Lieber Freizeit, Bildung und Familie

Statussymbole waren gestern

26. August 2013
Bettina Dobe ist freie Journalistin aus München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media-Themen spezialisiert. Sie arbeitet für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften in Deutschland.
Protziger Dienstwagen und andere Luxussymbole sind nicht mehr so gefragt: Wie in einer Studie herauskam, setzen Deutsche auf Werte. Wirkt sich das auf die Arbeitskultur aus?

"Mein Haus, mein Boot, mein Auto" - mit solchen markigen Sprüchen markieren nur noch wenige Deutsche ihren Status. Die materiellen Statussymbole werden immer unwichtiger, wie eine Umfrage der Berliner Strategieagentur Diffferent ergab. Sie befragte rund 2000 Personen zu ihrem Statusempfinden. Heraus kam: Neun von zehn Statussymbolen sind sogenannte "weiche" Werte, also keine materiellen Güter. Diese Ergebnisse sind vor allem für Entscheider wichtig. Nur so wissen sie, wie sie ihre Mitarbeiter motivieren können. Auf den DienstwagenDienstwagen wollen die Deutschen dennoch nicht verzichten. Alles zu Dienstwagen auf CIO.de

Die Ergebnisse dieser Studie passen zu früheren Ergebnissen: Mitarbeiter wollen flexibler sein und mehr Eigenverantwortung tragen. Ein eigener Dienstwagen, so die Studie der Personalberatung von Runstedt, ist zwar immer noch wichtig - aber auch in dieser Umfrage liegen die immateriellen Werte weit vorn.

Die neuen Statussymbole

Am wichtigsten ist den Befragten, Zeit für sich zu haben. 90 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, dass sie das für sehr erstrebenswert halten. Mehr als drei Viertel schreiben auch Werten wie "einen unbefristeten Arbeitsvertrag besitzen", "körperlich fit sein", "ein eigenes Haus oder eine Eigentumswohnung zu besitzen" und "richtig gut kochen können" sehr hohe Bedeutung zu. Immer noch sehr hohe Zustimmungswerte erreichen "Kinder haben", "mehrere Sprachen sprechen können", "eine Ehe führen", "stets über die Weltpolitik informiert sein" und "sich ehrenamtlich engagieren", so die Umfrage.

Was Chefs daraus lernen können

Wollen Entscheider ihre Mitarbeiter motivieren und ans Unternehmen binden, können sie aus dieser Umfrage lernen. Wenn den Kollegen die Eigenzeit so wichtig ist, kann ein Chef dafür sorgen, dass die Überstunden abgebaut werden können - oder gar nicht erst entstehen. Das schafft Wertschätzung: Der Mitarbeiter merkt, dass er dem Vorgesetzten wichtig ist. Das motiviert die Mitarbeiter zu höheren Leistungen.

Beschäftigt ein Unternehmen dauerhaft viele Freelancer, ist es eine Überlegung wert, ihnen einen festen Arbeitsvertrag zu geben. Viele Deutsche wünschen sich Sicherheit, wenn man der Umfrage vertraut, und eine langfristige Bindung an einen Arbeitgeber. Die Firma wird davon auch profitieren: Talente müssen langfristig gehalten werden. Aber ein fester Arbeitsvertrag ist heute bei Berufsanfängern nicht mehr so häufig: Wenn ein Chef Talenten feste Verträge anbietet, könnte sich das für ihn lohnen.

Platz drei der Umfrage: körperliche Fitness. Die Chefs, die dafür sorgen, dass sich ihre Mitarbeiter fit halten, haben nicht nur gesündere Angestellte (reduzierter Krankenstand), sondern fördern auch ein angenehmes Betriebsklima. Chefs könnten selbst mit gutem Beispiel voran gehen und joggen gehen oder aber die Mitarbeiter darin motivieren, mehr Sport zu treiben. Das kann auch Belohnungssystem eingesetzt werden, etwa, indem man den Mitarbeitern Fitnessstudio-Mitgliedschaften als Bonus anbietet.

Familien nach vorn

Die Deutschen wollen laut der Umfrage von Diffferent Kinder haben und eine Ehe führen. Gerade Frauen trauen sich oft nicht, dieses Thema ihrem Chef gegenüber anzusprechen und fürchten, dass mit Kind die KarriereKarriere vorbei ist. Dabei können Vorgesetzte Mütter und Väter sehr gut unterstützen, wie das Beispiel Ratepay beweist. Das Unternehmen unterstützt explizit Frauenkarrieren durch flexible Arbeitszeitmodelle und eine generell familienfreundliche (Arbeits-)Einstellung. Auch andere Wünsche der Mitarbeiter, etwa nach ehrenamtlichem Engagement oder eine Sprache zu lernen, können Chefs unterstützen wie zum Beispiel durch Weiterbildungen. Alles zu Karriere auf CIO.de

Dienstwagen gebraucht

Auf den Dienstwagen verzichten? So weit geht der Verzicht auf materielle Güter dann doch nicht.
Auf den Dienstwagen verzichten? So weit geht der Verzicht auf materielle Güter dann doch nicht.
Foto: Daimler AG

Trotz aller heeren immateriellen Werte: Der Dienstwagen ist als Statussymbol immer noch nicht ausgestorben. So landet der Dienstwagen denn auch auf Platz eins der beliebtesten materiellen Güter, wie die Studie von Diffferent ergeben hat. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der Befragten ist der Meinung, dass das Auto das wichtigste Statussymbol zum Anfassen ist. Weit abgeschlagen landen auf Platz zwei Computer, TabletsTablets und SmartphonesSmartphones mit 16 Prozent. Uhren und Schmuck belegen mit vier Prozent Zustimmung auf dem fünften Platz. Alles zu Smartphones auf CIO.de Alles zu Tablets auf CIO.de

Nicht einmal in der Wirtschaftskrise wollten die Deutschen auf den Fuhrpark verzichten, so groß ist die Liebe zum Firmenauto. Für Entscheider heißt das: Unterstützen Sie Ihre Kollegen in deren Wunsch nach Sicherheit, Familie und Bildung - und fahren Sie schon mal den Wagen vor.

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