Kontrolle der Internet-Nutzung am Arbeitsplatz

Spionieren für die Produktivität

02. Dezember 2002
Reppesgaard studierte in Hannover und arbeitete danach als Reporter und Moderator bei Hörfunk von Radio Bremen zu innen- und jugendpolitischen Themen und in den Bereichen Technologie und Wissenschaft. Seit dem Jahr 2000 lebt er in Hamburg, seit 2001 arbeitet er mit Christoph Lixenfeld im druckreif Redaktionsbüro zusammen.
Am Montagmorgen die Sportberichte, abends Musik aus dem Netz: Privater Online-Genuss auf Firmenkosten ist die Regel, gerade bei Langzeitarbeitern. Doch wachsender Kostendruck erzwingt eine schärfere Kontrolle der Netznutzung.

"Jede Website darf angesurft werden", sagt Dirk Freise, Geschäftsführer von Handy.de. Was sich nach guter, alter Start-up-Liberalität anhört, ist aber nur die halbe Wahrheit: Die Mitarbeiter des Hamburger Mobile-Entertainment-Anbieters dürfen nichts mehr aus dem Netz laden, vor allem keine Musikdateien. Das war lange anders: Gigabyte-weise häufte sich Netzmusik auf den PCs bei Handy.de. "Irgendwann fragte jemand, ob wir nicht einen Video- und Musik-Server einrichten können", erinnert sich Freise. Dann war Schluss mit lustig.

Vor allem in den Überstunden hätten die Mitarbeiter dem Privatvergnügen gefrönt. Heute ist das Audioformat MP3 per Betriebsvereinbarung aus dem Unternehmen verbannt. Mit Firewalls, die das interne Netz vom Internet abschirmen, werden bestimmte Verbindungen wie die beliebten File-Sharing-Börsen für Musik-Downloads unterbunden.

Dirk Freise, Geschäftsführer Handy.de Das Musikdatenformat MP3 ist per Betriebsvereinbarung aus der Firma verbannt.
Dirk Freise, Geschäftsführer Handy.de Das Musikdatenformat MP3 ist per Betriebsvereinbarung aus der Firma verbannt.

Handy.de verzichtet auf Software, um die Internet-Nutzung zu verfolgen oder einzuschränken - und ist damit eine Ausnahme. Der Markt für Content-Security-Produkte blüht: Den IDC-Marktforschern zufolge wurden 2001 weltweit 341 Millionen Dollar damit umgesetzt; 2006 sollen es 1,4 Milliarden sein.

Eine verbreitete Lösung zur Nutzerkontrolle sind Web-Filter. Sie verwenden Listen von Websites mit unerwünschten Inhalten: von Sex und Gewalt über Spiele und Unterhaltung bis zu Sport, Reisen und Shopping. Die Hypo-Vereinsbank in München nutzt die Filter der Siemens-Tochter Webwasher, Porsche und Toyota verlassen sich auf Produkte von Surf Control; Xerox überwacht weltweit mehr als 92000 Mitarbeiter mit Software von Websense, ebenso Calvin Klein, Canon, IBMIBM und Yamaha. Alles zu IBM auf CIO.de

In der Praxis halten viele Filter allerdings nicht das, was sie versprechen, wie das Beispiel Commerzbank zeigt. Kaum ein Nutzer hat hier die Berechtigung, jede Internet-Seite aufzurufen. Zu den Ausnahmen gehören eine kleine Gruppe von Researchern (sie brauchen Zugriff auf Adult Sites, um die Marktchancen der Betreiber beurteilen zu können) und die IT-Spezialisten der Bank.

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