RWE leidet weiter unter schwachem Erzeugungsgeschäft

13. August 2014
Deutschlands zweitgrößter Energieversorger RWE leidet weiter unter dem Einbruch im Erzeugungsgeschäft. Sinkende Preise im Stromgroßhandel und ein seltenerer Einsatz der konventionellen Kraftwerke schmälern die Erträge in der einst wichtigsten Sparte der Essener.

Bei der Vorlage der Zahlen für das erste Halbjahr erwarten Analysten an diesem Donnerstag (14. August) erneut, dass das Management Zahlungen für die Bereithaltung der Anlagen fordert. Die bis Mittwoch von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten erwarten im ersten Halbjahr beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) einen Rückgang um 37 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Grund für den deutlichen Rückgang ist neben dem operativen Geschäft eine Kompensationszahlung des russischen Gasriesen Gazprom über etwa eine Milliarden Euro im vergangenen Jahr, die sich in diesem Jahr nicht wiederholt hat.

Entsprechend dürfte auch das betriebliche Ergebnis mit 2,3 Milliarden Euro fast nur noch halb so hoch wie im Vorjahreszeitraum ausfallen - die Analysten erwarten einen Rückgang um 44 Prozent. Das um Sondereffekte bereinigte sogenannte nachhaltige Nettoergebnis sank den Schätzungen zufolge sogar um mehr als die Hälfte (60 Prozent) auf 790 Millionen Euro - das würde einen Verlust im zweiten Quartal bedeuten. Somit würde RWE noch schlechter abschneiden als Wettbewerber Eon, dessen Gewinn im ersten Halbjahr um ein Fünftel gesunken war.

Da bei vielen Versorgern die konventionellen Anlagen kaum noch wirtschaftlich laufen, wollen die Betreiber Kraftwerke vom Netz nehmen. So kündigte RWE erst am Dienstag an, drei weitere Kohlekraftwerke mit einer Leistung von insgesamt einem Gigawatt zur Stilllegung anzumelden. Bisher war von 7,4 Gigawatt die Rede, die vorübergehend oder dauerhaft vom Netz sollten.

Von Interesse für die Analysten dürfte darüber hinaus sein, ob sich die Verschuldungssituation verbessert hat. Von den 31,5 Milliarden Euro nach dem ersten Quartal will RWE bis Jahresende auf 26 Milliarden Euro kommen. Dabei dürfte auch der Fortgang des Verkaufs der Gasfördertochter Dea einen Blick wert sein, den RWE Ende März verkündet hatte. Diese Sparte hatte das Unternehmen zuletzt aus ihrem Jahresausblick herausgerechnet.

Das Ebitda und das betriebliche Ergebnis fürs laufende Jahr veranschlagt RWE somit auf 6,4 bis 6,8 Milliarden Euro beziehungsweise 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro. Beim nachhaltigen Nettoergebnis liegt die Prognose-Bandbreite bei 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro. Analysten rechnen mit einer Bestätigung. (dpa/ph)

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