Voice over IP im Unternehmen

Rückkehr der IP-Telefonie

06. September 2004
Dr. Klaus Manhart hat an der LMU München Logik/Wissenschaftstheorie studiert. Seit 1999 ist er freier Fachautor für IT und Wissenschaft und seit 2005 Lehrbeauftragter an der Uni München für Computersimulation. Schwerpunkte im Bereich IT-Journalismus sind Internet, Business-Computing, Linux und Mobilanwendungen.
Sprachverkehr über Datennetze löst zunehmend die teure Standard-Telefonie ab. Einfach handhabbare Plug-and-Play-Telefone, günstige VoIP-Dienstleister und die Einsparung eines firmeneigenen Telefonnetzes senken die Kosten und erhöhen Flexibilität sowie Komfort.

Die Übertragung von Sprache über Datennetze boomt. Der Luftfahrtkonzern Boeing will sein klassisches Telefonnetz ablösen und seine weltweit 160 000 Beschäftigten via Voice over IP telefonieren lassen. Das Beratungsunternehmen Merryll Lynch hat gerade eine Ausschreibung für IP-Telefonie gestartet.

Mit der Internet-Telefonie, wie sie vor Jahren bereits einmal aufkam, hat die moderne IP-Telefonie nur mehr wenig gemein. Die zunehmende Verbreitung von Breitbandanschlüssen wie DSL hat die Sprachqualität extrem verbessert. Unter guten Voraussetzungen ist kein Unterschied mehr zwischen IP- und StandardTelefonie bemerkbar. IP-Telefonie ist auch nicht mehr wie früher an Computer oder Headphones gebunden. Telefoniert werden kann PC-unabhängig und mit einem ganz normalen Telefon. Hinzu kommt, dass mittlerweile auch einheitliche Standards in der IP-Telefonie Verwendung finden, wobei sich vor allem die SIP-Technik (Session Initiation Protocol) weitgehend durchgesetzt hat. Sie ermöglicht problemlose Telefonate über Betreibergrenzen hinweg.

Geringe Kosten, hohe Flexibilität

Vor allem der Kostendruck und die mit IP-Telefonie verbundene höhere Flexibilität lassen immer mehr Unternehmen ihre althergebrachten Telefonsysteme aufgeben und auf die Sprachkommunikation via IP-Protokoll umsteigen. Telefongebühren entfallen beim IP-Sprachverkehr innerhalb des Corporate Networks ganz, bei Telefonaten außerhalb des Firmennetzes sind die Gebühren extrem reduziert. VoiP-Dienstleister verlangen für Gespräche ins deutsche Festnetz zum Teil nur einen Cent pro Minute. An der Sprachqualität merken die Teilnehmer normalerweise nichts; viele wissen gar nicht, dass sie über VoIP telefonieren.

Wesentlich wichtiger für größere Unternehmen: Bei vollständiger Umstellung auf VoIP entfallen die Management- und Wartungskosten für ein separates Telefonnetz. Da das herkömmliche Telefonnetz bei Voice over IP durch das Ethernet-LAN ersetzt wird, wird für die Übertragung von Sprache und Daten mit IP nur noch ein Netz benötigt. Dies ist viel leichter, schneller und kostengünstiger zu managen und zu pflegen als zwei getrennte Netze für Telekommunikation und Informationstechnologie.

Beispiel Umzug: "Wenn Sie eine normale TK-Anlage haben und die Mitarbeiter umziehen, müssen Sie immer einen Techniker kommen lassen, der die TK-Anlage entsprechend umkonfiguriert", sagt Holger Blank, CIO beim Paderborner IT-Unternehmen Wincor Nixdorf. "Bei einer VoIP-Anlage geht das ganz simpel per Plug and Play: Man zieht einfach das Telefon am alten Arbeitsplatz aus der LAN-Dose raus, steckt es in einen LAN-Port des neuen Büros - und das VoIP-Telefon ist sofort wieder einsatzbereit. Wenn man von der Faustregel ausgeht, dass jeder Mitarbeiter alle drei Jahre einmal umzieht, macht sich das finanziell massiv bemerkbar. So haben wir bei Umzügen 50 bis 60 Prozent gespart." Die Gesamt-Kostenersparnis durch IP-Telefonie schätzt Blank auf 15 Prozent.