Anzahl der Vorstandsmitglieder

Sparen in der Topetage – der neue Trend?

02. September 2013
Wieviele Vorstandsmitglieder braucht ein Unternehmen? Weniger als bisher, meinen jedenfalls die Commerzbank oder der Automobilzulieferer ZF. Sie sparen in der Topetage. Das geht allerdings nicht immer reibungslos über die Bühne.

Die Unternehmen könnten kaum unterschiedlicher sein, dennoch haben die Commerzbank, Stada, der Stahlkonzern Salzgitter und ZF Friedrichshafen eine Gemeinsamkeit: Sie setzen in der Topetage den Rotstift an. Auf den ersten Blick scheint die Ersparnis enorm. Im Schnitt überwiesen die 30 Dax-Gesellschaften nach einer Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) im vergangenen Jahr rund 3,2 Millionen Euro pro Vorstand, MDax-Manager kamen auf knapp 1,6 Millionen Euro.

Einen regelrechten Trend zur Vorstands-Verkleinerung sieht Michael Kramarsch, Partner der Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch & Partner (hkp) allerdings nicht. "Ein Vorstand weniger wird kaum ein Unternehmen sanieren, es ist mehr eine Frage der Glaubwürdigkeit gegenüber den Mitarbeitern, vor allem wenn gleichzeitig Personal abgebaut wird".

Manche Unternehmen verkleinern die Führungsspitze und bauen die Ebene darunter aus. "Ein Vorstand ist schließlich deutlich teurer als ein Nicht-Vorstand", sagt Kramarsch. In der Regel verdienten Manager in der zweiten Ebene etwa 50 Prozent dessen, was ein Vorstandsmitglied bekomme.

Reibungslos oder mit Ärger

Meist geht der Umbau der Führungsspitze reibungslos über die Bühne. Zwei der acht Topmanager des Automobilzulieferers ZF schieden altersbedingt aus, die Jobs wurden nicht wieder vergeben. Beim MDax-Konzern Salzgitter ist ein Vorstandsposten unbesetzt, zwei Topmanager stehen kurz vor dem Ruhestand. Die erwartete Halbierung des Führungsgremiums von sechs auf drei Manager dürfte in der Umsetzung also keine Probleme bereiten. Ende September befasst sich der Aufsichtsrat mit dem Thema. Der ebenfalls im MDax notierte Arzneimittelhersteller Stada besetzt die Stelle eines aus persönlichen Gründen ausgeschiedenen Vorstands vorerst nicht wieder.

Die Commerzbank hat sich dagegen kräftig Ärger eingehandelt. Die Verkleinerung des Vorstands von neun auf sieben Mitglieder dürfte die teilverstaatlichte Bank zunächst richtig Geld kosten. Die Verträge der angeblich vor den Ablösung stehenden Manager Ulrich Sieber und Jochen Klösges waren erst vor einem Jahr bis 2017 verlängert worden.

"Rechtlich sind die beiden betroffenen Manager in einer relativ komfortablen Situation", sagt Gesellschaftsrechtler Horst Grätz. Wichtige Gründe für die Abberufung eines Vorstandsmitgliedes – grobe Pflichtverletzung, Unfähigkeit oder Vertrauensentzug durch die Hauptversammlung – seien derzeit nicht bekannt.

Abfindung von zwei Jahresgehältern

Die beiden Vorstände hätten keine "goldenen Löffel" gestohlen, oder sich erkennbar etwas anderes zuschulden kommen lassen. Damit gebe es auch keinen Grund für eine außerordentliche Kündigung. Aus Sicht des Juristen, Partner bei der Kanzlei Rödl & Partner, wird der Bank nichts anderes übrig bleiben, als die beiden Vorstände "rauszukaufen".

Der Corperate Governance Kodex empfiehlt eine Abfindung von zwei Jahresgehältern als sachgerecht. Die beiden Manager erhielten im vergangenen Jahr ein Fixgehalt von jeweils 750.000 Euro, hinzu kommen Boni. Der Bund als Großaktionär will den beiden Vorständen Medienberichten zufolge jeweils nur eine Million Euro zugestehen. Einen rechtlich durchsetzbaren Anspruch, die Abfindung zu deckeln, hat der Bund allerdings nicht, betont Grätz.

Commerzbank-Chef Martin Blessing kämpft noch an einer anderen Front: Gegen die geplante Vorstandsverkleinerung gab es Widerstand im Aufsichtsrat. Arbeitnehmervertreter sahen vor allem bei Sieber, der auch Personalchef der Bank ist, Diskussionsbedarf. "Möglicherweise muss die Bank den Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat für deren Zustimmung Zugeständnisse beispielsweise beim Stellenabbau machen", meint Grätz. (dpa/tö)

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