sagt der Wachhabende hinter seinem großen Monitor. Neben ihm steht ein beiges Tastentelefon aus den 80er-Jahren. Die im Vorjahr im PC gespeicherten Besucherdaten sind verschwunden und müssen mühsam neu eingegeben werden. "Weil die PCs jetzt miteinander vernetzt sind", meint ein Kollege.

Alle Hoffnungen in Sachen Bundeswehr-IT-Reform ruhen jetzt auf Gerhard van der Giet, seit Ende November neuer IT-Direktor des Bundesverteidigungsministeriums und damit Nachfolger von Klaus Hahnenfeld und dem kommissarischen Statthalter, Oberst Berndt Glowacki. Hahnenfeld leitet seit April vergangenen Jahres den Gründungsstab der IT-Gesellschaft (GIG) - "damit sie wie eine Rakete mit der nötigen Anfangsgeschwindigkeit starten kann", wie er es formuliert.

Der Neue auf der Hardthöhe ist einer der zivilsten Männer, die man sich vorstellen kann. Er war nie bei der Bundeswehr, genau wie sein Vorgänger Hahnenfeld. "Seinerzeit hat man nicht alle eingezogen", erklärt van der Giet. Er kommt aus dem Bundestag, wo er 1986 zum Leiter des Referats Kommunikationstechnik berufen wurde. "Das war die Zeit, als das Programm Parlakom anlief und die Abgeordneten erstmals mit Computern ausgestattet wurden. Das war damals nicht selbstverständlich; wir mussten Überzeugungsarbeit leisten", erinnert sich van der Giet, später Leiter für IT-Grundsatzfragen des Parlaments, an die Arbeit auf dem "Kontinent Bundestag". Den Kontinent Bundeswehr muss der geborene Niederrheiner noch erkunden. Nach kurzer Zeit im Amt ist nur eines wirklich gewiss: Überall lauern Fallstricke und Hinterhalte. Dennoch fühlt er sich "sehr herzlich" aufgenommen, so van der Giet. "Ich habe mich vom ersten Tag an sehr wohl gefühlt."

Vom Schreibtisch bis zum Gefechtsfeld

Beim Erkunden der neuen Welt hilft ihm Oberstleutnant Thorsten Puschmann, der sich als Berufssoldat mit 20 Jahren Erfahrung bestens in der Organisation auskennt. "Es ist eines der schwierigsten Ämter, die das Ministerium zu vergeben hat", sagt ein Mitarbeiter des Stabs über die Position van der Giets.

Auch der sieht das so, formuliert es aber anders: "Es ist wirklich eine ungeheure Herausforderung. In keinem anderen Haus ist die Vielfalt so groß. Unsere Verantwortung reicht vom PC auf dem Schreibtisch bis hin zum Gefechtsfeld. Für jeden, der sich mit IT befasst, eine einmalige Chance."

Seinen ersten guten Vorsatz beim Wechsel aus dem Bundestag ins Ministerium hat der neue ITDirektor aber bereits wieder verworfen. "Ich wollte immer als Erster kommen und als Letzter gehen." Doch van der Giet hat schnell gemerkt, dass er dafür "im Büro übernachten müsste". Auf die Frage nach seiner liebsten Beschäftigung außerhalb des Amts lautet die Antwort denn auch: "Schlafen."

Ständig pendelt van der Giet zwischen Bonn und der politischen Leitung des Ministeriums in Berlin hin und her. Das kostet Zeit und Nerven. Erst am Vorabend war er aus der Hauptstadt ins Bonner Ministerium gekommen; am Vormittag, kurz nach dem Interview, flog er bereits wieder zurück zum Gespräch mit seinem Staatssekretär. Im Wagen, auf dem Weg zum Flughafen, wird er noch schnell von einem seiner Mitarbeiter informiert.

Der IT-Stab in der kleinen 50er-Jahre-Ministeriums-Stadt sitzt noch in einem barackenähnlichen Gebäude; doch er soll bald in einen repräsentativeren Neubau nebenan umziehen. Van der Giets Büro ist deswegen auch noch ein Provisorium. An der Wand hängt ein einsames Bild aus dem Fundus; im Sekretariat stehen in einer Kiste weitere, die noch niemand aufgehängt hat. "Die Möbel kommen erst Ende März", sagt van der Giet, und seine Sekretärin arbeitet eigentlich in einem anderen Referat und ist nur ausgeliehen.

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